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10.02.2012 11:17

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EZB in bekanntem Fahrwasser, BoE quantitativer

Bremen (aktiencheck.de AG) - Der Euro eröffnete heute (07:53 Uhr) bei 1,3255 USD, nachdem im Verlauf der letzten 24 Handelsstunden Tiefstkurse im europäischen Handel bei 1,3235 USD markiert wurden, so die Analysten der Bremer Landesbank.

Der USD stelle sich gegenüber dem JPY auf 77,65. In der Folge notiere EUR/JPY bei 102,95, während EUR/CHF bei 1,2100 oszilliere.

Das Thema Griechenland ermüde. Ja, die politische "Elite" Athens, die über Jahrzehnte bewiesen habe, dass sie nicht kompetent gewesen sei, habe nach epischer Diskussion levantinischer Art zwar zu spät, aber dennoch letztendlich rechtzeitig den Reformenanforderungen, die von der Troika stoisch gefordert worden seien, entsprochen. Wer jedoch geglaubt habe, dass die europäische politische "Elite" sich von dieser levantinischen Verbalakrobatik und Taktiererei habe beeindrucken lassen, habe sich geirrt. Offensichtlich gebe es in Brüssel und den wesentlichen Hauptstädten der Eurozone Lernkurven.

Wer in dieser Art und Weise mit Brüssel in despektierlicher Manier spiele, dem würden die politischen Leviten gelesen. Dann heiße es vollkommen angemessen, dass Kontrolle vor Vertrauen gehe. Die Mittel für Griechenland würden erst dann fließen, wenn die Reformen parlamentarisch verabschiedet seien und sich die staatstragenden Parteien dem Reformprogramm umfänglich verpflichten würden. Darüber hinaus seien weitere Einsparungen in Höhe von 325 Mio. Euro im Haushalt erforderlich, die auch noch geliefert werden müssten.

Herr Juncker sei als EU-Gruppenchef zuversichtlich, dass bis Mitte nächster Woche die Anforderungen erfüllt würden. Die normative Kraft des Faktischen spreche in der Tat dafür. Jede andere politische Antwort Athens wäre "Selbstmord aus Angst vor dem Tod". Diese Disziplin sei schlicht weg und ergreifend nur für Nihilisten attraktiv. Lebensfrohe Levantiner seien grundsätzlich keine Nihilisten.

Man wende sich der EZB-Ratssitzung zu. Der EZB-Rat lasse den Leitzins den Erwartungen entsprechend bei 1,00%. Alle weiteren Äußerungen seien keine wirkliche Überraschung. Seine Einlassungen seien als Politik der ruhigen, aber fraglos bestimmten Hand zu interpretieren. Die EZB leiste für den Stabilisierungsprozess, was sie könne. Wer erwartet habe, dass die EZB einen freiwilligen Beitrag für die Sanierung Griechenlands beitrage, habe sich getäuscht gesehen. Draghi habe klargemacht, dass ein freiwilliger Verlust nichts anderes darstellen würde als eine verdeckte Staatsfinanzierung. Dazu sei die EZB nicht ermächtigt. Draghi und der EZB-Rat würden damit den Beleg liefern, dass die EZB eben nicht die FED sei.

Man werfe einen Blick auf einige Zitate Draghis, die die Analysten ohne weitere Kommentierung lassen würden, da sie keiner weiteren Kommentierung bedürften.

- "Offen gesagt, wir haben nicht über die Perspektiven oder eine aktuelle Zinserhöhung gesprochen." - "Die Inflation dürfte noch einige Monate über zwei Prozent liegen, bevor sie unter 2 Prozent sinken wird." - "Die Risiken für den mittelfristigen Ausblick für die Preisentwicklung bleibt weitgehend ausgeglichen." - "Wir gehen weiter davon aus, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone 2012 erholen wird - wenn auch nur sehr schrittweise." - "Die sehr niedrigen kurzfristigen Zinsen und all jene Maßnahmen zum Funktionieren des Finanzsektors in der Euro-Zone stützen die Wirtschaft im Währungsgebiet." - "Fiskalpakt ist erster schüchterner Schritt zur Fiskalunion."

Die Bank of England habe sich für eine Ausweitung der quantitativen Maßnahmen um 50 Mrd. Britische Pfund durchgerungen. Damit wachse das Programm auf freundliche 325 Mrd. Pfund an. Das entspreche 387 Mrd. Euro. Wenn man das Ankaufprogramm der EZB am Sekundärmarkt bei 220 Mrd. Euro zum Vergleich nehme und berücksichtige, dass der Währungsraum bezüglich der Bevölkerung circa sechsmal so groß sei, dann verstehe man den Unterschied der Qualität der Zentralbankpolitiken zwischen EZB und BoE. Anders ausgedrückt sei die BoE sechsmal so quantitativ wie die EZB oder biete nur ein Sechstel der Stabilitätspolitik der EZB.

Der angelsächsisch und amerikanisch geprägte Finanzmarkt habe den Beschluss abgefeiert. So sind halt unsere "Freunde" in London und New York, so die Analysten der Bremer Landesbank. In den 90ern und Anfang des neuen Jahrtausends seien sie die Propheten der ultimativen freien Märkte gewesen, die uns in Kontinentaleuropa für staatlichen Dirigismus als ökonomische und finanzielle Hinterwäldler gekasteit hätten. Jetzt seien sie die Gläubigen der Staatsintervention. So etwas wie Selbstreflexion kenne man in den USA und im UK wohl nicht.

Die US-Arbeitslosenerstanträge seien in der letzten Berichtswoche von zuvor 373.000 auf 358.000 gesunken. Die freundliche Tendenz am US-Arbeitsmarkt halte damit an.

Die Lagerbestände des Großhandels hätten per Dezember einen Anstieg um 1,0% im Monatsvergleich verzeichnet. Der Absatz habe um 1,3% deutlich zugelegt. das Niveau der Lagerbestände sei im Verhältnis zum Absatz als unprekär zu definieren.

Zusammenfassend ergebe sich ein Szenario, das den EUR gegenüber dem USD favorisiere. Ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1,3000/1,3030 neutralisiere das positive Bias des Euros. (10.02.2012/ac/a/m)

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