Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Der Analyst von Independent Research, Sven Diermeier, stuft die paragon-Aktie (ISIN DE0005558696/ WKN 555869) von "akkumulieren" auf "verkaufen" herab.
Heute (05.10.) habe die Gesellschaft bekannt gegeben, dass der paragon-Vorstand beschlossen habe, wegen Zahlungsunfähigkeit einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Paderborn zu stellen. Es werde eine Planinsolvenz in Eigenverwaltung angestrebt, mit dem Ziel, die Restrukturierung innerhalb der kommenden vier Monate zu bewältigen. Bereits im Januar/ Februar 2010 solle das Insolvenzverfahren abgeschlossen sein.
Die Gesellschaft habe im Rahmen der Restrukturierung Auslandsniederlassungen in Frankreich, Italien und Japan geschlossen sowie die Tochtergesellschaften in den USA verkauft. Die Mitarbeiterzahl sei von 660 (Oktober 2008) auf 496 (August 2009) insbesondere durch die Freistellung von Leiharbeitern verringert worden. Laut Unternehmensaussage seien weitere Kostensenkungen sowie Portfoliobereinigungen geplant, um das Ziel einer nachhaltigen Profitabilität bei einem geringeren Volumen zu erreichen. Auf der gestrigen Aufsichtsratssitzung seien Herr Markus Werner (Ressort Finanzen) und Herr Andrew Seidl (Ressort Sanierung) in den Vorstand des Unternehmens bestellt worden.
In mehrmonatigen Verhandlungen mit den Banken habe es die Gesellschaft nicht geschafft, die Kreditlinien zu bewahren und zusätzliche Liquidität zu bekommen. Dies sei ein Anzeichen dafür, dass zumindest einige Banken das Restrukturierungskonzept des Unternehmens nicht überzeugend gefunden hätten. Die Analysten hätten in ihrer Kommentierung vom 25.03.2009 auf die Bedeutung des Erhalts der Refinanzierung hingewiesen. Bislang hätten sie damit gerechnet, dass das Unternehmen wegen der sehr guten produktseitigen Positionierung die Refinanzierung sicherstellen könne.
Die Analysten würden ihre Schätzungen sowie ihr Kursziel (alt: 2,80 Euro) wegen der gegenwärtig intransparenten Vermögens-, Ertrags- und Finanzlage von paragon unter Revision stellen. Für das Jahr 2008 liege bislang kein vollständiges Zahlenwerk vor. Für die 1. Hälfte des laufenden Jahres seien nur bruchstückhaft Daten (u.a. Umsatzrückgang im ersten Halbjahr 2009 von 39,2%, bisher in 2009 realisierte Nettoeinsparungen von 14,4 Mio. Euro, signifikanter Anstieg des Auftragseingangs seit dem zweiten Quartal) vorgelegt worden.
Nach Ansicht der Analysten gebe es erhebliche Unsicherheiten hinsichtlich des nachhaltigen Restrukturierungserfolgs und damit des Fortbestands des Unternehmens, auch wenn die Deutsche Kreditbank AG und die Commerzbank AG laut paragon einen ausreichenden Massekredit zur Verfügung gestellt hätten.
Die Analysten von Independent Research stufen die paragon-Aktie von "akkumulieren" auf "verkaufen" herab. (Analyse vom 05.10.2009) (05.10.2009/ac/a/nw)
Analyse-Datum: 05.10.2009