Düsseldorf (aktiencheck.de AG) - Sebastian Hein, Analyst vom Bankhaus Lampe, stuft die Aktie der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) (ISIN DE000A0S8488/ WKN A0S848) nach wie vor mit "halten" ein.
Die HHLA habe in der vergangenen Woche die endgültigen Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr veröffentlicht und im Rahmen einer Analystenkonferenz in Hamburg weitere Details zur Geschäftsentwicklung erläutert. Folgende Eckdaten würden das Ergebnis des börsennotierten Teilkonzerns Hafenlogistik kennzeichnen: Umsatz: 1,30 Mrd. EUR (Vj.: 1,15 Mrd. EUR), EBITDA: 439,4 Mio. EUR (Vj.: 364,6 Mio. EUR), EBIT: 341,3 Mio. EUR (Vj.: 277,0 Mio. EUR) sowie Ergebnis nach Steuern und Minderheiten: 154,5 Mio. EUR (Vj.: 108,4 Mio. EUR).
Die Jahresfinanzzahlen würden noch keine Bremsspuren aus dem konjunkturellen Einbruch zeigen. Ein Blick auf die Entwicklung im Umschlag zeige aber bereits deutliche Auswirkungen. Sowohl im Container- als auch im Intermodalsegment hätten die hohen Umschlagszuwächse der ersten beiden Quartale im zweiten Halbjahr nicht wiederholt werden können. Im Containersegment sei in Q3 noch ein leichtes Plus von 0,6% ausgewiesen worden, während Q4 mit einem Minus von 9,7% zu Buche schlage. Intermodal sei beim Umschlag nach 11,5% in Q3 lediglich mit 2,1% in Q4 (zum Vergleich: Q2: 21,2%) gewachsen. Hier habe sich die nachlassende Dynamik auch auf die Ergebnisqualität ausgewirkt (EBIT-Marge bei 10,6% nach 11,3% im Vorjahr). Die langen Vorläufe beim Einkauf von Transportkapazitäten hätten bremsend gewirkt.
Insgesamt habe im Segment Container ein nur noch leichtes Wachstum des Umschlagvolumens von 1,2% auf 7,3 Mio. Standardcontainer (Vorjahr; 7,2 Mio.) erzielt werden können. Der Segmentumsatz habe sich um 14,4% auf 792 Mio. EUR (Vorjahr: 693 Mio. EUR) verbessert, das EBIT habe um 22,6% auf 304 Mio. EUR zugenommen (Vorjahr: 248 Mio. EUR).
Im Segment Intermodal habe mit einem EBIT von 39 Mio. EUR der Vorjahreswert von 37 Mio. EUR um 5,1% übertroffen werden können. Der Umsatz im Segment Logistik sei um 7,1% auf 127 Mio. EUR gestiegen (Vorjahr: 119 Mio. EUR). Das EBIT habe sich, belastet durch eine außerplanmäßige Abschreibung in Höhe von 2,3 Mio. EUR, um 17,9% auf 10,4 Mio. EUR verringert (Vorjahr: 12,7 Mio. EUR).
Der Ausblick auf 2009 sei verhalten. Das Management habe erklärt, dass man mit einem deutlich zweistelligen Rückgang beim Umschlag- und Transportvolumen rechne.
In der Folge erwarte man Umsatz, EBIT und EBIT-Marge unter dem Niveau von 2008. Mit einer Konkretisierung des Ausblicks sei bei der Vorlage der Q1-Zahlen am 15. Mai zu rechnen.
Die Gesellschaft reagiere mit einem Maßnahmenpaket auf die Eintrübung der Geschäftsaussichten: Während die langfristigen Investitionen, die die Produktivität und Effizienz insbesondere in Bezug auf das Handling großer Schiffsgrößen gewährleisten würden, unverändert durchgeführt würden, seien Streckungen von Investitionen, die sich in erster Linie auf das Hochfahren von Kapazität beziehen würden, vorgesehen. Beispiele hierfür seien Gerätebeschaffungen wie Containerbrücken oder Lagerkräne. Die noch geplanten 1,2 Mrd. EUR würden sich in etwa hälftig auf die beiden Klassen verteilen. In 2009 sei mit Investitionen in Höhe von 280 bis 320 Mio. EUR zu rechnen.
Man setze insbesondere bei den Material- und Personalkosten an. In beiden Bereichen ziele man auf die Flexibilisierung von Kosten ab. Im Materialbereich seien dies z. B. zugekaufte Transportleistungen, wo der Einkauf von Fremdleistungen an den absehbaren Bedarf angepasst werden solle, während im Personalbereich über Arbeitszeitkonten und die Flexibilisierung von Arbeitszeiten operiert werde. Kostensenkend sollte sich auch das derzeit günstige Preisniveau für Treibstoff und Energie auszahlen.
Darüber hinaus plane die HHLA, eine Qualifizierungsoffensive für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu starten. Hierbei würden Qualifizierungsmaßnahmen mit Kurzarbeit kombiniert, was einer umfassenden Beschäftigungssicherung dienen solle.
Das Management habe bereits im zweiten Halbjahr 2008 gegengesteuert, was sich an den verringerten Investitionen (259 Mio. EUR statt zuletzt geplanten 300 Mio. EUR) und dem Abbau von Arbeitern aus dem extern gesourcten Labourpools des Hafen Hamburg ablesen lasse.
Insgesamt würden sich in diesem Konjunkturumfeld die Nachteile der vertikalen Integration zeigen. Gleichzeitig verbessere aber diese Aufstellung die Aussichten, an dem zu erwartenden Wachstum des folgenden Aufschwungs zu partizipieren.
Kurz- bis mittelfristig gelte es, die Ergebnisqualität zu sichern und etwaigem Preisdruck standzuhalten. Das Management habe betont, an der Ausschüttungspolitik (über 50% des Jahresüberschusses) festhalten zu wollen. Die hohe Cash-Position der Gesellschaft erlaube diese Politik. Die HHLA sollte in 2009 eine Pause beim Wachstum der letzten Jahre einlegen. Richtigerweise reagiere man mit einem Maßnahmenpaket, um die Ergebnisqualität zu bewahren.
Derzeit sei die Unsicherheit über den weiteren Verlauf des laufenden Geschäftsjahres der bestimmende Faktor für die HHLA-Aktie.
Die Analysten vom Bankhaus Lampe bestätigen ihre Anlageempfehlung "halten" für die Aktie der Hamburger Hafen und Logistik AG, erhöhen aber ihr Kursziel nach Anpassung ihrer Modelle von 21 auf 23 EUR. (Studie "MDAX-Guide Frühjahr 2009" vom 06.04.2009) (06.04.2009/ac/a/d)
Analyse-Datum: 06.04.2009