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10.02.2012 13:58

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EZB-Liquidität als zweischneidiges Schwert

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die ersten 100 Tage seiner Amtzeit hat EZB-Präsident Mario Draghi erfolgreich gemeistert, so die Analysten der Helaba.

Zwei Zinssenkungen und vor allem der liquiditätsschöpfende Dreijahrestender hätten entscheidend dazu beitragen, die Lage des Finanzsystems zu verbessern und ein abruptes Abbremsen des Refinanzierungsrads am Staatsanleihenmarkt zu verhindern. Hinzu seien günstige Konjunkturdaten gekommen, sodass zumindest subjektiv der Eindruck eines perfekten Timings entstanden sei.

Trotz des jüngsten Renditeanstiegs bei Bundesanleihen habe man nicht den Eindruck, dass am deutschen Rentenmarkt derzeit viel "anbrennen" könne. Dies liege vor allem an der ultralockeren Geldpolitik. Die Europäische Zentralbank habe ihre Bilanzsumme seit Mitte letzten Jahres um mehr als 40% ausgeweitet. Seit der Lehman-Pleite habe sich das Volumen fast verdoppelt. Ende Februar finde der zweite Dreijahrestender statt, sodass sich die Situation im Finanzsystem weiter entspannen dürfte. Die Kehrseite dieser angelsächsisch geprägten Geldpolitik sei jedoch bereits sichtbar. Dass die Inflationserwartungen der Investoren seit November spürbar zugelegt hätten, dürfte nicht nur an den seit Dezember um etwa 10% gestiegenen Rohölnotierungen liegen.

Auffallend sei auch, dass die Werte der EU-Verbraucherumfrage zur erwarteten Teuerungsentwicklung trotz wachsender Rezessionsängste zuletzt auf einem sehr hohen Stand verharrt hätten. Noch vor wenigen Jahren wäre ein solches Umfrageergebnis mit einem Leitzinsniveau von über 4% einhergegangen, aber bekanntermaßen hätten sich die Koordinaten für die Geldpolitik zuletzt deutlich verschoben.

Natürlich sei angesichts stagnierenden Geldmengenwachstums, rückläufiger Kreditvergabe und europaweit bestenfalls moderater Lohnsteigerungen zumindest vorerst nicht mit Inflationsproblemen zu rechnen. Die EZB sollte gleichwohl darauf achten, den Bogen nicht zu überspannen und einem "schleichenden" Anstieg langfristiger Inflationsbefürchtungen unnötig Vorschub zu leisten.

Ein Beitrag wäre beispielsweise, das Leitzinsniveau bei 1% zu konservieren und sich damit auch optisch etwas von den niedrigeren Zinssätzen in den USA und Großbritannien abzusetzen. Die Meinungen der Bankanalysten würden diesbezüglich auseinander gehen. Bei der jüngsten Reuters-Umfrage würden 50% weitere Lockerungen der EZB bis Jahresende sehen. Die andere Hälfte erwarte unveränderte Leitzinsen, darunter auch die Helaba. (10.02.2012/ac/a/m)

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