Düsseldorf (aktiencheck.de AG) - Marc Gabriel, Analyst vom Bankhaus Lampe, rät die Continental-Aktie (ISIN DE0005439004/ WKN 543900) zu halten.
Der Konzernumsatz sei im Jahr 2008 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 45,8% auf 24,2 Mrd. EUR (Vorjahr: 16,6 Mrd. EUR) gestiegen. Dieser starke Anstieg sei vor allem auf den Erwerb der Siemens VDO zurückzuführen.
Bereinigt um Sondereffekte sei das EBIT vor Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte aus der Kaufpreisallokation (PPA) und vor Abschreibungen auf materielle Vermögenswerte aus PPA (nur Siemens VDO) des Konzerns um 0,2% auf 1,84 Mrd. EUR zurückgegangen. Die bereinigte Umsatzrendite habe 7,6% (Vorjahr: 11,1%) betragen. Das operative Konzernergebnis (EBIT) habe sich vor allem als Folge der Goodwill-Abschreibung in Höhe von 1,23 Mrd. EUR im Vergleich zum Vorjahr auf -296,2 Mio. EUR (Vorjahr: 1,67 Mrd. EUR) verringert. Die Umsatzrendite habe sich auf -1,2% (Vorjahr: 10,1%) verringert.
Das den Anteilseignern zuzurechnende Konzernergebnis habe sich vor allem als Folge der Goodwill-Abschreibung auf -1,1 Mrd. EUR (Vorjahr: 1,0 Mrd. EUR) reduziert. Dies entspreche einem Ergebnis pro Aktie von -6,84 EUR (Vorjahr: 6.79 EUR). Adjustiert um die Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte aus PPA, Abschreibungen auf materielle Vermögenswerte aus PPA (nur Siemens VDO) sowie die Goodwill-Abschreibung betrage das Ergebnis pro Aktie 3,16 EUR.
Der Anstieg der Rohstoffpreise habe den Konzern im Jahr 2008 mit rund 325 Mio. EUR im Vergleich zu den durchschnittlichen Preisen des Jahres 2007 belastet. Die Netto-Finanzschulden hätten sich gegenüber dem Jahresende 2007 um 372,9 Mio. EUR auf 10,5 Mrd. EUR (Vorjahr: 10,9 Mrd. EUR) reduziert. Dennoch habe sich die Gearing Ratio wegen der nicht cash-wirksamen Goodwill-Abschreibung in Höhe von 1,23 Mrd. EUR auf 189,6% (Vorjahr: 158,3%) erhöht.
Das Eigenkapital sei durch die Goodwill-Abschreibung auf 5,53 Mrd. EUR gesunken. In der Konzernbilanz sei per 31.12.2008 ein Goodwill von 6,38 Mrd. EUR verbucht nach 7,29 Mrd. EUR Ende 2007. Aufgrund des Bilanzverlusts in der Continental AG als Muttergesellschaft des Continental-Konzerns werde es auf der Hauptversammlung keinen Vorschlag, auf Ausschüttung einer Dividende für das Geschäftsjahr 2008 geben.
Darüber dürfte sich die Familie Schaeffler als neuer Großaktionär nicht besonders gefreut haben, immerhin habe das fränkische Familienunternehmen ebenso große Probleme nach der Übernahme der Continental, um die dazu aufgebauten eigenen Schulden zu reduzieren, so dass eine Ausschüttung aus Hannover willkommen gewesen wäre. Zuletzt habe Schaeffler die Bereitstellung von 500 Mio. EUR als Überbrückungskredit bekannt geben können, wodurch sich der Großaktionär etwas Luft habe verschaffen können.
Wegen der anhaltenden Turbulenzen an den Finanzmärkten und der Rezession in weiten Teilen der Welt sei eine verlässliche Einschätzung der Rahmendaten (Währungen, Zinsen, Absatz- und Produktionsmärkte) seitens des Unternehmens derzeit nicht möglich. Trotzdem sei es angabegemäß oberstes Ziel, die Netto-Finanzschulden des Konzerns weiter zu senken. Deshalb seien zusätzlich zu den bereits erfolgten Einschnitten unter anderem bei Investitionen sowie Forschung und Entwicklung weitere Sparmaßnahmen initiiert worden. Der Ausfall der Dividenden sei ein weiterer wichtiger Schritt zur Senkung der Verschuldung. Die Analysten vom Bankhaus Lampe erwarten, dass es Continental auch im schwierigen Jahr 2009 gelingen wird, einen substanziellen Free Cash-flow zu erwirtschaften.
Daher sei aus heutiger Sicht davon auszugehen, dass Continental die pro Quartal festgelegten Verpflichtungen aus den Kreditverträgen einhalten werde. Zudem prüfe die Continental verschiedene Alternativen zur Ablösung der im August 2010 fällig werdenden Tranche B in Höhe von 3,5 Mrd. EUR. Die Ende Januar mit der Schaeffler Gruppe begonnenen konstruktiven Gespräche über eine Zusammenarbeit bei dem Unternehmen würden intensiv fortgesetzt.
Der Geschäftsstart in das erste Quartal 2009 zeige, wie groß die Herausforderungen im laufenden Jahr sein würden. So dürfte sich der Umsatzrückgang im ersten Halbjahr 2009 gerade in den Automotive-Divisionen noch einmal beschleunigen. Es sei daher nicht auszuschließen, dass es gerade im ersten Halbjahr vor dem Hintergrund der hohen Vergleichswerte aus dem Vorjahr zu sehr großen Abweichungen gegenüber dem Vorjahr kommen könne. Ebenso sei anzunehmen, dass es im laufenden Jahr zu erheblichen Restrukturierungsmaßnahmen komme.
Angesichts der anhaltend negativen Marktentwicklung habe sich Mitte März abgezeichnet, dass die Minderauslastung der Reifenfabriken des Unternehmens in Europa allein 2009 rund 15 Millionen Pkw-Reifen (-minus 13,5%) und rund 1,7 Millionen Nutzfahrzeugreifen (minus 25%) betragen werde. Continental habe deshalb seine Produktion in den europäischen Reifenwerken deutlich angepasst und den betroffenen Beschäftigten entsprechende Projektpläne am Mittwoch vorgestellt.
Nachdem das europäische Erstausrüstungsgeschäft bei PKW-Reifen im vierten Quartal 2008 um 20% zurückgegangen sei, habe sich die Dynamik in den ersten beiden Monaten dieses Jahres sogar auf mehr als 30% erhöht. Im Ersatzmarkt gebe es ebenfalls einen erheblichen Nachfragerückgang, so dass der Konzern die Produktion von 1,4 Mio. Nutzfahrzeugreifen am Standort Hannover zum 31.12.2009 einstellen werde. Darüber hinaus werde die Produktion in Puchov/ Slowakei um 20% zurückgefahren und damit die Nfz-Reifen-Produktion europaweit um insgesamt 27% verringert.
In Clairoix/ Frankreich solle die Reifenproduktion von 8 Mio. Reifen innerhalb eines Jahres eingestellt werden, da die Produktionskosten für Pkw-Reifen an diesem Standort im Vergleich zu allen anderen europäischen Pkw-Reifen-Standorten am höchsten seien.
Der Konflikt mit der Schaeffler-Gruppe habe das Sentiment für den DAX-Absteiger belastet. Operativ stehe der Konzern vor der Herausforderung, den Einbruch der Automobilmärkte zu managen. Das stelle sich schwieriger dar als erwartet. Sollte Schaeffler einen strategischen Investor für die zurzeit bei den Banken geparkten Aktien finden, könnte dies ein Katalysator für die Aktienkursentwicklung sein.
Da dies aktuell nicht absehbar ist, empfehlen die Analysten vom Bankhaus Lampe die Continental-Aktie zu halten. Das Kursziel werde bei 17 EUR gesehen. (Studie "MDAX-Guide Frühjahr 2009" vom 06.04.2009) (06.04.2009/ac/a/d)
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Analyse-Datum: 06.04.2009