26.03.2008 18:13
Drucken |
Schrift:

HeidelbergCement halten (Bankhaus Lampe KG)

Düsseldorf (aktiencheck.de AG) - Der Analyst vom Bankhaus Lampe, Marc Gabriel, bewertet die Aktie von HeidelbergCement (ISIN DE0006047004/ WKN 604700) unverändert mit "halten".

Der Zementhersteller HeidelbergCement wolle nach einem deutlichen Gewinnsprung im vergangenen Jahr die Dividende nur leicht erhöhen. Die Ausschüttung solle von 1,25 Euro auf 1,30 Euro je Aktie angehoben werden. Die 5 Cent-Erhöhung habe angesichts des Ergebnisses je Aktie von 17,11 EUR natürlich nur symbolischen Charakter, da das vorrangige Ziel des Unternehmens weiterhin der Schuldenabbau sei. Daher würden die Analysten diese Erhöhung als typisch "schwäbisch" sparsam werten.

Das mehrheitlich im Besitz des Milliardärs Adolf Merckle befindliche Unternehmen habe im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Überschuss von 2,02 Mrd. EUR erzielt. HeidelbergCement habe dabei unter anderem von Anteilsverkäufen profitiert, um den Kaufpreis von knapp 14 Mrd. EUR für den übernommenen Konkurrenten Hanson zu finanzieren. Wie bereits seit Mitte Januar bekannt, habe der Konzernumsatz um 35,8% auf 10,8 Mrd. EUR zugelegt. Der operative Gewinn habe ebenfalls um 35,8% auf 1,805 Mio. EUR zugelegt.

Im laufenden Geschäftsjahr 2008 sollten Umsatz und Gewinn kräftig steigen. Die Integration des britischen Baustoffherstellers werde bis Mitte des Jahres komplett abgeschlossen sein. Unternehmenschef Dr. Bernd Scheifele erhoffe sich aus der Integration Hansons Synergieeffekte von 400 Millionen Euro pro Jahr. Die Hälfte dieser Effekte dürfte bereits bis zum Ende des laufenden Jahr realisiert werden, wobei darin jedoch noch keine Marktsynergien enthalten seien. Vor diesem Hintergrund - und einer halbwegs stabilen Baukonjunktur - dürfte der Umsatz deutlich über den - vom Unternehmen kommunizierten - 15 Mrd. EUR liegen. Die Analysten würden mit einem Umsatz von 15,645 Mrd. EUR rechnen. Dies entspreche einem "organischem Wachstum - ohne Hanson-Effekt" von 5%. Das operative Ergebnis sollte in diesem Jahr auf zirka 2,7 Mrd. EUR steigen.

Aus dem Verkaufserlös von Maxit seien vor einigen Tagen 2,1 Mrd. EUR geflossen, die vom Unternehmen zur Schuldentilgung genutzt worden seien. Die Verschuldung liege damit noch bei knapp 12,4 Mrd. EUR. Aus dem Verkauf dürfte ein zusätzliches ordentliches Ergebnis erzielt worden sein. Die Analysten würden mit über 1,0 Mrd. EUR Sonderertrag rechnen. Aufgrund dieses Sondereffektes dürfte das Ergebnis je Aktie bei 18,39 EUR im laufenden Jahr liegen.

Das Unternehmen gehe nicht von einer dramatischen konjunkturellen Abschwächung der Weltwirtschaft aus. Unverändert stark seien die asiatischen Märkte sowie Osteuropa und Zentralasien, die dem Unternehmen genügend Opportunitäten liefern würden. Die Analysten würden nicht davon ausgehen, dass es in den kommenden zwei Jahren größere Akquisitionen geben werde. Die aktuellen Investitionen würden eher den Ausbau der Kapazitäten durch neue Werke u. a. in Russland, Georgien und Kasachstan betreffen. Das Unternehmen verfüge noch über genügend Linien, insbesondere im Hinblick auf die Emission neuer Schuldverschreibungen.

Nach dem Zusammenbruch der ABS-Märkte infolge der Subprime-Krise dürften die lange verschmähten Unternehmensbonds mittelfristig wieder in den Fokus der Investoren rücken, so dass dieser Markt für das Unternehmen eine gute Finanzierungsmöglichkeit bieten sollte. Dennoch dürfte das Finanzergebnis im laufenden Jahr von 472 Mio. EUR auf etwa 640 Mio. EUR ansteigen. Die Steuerquote würden die Analysten aktuell bei 29% deutlich über den Vorjahreswerten sehen, wenngleich hier noch Überraschungen möglich sein dürften, die das Ergebnis positiv beeinflussen könnten.

Die Aktie habe einen sehr geringen Free Float. Damit spiele sie bei Großinvestoren keine bedeutende Rolle. Gleichwohl sei die langfristige Strategie des Unternehmens entscheidend. Vom Kapitalmarkt sei die Übernahme von Hanson als zu teuer bewertet, zumal die beiden Konkurrenten Lafarge und Cemex bei Ihren Übernahmen deutlich geringere Multiples gezahlt hätten. Langfristig sollte sich die Investition jedoch bezahlt machen, zumal sich HeidelbergCement aufgrund des Großaktionärs nicht den kurzfristigen Kapitalmarkterwartungen unterwerfen müsse. Die Dynamik bei der Schuldenreduzierung sei für die Analysten beeindruckend. Man halte die Akquisition für notwendig, um langfristig im Markt für Baustoffe unter den Top-5-Anbietern zu bleiben.

Im Hinblick auf die olympischen Spiele 2012 in London dürfte sich insbesondere die führende Marktposition bei Bauprodukten in Großbritannien positiv auswirken. Die Rückgänge in Nordamerika aufgrund der Immobilien- und Hypothekenkrise habe HeidelbergCement deutlich weniger getroffen als seine Wettbewerber. In den Regionen Texas, Washington und in Kanada habe der Absatz sogar zugelegt. Gleichzeitig habe das Unternehmen die Importe aus den asiatischen und europäischen Zementwerken in die USA deutlich verringert. Das verringere die Frachtkosten, erhöhe die Marge und die Mengen könnten auf den Wachstumsmärkten in Asien und Osteuropa abgesetzt werden.

Die Expansion in die Wachstumsmärkte China und Indien habe das Unternehmen bereits frühzeitig über Joint-Ventures vorgenommen. Es dürfte jedoch schwierig werden, den Platz als weltweit viertgrößter Zementhersteller vor dem chinesischen Unternehmen Anhui Conch langfristig zu behaupten. Die Chinesen würden jedoch aktuell hauptsächlich für den Heimatmarkt produzieren. Dagegen sehe HeidelbergCement in Indien durchaus noch Potenziale. In diesem Monat sei vom bisherigen Joint Venture-Partner Indorama Cement Ltd. der Anteil am Zementwerk in Navi Mumbai in Indien übernommen worden. Weitere Investitionen in dem Markt seien ab 2010 geplant.

Bei der Bewertung mit Hilfe eines Peer-Group-Vergleichs würde man auf einen fairen Wert von 135 EUR je Aktie kommen - man rechne jedoch einen Abschlag von 15% aufgrund der geringen Liquidität und komme so auf ein Kursziel von 115 EUR.

Die Analysten vom Bankhaus Lampe empfehlen die Aktie von HeidelbergCement vor diesem Hintergrund zu halten. (Analyse vom 26.03.2008) (26.03.2008/ac/a/d)
Analyse-Datum: 26.03.2008

Kommentare zu diesem Artikel

Geben Sie jetzt einen Kommentar zu diesem Artikel ab.
11.09.2008HeidelbergCement holdWestLB AGneutal
02.09.2008HeidelbergCement auf aktuellem Niveau ordernFrankfurter Börsenbriefeplus
01.09.2008HeidelbergCement haltenBankhaus Lampe KGneutal
07.08.2008HeidelbergCement haltenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)neutal
05.08.2008HeidelbergCement haltenBankhaus Lampe KGneutal




Wie bewerten Sie diese Seite?   sehr gut        schlecht
 

Anzeige

Anzeige