München (aktiencheck.de AG) - Die Experten von "SdK AktionärsNews" raten konservativen Anlegern bei der Aktie von HeidelbergCement (ISIN DE0006047004/ WKN 604700) abzuwarten.
Die sehr hohe Verschuldung von HeidelbergCement resultiere aus der Übernahme der britischen Hanson-Gruppe im Jahr 2007. Dabei sei es 2008 operativ ganz gut gelaufen, da das Unternehmen durch diese Übernahme zum Weltmarktführer bei Zuschlagstoffen geworden sei und seine führende Position im Bereich Zement und Beton weiter habe ausbauen können. Insgesamt sei der Konzern auf Platz drei der weltweit größten Baustoffhersteller vorgerückt.
Finanziert worden sei die Übernahme durch eine Kapitalerhöhung über 0,5 Mrd. Euro, die Begebung zweier Anleihen im Volumen von ca. 1,5 Mrd. Euro sowie durch Bankdarlehen. Ein durchaus übliches Vorgehen und in "normalen" Zeiten hätte sich auch kaum jemand daran gestoßen, da das Zementgeschäft für hohe operative Margen und stabile Cashflows stehe und die hohen Markteintrittsbarrieren den Wettbewerb durch Neulinge quasi unmöglich machen würden. So hätten sich die Zahlen von HeidelbergCement für das abgelaufene Geschäftsjahr auch durchaus sehen lassen können.
Der Umsatz habe um 30% auf 14,2 Mrd. Euro zugelegt und das EBIT sei um 12% auf 2,15 Mrd. Euro geklettert. Die Eigenkapitalquote habe mit 31,4% wieder die 30%-Marke überschreiten können. Insgesamt habe sich das Unternehmen auf dem richtigen Weg gesehen, da Hanson in relativ kurzer Zeit erfolgreich in den Konzern habe integriert werden können.
Die fortschreitende Rezession habe jedoch im ersten Quartal 2009 für Ernüchterung gesorgt. Der Umsatz sei um 23% auf 2,36 Mrd. Euro eingebrochen und das EBIT sogar um über 90% auf nur noch 11 Mio. Euro! Unter dem Strich sei ein Quartalsverlust von 46 Mio. Euro verblieben. Besorgniserregend auch die Entwicklung des operativen Cashflows, der mit minus 196 Mio. Euro tiefrot ausgefallen sei.
Noch mehr drücke allerdings die immer noch immense Nettoverschuldung von über 12 Mrd. Euro. Deshalb habe der Vorstandsvorsitzende Bernd Scheifele auf der Hauptversammlung am 07. Mai erklärt, dass die Neuordnung der Finanzstruktur momentan absolute Priorität habe. Dazu habe man den Kreditgebern ein umfassendes Refinanzierungskonzept vorgelegt, das u. a. die Überführung der Akquisitionsfinanzierung in neue Kredite mit einer höheren Marge für die Kreditgeber vorsehe. Außerdem bemühe man sich um Anpassung der Covenants an die aktuellen Marktgegebenheiten, da die bisherigen Kreditklauseln aufgrund der Wirtschaftskrise wohl nicht mehr eingehalten werden könnten.
Einen ersten Teilerfolg habe man dann Mitte Mai 2009 vermelden können, als ein fälliger Betrag von 600 Mio. Euro über eine Brückenfinanzierung habe refinanziert werden können. Im Rahmen des eingeleiteten Desinvestitionsprogramms veräußere HeidelbergCement außerdem seine australischen Asphaltaktivitäten. Weitere Randbereiche stünden zum Verkauf, des weiteren seien ein umfangreiches Kostensenkungsprogramm und die Optimierung des Betriebskapitals eingeleitet worden. Schließlich sei auch immer mal wieder von einer Kapitalerhöhung die Rede, konkrete Informationen gebe es hierzu aber noch keine. Die kommenden Monate würden spannend, denn es müsse nun bald entschieden werden, wie die bis 2011 fälligen 9 Mrd. Euro am günstigsten refinanziert werden könnten.
Konservative Anleger sollten mit einem Einstieg in die stark gefallene und hoch volatile HeidelbergCement-Aktie warten, bis diese Problematik gelöst ist, so die Experten von "SdK AktionärsNews. Dann sollten auch die fundamentalen Aspekte wieder in den Vordergrund rücken. Denn eines sei klar: Von einem Anziehen der Weltkonjunktur profitiere HeidelbergCement als Frühzykliker aufgrund seiner globalen Aufstellung in jedem Fall. (Ausgabe 190 vom 22.06.2009) (23.06.2009/ac/a/d)
Analyse-Datum: 23.06.2009