Düsseldorf (aktiencheck.de AG) - Oliver Caspari, Analyst vom Bankhaus Lampe, stuft die Aktie von MAN (ISIN DE0005937007/ WKN 593700) von "verkaufen" auf "halten" herauf.
Der Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzern MAN habe im ersten Quartal 2009 trotz der schwierigen Marktsituation überraschend solide Zahlen vorgelegt. Der Auftragseingang sei zwar im Jahresvergleich auf Grund der schwachen Lkw-Nachfrage infolge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise um 53,2% auf 2,290 (Bankhaus Lampe: 2,1) Mrd. EUR zurückgegangen, gegenüber dem durch hohe Stornierungen belasteten Schlussquartal 2008 seien die Bestellungen allerdings um 17% höher gewesen.
Der Umsatz sei in den ersten drei Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 26,6% auf 2,556 Mrd. EUR gesunken und habe damit sowohl die Analystenprognose als auch die von Vara Research ermittelte Konsensschätzung um etwa 7% übertroffen. Der Umsatzrückgang sei vor allem auf die konjunkturbedingte Nachfrageschwäche in der Nutzfahrzeugsparte (-37%) zurückzuführen, während die Erlöse bei Dieselmotoren nahezu konstant geblieben seien und im Bereich Turbomaschinen sogar ein Umsatzwachstum von 20% erreicht worden sei.
Das operative Ergebnis des Konzerns in Höhe von 100 Mio. EUR habe zwar nur knapp ein Viertel des Vorjahresniveaus betragen, die Analysten hätten jedoch einen deutlicheren Rückgang auf 69 Mio. EUR erwartet. Das Ergebnis sei vor allem, als Folge der soliden Auftragsbestände, von den Bereichen Dieselmotoren und Turbomaschinen sowie RENK getragen worden.
Dank des eingeleiteten Kostensenkungsprogramms und der vereinbarten Kurzarbeit habe der Bereich Nutzfahrzeuge noch ein operatives Ergebnis von 5 Mio. EUR erzielt. Sowohl die Marktteilnehmer als auch die Analysten hätten per saldo mit einem operativen Verlust gerechnet (Bankhaus Lampe: -32 Mio. EUR). Unter dem Strich habe MAN ein Ergebnis nach Steuern von 181 Mio. EUR bzw. 0,37 EUR je Aktie verbucht (Bankhaus Lampe: 0,27 EUR bzw. Vara Research: 0,28 EUR je Aktie). Hierin seien Sonderbelastungen von 10 Mio. EUR, die insbesondere aus den starken Schwankungen des Russischen Rubels stammen würden, sowie ein Ergebnis von 125 Mio. EUR aus aufgegebenen Geschäftsbereichen berücksichtigt.
Einem operativen Cashflow von 141 Mio. EUR hätten Investitionen in Höhe von 1,774 Mrd. EUR gegenübergestanden, die vor allem im Zusammenhang mit dem Erwerb von MAN Latin America stünden, so dass der Free Cashflow einen Wert von -1,633 Mrd. EUR erreicht habe. Die Nettoverschuldung habe sich am 31. März 2009 auf 2,831 Mrd. EUR gegenüber 1,631 Mrd. EUR zum Jahresende 2008 belaufen. Das industrielle Geschäft habe dabei Nettoschulden von 743 Mio. EUR verbucht.
Vorstandschef Håkan Samuelsson sehe nach den Absatzeinbrüchen in den vergangenen Monaten für die Lkw-Sparte noch keine Entspannung. Eine Halbierung des Nutzfahrzeugmarktes erscheine weiterhin möglich. Damit habe sich Samuelsson den Aussagen des Scania- und Volvo-Managements angeschlossen. Auch Daimler habe sich jüngst ähnlich pessimistisch gezeigt und einen Einbruch um 40 bis 50% in Westeuropa prognostiziert.
Im Auftaktquartal 2009 seien die Neuzulassungen von Nutzfahrzeugen in Europa nach Angaben des europäischen Branchenverbands ACEA um 35,6% (März: 32,9%) zurückgegangen. Den Volumenrückgang bei Nutzfahrzeugen wolle MAN mit einem konsequenten Abbau von Kapazitäten und Kosten auffangen. Um der Krise zu begegnen, habe der Konzern ein Kostensenkungsprogramm von 500 Mio. EUR aufgelegt. Dennoch habe Samuelsson für den Nutzfahrzeugbereich ein negatives Ergebnis in 2009 nicht ausgeschlossen.
Den Absatzeinbrüchen im Bereich Nutzfahrzeuge habe eine anhaltend stabile Auftragslage bei Turbo und RENK gegenübergestanden. Ferner habe der Bereich Dieselmotoren von einem guten Kraftwerksgeschäft profitiert, während die Nachfrage nach Schiffsmotoren weiterhin sehr schwach geblieben sei. Die Sparte solle bei stabilen Umsätzen eine "gute Ergebnisqualität" liefern. Als Folge des hohen Auftragsbestands rechne der Bereich Turbomaschinen in 2009 mit einer Umsatz- und Ergebnissteigerung.
Insgesamt erwarte Samuelsson im laufenden Geschäftsjahr auf Konzernebene einen sinkenden Auftragseingang, rückläufige Umsätze und ein im Vergleich zum Vorjahr geringeres Ergebnis. Der Manager sehe den Konzern mit einer Eigenkapitalquote von 33% solide finanziert, zumal in den nächsten zwei Jahren keine wesentlichen Kreditlinien neu verhandelt werden müssten.
Die Analysten vom Bankhaus Lampe stufen die MAN-Aktie von "verkaufen" auf "halten" hoch. Das Kursziel werde von 42,00 EUR auf 43,50 EUR erhöht. (Analyse vom 14.05.2009) (14.05.2009/ac/a/d)
Analyse-Datum: 14.05.2009