Düsseldorf (aktiencheck.de AG) - Der Analyst vom Bankhaus Lampe, Christian Ludwig, stuft die Aktie von Volkswagen (ISIN DE0007664005/ WKN 766400) weiterhin mit dem Rating "kaufen" ein.
Die Q2-Zahlen seien operativ wie erwartet gewesen. Zwar hätten die Analysten rund 200 Mio. EUR mehr EBIT geschätzt, nach den Zahlen von Scania (ISIN SE0000308280/ WKN 899846) vom 21.07. sei jedoch klar gewesen, dass die Analysten rund 150 Mio. EUR zu hoch gelegen hätten, sodass die Abweichung nicht überrascht habe.
Überrascht hätten die 873 Mio. EUR Erlöse aus dem sonstigen betrieblichen Ergebnis (+177% yoy; Q1: -203 Mio. EUR). Die Erklärungen der Gesellschaft (Gewinne aus FX- und Commodity Hedging, Auflösung von Rückstellung) seien wenig erhellend. Allerdings habe in den letzten vier Jahren das durchschnittliche sonstige betriebliche Ergebnis pro Quartal 422 Mio. EUR betragen (von -203 bis +910 Mio. EUR), d. h. mit 672 Mio. EUR SBE zum Hj. sei das Ergebnis als unterdurchschnittlich anzusehen und kein Grund zur Besorgnis.
Die größte Überraschung seien die 2,5 Mrd. EUR Buchgewinne aus den Mark-to-Market-Bewertungen der Put/Call-Optionen auf Porsche SE (ISIN DE000PAH0038/ WKN PAH003) im Q2 gewesen. Dadurch hätten das Nettoergebnis und das EPS deutlich über den Erwartungen gelegen. Als nicht cash wirksamer Posten sei er jedoch ohne Relevanz. Die Chancen zum Merger mit Porsche würden von VW weiterhin mit 50% für 2011 beziffert. Zurzeit warte man auf mehr Details von den Ermittlungen (Stuttgart & USA), um ein besseres Verständnis für die finanziellen Risiken zu erhalten, damit eine Entscheidung noch in 2011 gefällt werden könne. Die Analysten würden davon ausgehen, dass dies nicht mehr in 2011 erfolgen werde, da es keinerlei Druck für die Ermittler gebe, schnelle Ergebnisse zu liefern.
Für Irritationen habe die Gesellschaft mit ihrem Ausblick gesorgt. Zwar erwarte man nun ein "deutlich" besseres Ergebnis als im Vorjahr (keine Kunst, wenn H1 EBIT 85% des Vorjahres EBIT sei), aber gleichzeitig sei eingeschränkt worden, dass die weiterhin volatilen Zins- und Wechselkursverläufe sowie Rohstoffpreise den positiven Volumeneffekt abschwächen würden. Das sei zwar richtig: Mit FX Hedging dürfte VW dieses Jahr über 500 Mio. EUR verdienen können, allerdings werde das sukzessive weniger, je länger sich der USD in der Bandbreite 1,40 bis 1,50 bewege (zur Erinnerung: 2010 habe man sich noch einen Kurs von 1,20 sichern können). Und auch bei den Produktkosten sei die Gesellschaft zum Halbjahr mit Einsparungen von 500 Mio. EUR genau auf Zielkurs von 1 Mrd. EUR/Jahr. Von daher würden die Analysten diesen Aussagen nicht den Negativgehalt beimessen, wie es der der Markt gestern getan habe.
Die Analysten hätten ihr Modell angepasst, den Put/Call-Effekt sowie das etwas schwächere Scaniaergebnis berücksichtigt. Sie würden optimistisch bleiben: Die Gesellschaft sollte ab Q4 mit dem neuen Werk in den USA einen zusätzlichen Absatzschub erfahren. Zudem werde die Kostensituation mit der Einführung des modularen Querbaukastens ab 2012 weiter verbessert.
Das "kaufen"-Rating sowie das Kursziel von 190 EUR für die Volkswagen-Aktie werden bestätigt, so die Analysten vom Bankhaus Lampe. (Analyse vom 29.07.2011) (29.07.2011/ac/a/nw)
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