Kulmbach (aktiencheck.de AG) - Die Experten des Anlegermagazins "Der Aktionär" sind der Meinung, dass Anleger ihr Engagement in der Aktie von Siemens (ISIN DE0007236101/ WKN 723610) beenden sollten.
Trotz 12,5 Mrd. EUR auf der hohen Kante und Rekordergebnissen würden sich die Baustellen bei Siemens mehren. Jetzt kämen auch noch Konjunktursorgen hinzu.
Vertrauensbildend sei es nicht gewesen, als sich das Management vergangene Woche von Aktien im Wert von knapp 10 Mio. EUR getrennt habe. Zwar habe die Konzernseite umgehend beschwichtigt, die Verkäufe stünden in Zusammenhang mit einem Bonusprogramm aus dem Jahr 2008. Doch klar sei auch, dass sich Siemens-Chef Peter Löscher von rund einem Drittel seiner Anteile getrennt habe - was nach Meinung der Experten mehr gewesen sei, als nötig.
Auf den ersten Blick liefere der Konzern starke Zahlen. Für das abgelaufene Geschäftsjahr sei ein Umsatzplus von 7% auf 73,5 Mrd. EUR und eine Anstieg der Auftragseingänge gar um 16% auf 85,6 Mrd. EUR gemeldet worden. Auch die Aktionäre sollten nicht zu kurz kommen - die Dividende werde von 2,70 EUR au 3 EUR angehoben. All dies scheine sich im Kurs der Siemens-Aktie aber nicht widerzuspiegeln.
Die Experten hätten als erste Baustelle im Unternehmen das Milliardengrab Nokia Siemens Network (NSN) ausgemacht. Die Probleme würden ungelöst erscheinen und bisher habe NSN Siemens seit der Gründung vor vier Jahren rund 4 Mrd. EUR gekostet. Ein Ende sei nicht in Sicht.
Das nächste Sorgenkind heiße Medizintechnik. So habe das kleinste der vier Konzernsegmente in der jüngsten Vergangenheit nicht gerade positive Schlagzeilen gemacht. Da im Gesundheitswesen in Europa die Gelder nicht im Überfluss sprudeln würden und Siemens in dieser Sparte stark von den Industrienationen abhänge, sei der Umbau die logische Konsequenz. Neben 500 Arbeitsplätzen solle der Umbau auch 300 Mio. EUR kosten.
Zu den vorgenannten Problemstellen habe sich auch noch das verpasste IPO der Tochter OSRAM gesellt. Wenngleich man bei OSRAM von Stellenstreichungen weit entfernt sei, würden, um konkurrenzfähig zu bleiben, auch hier Investitionen anfallen. Konzernseitig sei eingeräumt worden, den richtigen Zeitpunkt für den Börsengang verpasst zu haben. Mit dem Einbruch beim Geschäft mit Leuchtdioden gebe es mittlerweile neue Probleme beim Lampenhersteller. So bleibe auch für den Börsengang in 2012 ein dickes Fragezeichen.
Als vierte Baustelle seien die Akquisitionen anzusehen. Wenngleich Siemens mit 12,5 Mrd. EUR auf der hohen Kante ein Luxusproblem habe, müsse der Konzern, um das ehrgeizige Mittelfristziel von 100 Mrd. EUR Umsatz zu erreichen, Akquisitionen tätigen. Doch während die Wettbewerber kauften, zögere das Siemens-Management. Sicherlich mit Blick auf die jüngsten Erfahrungen wie beim Zukauf von Data Behring für 5 Mrd. EUR, wovon 2010 1,2 Mrd. EUR hätten abgeschrieben werden müssen, oder beim Kauf von Solel für 284 Mio. EUR. Hier erwirtschafte Siemens mittlerweile einen mickrigen Umsatz von 20 Mio. EUR und einen Verlust von 300 Mio. EUR.
Noch lebe Siemens von einem starken Industriegeschäft, doch mit den zunehmenden Zeichen einer lahmenden Konjunktur im kommenden Jahr, könnte das Wachstumsziel für 2012 verfehlt werden.
Die Experten von "Der Aktionär" raten den Anlegern, es dem Vorstand gleichzutun und die Siemens-Aktie zu verkaufen. (Ausgabe 49) (01.12.2011/ac/a/d)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten: Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.