Hamburg (aktiencheck.de AG) - Claudia Erdmann, Analystin der HSH Nordbank AG, bewertet die Aktie von EUROKAI (ISIN DE0005706535/ WKN 570653, VZ) weiterhin mit "kaufen".
Seit November letzten Jahres hätten sich die weltweiten Konjunkturaussichten rapide verschlechtert. Viele Indikatoren wie Auftragseingänge oder Industrieproduktion würden scharfe Rückgänge zeigen. Dies lasse auch für den Welthandel nichts Gutes vermuten. Der Verfall der Charterraten für Containerschiffe sei - neben anderen Faktoren - auf die schwierige Mengenentwicklung zurückzuführen. Die Analysten hätten daher ihr Konjunkturszenario nach unten angepasst. Für Deutschland würden sie ein BIP-Wachstum für 2009 von -3,2%, für den Euroraum von -2,6% und für die USA von -2,0% erwarten. Die jüngsten Schätzungen des IWF würden in die gleiche Richtung deuten. Für den Welthandel sehe der IWF gar eine Schrumpfung von 2,8% in diesem Jahr.
In 2008 habe EUROKAI den Containerumschlag um 2,3% auf 14,2 Mio. TEU steigern können. Dabei habe sich die gegensätzliche Entwicklung in Bremerhaven und Hamburg fortgesetzt. Während Bremerhaven mit einem Zuwachs von 12,4% auf 5,5 Mio. TEU habe glänzen können, sei der Umschlag in Hamburg um 7,7% auf 2,7 Mio. TEU eingebrochen. An den italienischen Mittelmeerhäfen sei die Containermenge um 2,1% gesunken, was der Entwicklung in Cagliari geschuldet sei.
Dort habe sich der Dezember aber als sehr erfreulich erwiesen, nachdem die neuen Kunden Grand Alliance und UASC das Geschäft deutlich belebt hätten. Der Terminal in Lissabon habe einen Rückgang von 0,9% verschmerzen müssen. Am neuen Terminal in Tanger sei der operative Betrieb angelaufen und habe der Gruppe einen Umschlag von 64.178 TEU beschert.
Der für EUROKAI wichtigste Hafen in Bremerhaven werde nach Einschätzung der Analysten in 2009 6% der Umschlagsmengen verlieren. Weil das Vorjahr 2008 lange Zeit so stark gewesen sei, sei der Einbruch im Vorjahresvergleich besonders heftig. Die Analysten hätten auch ihre Prognose für EUROKAI’s Terminal in Hamburg auf -3,0% (2,61 Mio. TEU) zurückgenommen. In Italien sähen sie in Summe ein kleines Wachstum von 1,9%, insbesondere weil dann die neuen Kunden in Cagliari für ein volles Jahr zu Buche schlagen würden. Nichts desto trotz sollten die anderen italienischen Terminals Rückgänge erleiden.
Positive Impulse dürften auch von den neuen Terminals in Tanger und Ust-Luga kommen. Für die gesamte EUROKAI-Gruppe würden die Analysten 2009 eine Abnahme der Containermenge um knapp 2% auf 13,9 Mio. TEU erwarten. Für 2010 sähen sie eine erste Erholung mit einem Umschlagsplus von ca. 5% auf 14,6 Mio. TEU.
Aufgrund der Rezession hätten sie ihre Umsatz- und Ergebnisschätzungen insbesondere für 2009 und 2010 gesenkt. Für 2010 würden sie eine Stabilisierung der volkswirtschaftlichen Lage erwarten, in 2011 würden sie mit einer Erholung der Konjunktur rechnen. Für EUROKAI bedeute dies ein abnehmendes Ergebnis auf EBIT-Ebene im laufenden Jahr und eine Erholung bereits in 2010.
Auf Basis ihrer DCF- und EVA®-Modelle kämen die Analysten zu einem Unternehmenswert von 0,9 Mrd. EUR. Das entspeche einem Wert je Aktie von 68,33 bzw. 65,28 EUR. Ihr Fair Value sei 66,80 EUR. Sie würden die scharfe Korrektur des EUROKAI-Aktienkurses wegen der überaus schlechten Marktstimmung für übertrieben halten. Die Folgen der Rezession für EUROKAI’s Geschäftsentwicklung seien unübersehbar, aber am Aktienmarkt zu stark eingepreist.
Die Analysten der HSH Nordbank AG bestätigen ihr Rating "kaufen" für die Aktie von EUROKAI, senken aber das Kursziel von 81,60 EUR auf 66,80 EUR. Das Anlagerisiko würden sie als hoch einschätzen. (Analyse vom 29.01.2009) (29.01.2009/ac/a/nw)
Analyse-Datum: 29.01.2009