Düsseldorf (aktiencheck.de AG) - Der Analyst von GSC Research, Klaus Kränzle, rät die GCI Management-Aktie (ISIN DE0005855183/ WKN 585518) weiterhin spekulativ zu halten.
Mitte Mai habe GCI die Zahlen für das erste Quartal 2009 veröffentlicht. Dies sei zunächst unter Vorbehalt geschehen, da zu diesem Zeitpunkt der Jahresabschluss 2008 noch nicht festgestellt gewesen sei.
Der Umsatz habe im ersten Quartal 2009 28,4 (Vj. 48,4) Mio. Euro betragen und somit etwas mehr als das Vorjahresniveau erreicht. Erstmalig seien Umsätze der Maschinenfabrik Spaichingen Gruppe in Höhe von 16,7 Mio. Euro konsolidiert worden. Aus dem Konsolidierungskreis des Vorjahres seien Umsätze in Höhe von 16,7 Mio. Euro der insolventen Pfaff Industrie Gruppe herausgefallen. Weitere 17,8 Mio. Euro seien wegen des Verkaufs der Anteile an der DEWI Components-Gruppe im Herbst 2008 nicht mehr in die Zahlen des ersten Quartals 2009 eingeflossen.
Das Ergebnis vor Finanzergebnis, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) habe sich um ein Viertel auf 4,4 (6,1) Mio. Euro reduziert. Da mit 2,5 (2,0) Mio. Euro etwas höhere Abschreibungen als im Vorjahr angefallen seien, habe sich das operative Ergebnis (EBIT) um über die Hälfte auf 1,9 (4,1) Mio. Euro zurückgebildet. Laut Unternehmensangaben sei das Finanzergebnis erneut durch den negativen Bewertungseinfluss von zur Zinsrisikoabsicherung von Tochtergesellschaften eingesetzten Derivaten in Höhe von 2,7 Mio. Euro belastet worden.
Das Ergebnis vor Steuern sei auch aufgrund des erwähnten Effektes mit minus 2,4 (+2,4) Mio. Euro in die roten Zahlen gerutscht. Offiziell habe GCI im Quartalsbericht zudem noch das Ergebnis je Aktie vor Minderheitsanteilen veröffentlicht. Dieses sei mit minus 0,10 Euro je Anteilsschein auf Basis der Aktienzahl von 20,6 Mio. Stück berechnet worden. Die Eigenkapitalquote habe sich per Ende März 2009 mit 25,0 (25,9) Prozent stabil entwickelt.
Insgesamt würden die Analysten die Zahlen auf operativer Ebene vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise als akzeptabel werten. Zudem würden sie hoffen, dass die negativen Nachwirkungen der außerordentlichen Effekte aus 2008 mit dem ersten Quartal abgearbeitet worden seien und somit GCI trotz der Wirtschaftskrise im Jahresverlauf auch unter dem Strich schwarze Zahlen schreiben werde.
Die Analysten hätten ihre Schätzungen auf Basis der GCI-Zahlen für das erste Quartal und der allgemeinen Vorhersagen der Wirtschaftsforschungsinstitute nochmals überarbeitet und nach unten angepasst. Als Indikation für die gesamte Gruppe habe GCI im Quartalsbericht angegeben, dass man bei der größten Beteiligung, der Maschinenfabrik Spaichingen derzeit von einer um fast ein Drittel niedrigeren Auftragslage in 2009 ausgehe.
Die Analysten würden somit jetzt nur noch mit einem Gesamtumsatz von 133,2 (bisher 156,4) Mio. Euro rechnen. In dieser Summe seien neben den operativen Gesellschaften im Industriebereich auch die Erlöse aus dem Beratungsgeschäft und dem Finanzbereich enthalten. Für diesen hätten die Analysten die Umsätze auf 14,0 (2,2) Mio. Euro deutlich erhöht, da sie zum einen die dortige Geschäftsdynamik unterschätzt hätten, zum anderen aber auch die Umgliederungseffekt aus anderen Sparten von außen schwer einschätzbar gewesen seien.
Auf der Ergebnisseite hätten die Analysten im Zuge der eingeleiteten Kostensenkungsmaßnahmen im operativen Bereich und der erwarteten niedrigeren außerordentlichen Aufwendungen ihre Prognose für das Ergebnis vor Finanzergebnis, Abschreibungen und Steuern erhöht. Sie würden jetzt von einem EBITDA in Höhe von 16,5 (bisher 12,8) Mio. Euro ausgehen. Das operative Ergebnis (EBIT) hätten die Analysten jedoch aufgrund eines aus Vorsichtsgründen höheren Ansatzes für Abschreibungen in Höhe von 8,3 (bisher 4,7) mit 8,2 (8,1) nahezu unverändert belassen.
Den Jahresüberschuss nach Steuern und Anteilen Dritter würden die Analysten jetzt bei 0,5 (1,4) Mio. Euro sehen. GCI gehe momentan von einem Nachsteuerergebnis vor Anteilen Dritter von 2,5 Mio. Euro aus. Die Analysten würden aus Vorsichtsgründen, die wahrscheinlich hauptsächlich auf dem Posten Abschreibungen beruhen würden, mit ihrer korrespondierenden Schätzung in Höhe von 1,5 (4,4) Mio. Euro somit etwas unter der GCI-Prognose liegen. Unter dem Strich würden ihre Schätzungen ein Ergebnis je Aktie von 0,03 (0,07) Euro bedeuten. Eine Dividendenausschüttung würden die Analysten für das Geschäftsjahr 2009 folglich nicht erwarten.
In 2010 würden die Analysten nur eine leichte Erholung des operativen Geschäftes erwarten, würden jedoch nach derzeitigem Kenntnisstand nicht von nennenswerten Unternehmensverkäufen ausgehen. Sie würden jetzt mit einem Umsatz von 138,0 (bisher 184,3) Mio. Euro rechnen. Der Jahresüberschuss sollte sich nach dem Wegfall der außerordentlichen Belastungen der jüngeren Vergangenheit auf 2,8 (20,6) zwar erholen, dürfte aber aufgrund des Basiseffektes erheblich unter dem bisherigen Ansatz der Analysten bleiben. Das Ergebnis je Aktie sollte 0,14 (1,00) betragen, sodass die Analysten momentan auch für 2010 nicht mit der Zahlung einer Dividende rechnen würden.
Die operativern GCI-Zahlen seien vor dem Hintergrund der massiven Eintrübung des wirtschaftlichen Umfeldes nach Erachten der Analysten sowohl in 2008 als auch im ersten Quartal 2009 noch akzeptabel ausgefallen. Auch die Betrachtung des Segmentberichtes unterstütze diese Sichtweise.
Auf der anderen Seite seien enorme außerplanmäßige Aufwendungen im Zuge der Insolvenzen bei der Pfaff Industrie Maschinen AG, der Dehorsy GmbH und bei Wilisch & Sohn entstanden. Kritische Beobachter von GCI würden sich hier bestätigt fühlen, dass derartige Aufwendungen stets in der Bewertung mit berücksichtigt werden müssten.
Insgesamt hätten die Analysten aufgrund der derzeitigen Verwerfungen an den Finanz- bzw. Beteiligungsmärkten deshalb die Unternehmenswerte im GCI-Portfolio weiterhin sehr vorsichtig angesetzt.
Insofern behalten die Analysten von GSC Research bei der GCI Management-Aktie ihre Halteempfehlung für spekulative Investoren bei. Andere Investoren sollten bei Interesse für das durchaus interessante Geschäftsmodell von GCI jedoch eine nachhaltige Erholung der Beteiligungsmärkte und die Auflösung des Exit-Staus abwarten und bis dahin bei einem Überschreiten des Kursziels eher Bestände abbauen. Das Kursziel würden die Analysten aus Vorsichtsgründen um 20 Cent von 0,86 auf 0,66 Euro senken. (Analyse vom 20.07.2009) (20.07.2009/ac/a/nw)
Analyse-Datum: 20.07.2009