Hinweis: dies ist ein Auszug aus dem Geschäftsbericht des Unternehmens. finanzen.net übernimmt keine Gewährleistung für die Richtigkeit des Inhalts.
Wir erwarten einen anhaltenden Aufschwung, wenn auch weniger dynamisch. Wir rechnen mit einer Phase moderaten globalen Wachstums. Trotz der recht starken Erholung der Weltwirtschaft sehen wir dennoch Risiken für das Jahr 2011 und die Folgejahre.
Unser Ausblick geht von einer geringen Wahrscheinlichkeit massiver Erschütterungen aus, beispielsweise weitreichender geopolitischer Spannungen, staatlicher Schuldenkrisen in großen Industrienationen oder von Währungs- und Handelskriegen. Wir prognostizieren das operative Gruppenergebnis sowie den entsprechenden Wert für jedes einzelne Segment; dabei erläutern wir die wichtigsten Abhängigkeitsfaktoren und ihre möglichen Auswirkungen. Darüber hinaus legen wir unsere Erwartungen hinsichtlich der Entwicklung von Erträgen und Schäden sowie der wichtigsten Kennzahlen und Positionen der Gewinn- und Verlustrechnung dar. Der Ausblick, insbesondere auf das zukünftige operative Ergebnis, berücksichtigt einen Diversifizierungseffekt, der stabilisierend wirkt und sich aus unserem globalen, segmentübergreifenden Portfolio ergibt.
Unser Ausblick beruht auf den folgenden Annahmen: moderates weltwirtschaftliches Wachstum; leichter Anstieg des Zinsniveaus; keine dramatische Änderung des Zinsumfeldes; keine drastischen finanzpolitischen und regulatorischen Eingriffe; keine ungünstige Entwicklung der Schadenhöhe von Naturkatastrophen; keine massiven Erschütterungen der Kapitalmärkte.
Wir gehen davon aus, dass die Struktur unserer Segmente sowie ihr relativer Beitrag zur Rentabilität unverändert bleiben. Den größten Teil unseres operativen Ergebnisses steuert demnach weiterhin unsere Schaden- und Unfallversicherung bei. Wir rechnen aber damit, dass sich einige positive und negative Effekte des Jahres 2010 im Geschäftsjahr 2011 und später nicht wiederholen werden. Obwohl sich 2010 die Weltwirtschaft stark erholte, werden die Anlageerträge wegen des nur geringfügig steigenden Zinsniveaus weiter unter Druck stehen. Dieser Einfluss wird zum Teil durch die bessere Geschäftsentwicklung in den einzelnen Segmenten und den wachstumsgetriebenen Anstieg unseres Kapitalanlagenbestandes ausgeglichen. Angesichts der Höhe der Marktwertanpassungen in der Gewinn- und Verlustrechnung ist es zu diesem Zeitpunkt unmöglich, eine zuverlässige Vorhersage des Jahresüberschusses 2011 und der Folgejahre zu treffen.
2010 wuchs unser gesamter Umsatz, intern gerechnet, im Vergleich zum Vorjahr um 6,2 Prozent auf einen historischen Höchststand von 106,5 Milliarden Euro, dank der Rückkehr des Kundenvertrauens nach der Finanzkrise. Wir erwarten für 2011 einen stabilen Gesamtumsatz, weil sich dieser Aufholeffekt erschöpft haben dürfte. Unser Umsatz hängt von Marktzyklen und vom Ausschöpfen der im Abschnitt Chancen geschilderten neuen Geschäftschancen ab.
Unser Produktportfolio weist länderspezifische Unterschiede auf; deshalb sind Angaben über künftige Absatzmärkte und über Produkteinführungen regional unterschiedlich. Wir rechnen damit, dass sich unsere Absatzmärkte und unser Produktportfolio nicht wesentlich verändern.
2010 erreichte unser operatives Ergebnis 8,2 Milliarden Euro und lag damit um 0,5 Milliarden Euro über dem oberen Grenzwert unseres Zielkorridors von 7,7 Milliarden Euro. Dieses Ergebnis war begünstigt durch vorteilhafte Wechselkursbewegungen und die Änderungen der Bilanzierungsmethode unseres US-Versicherers Allianz Life.
Darum erwarten wir für 2011 ein operatives Ergebnis von 8,0 Milliarden Euro plus oder minus 0,5 Milliarden Euro, und zwar unter der Voraussetzung, dass es zu keinen erheblichen Abweichungen von den hier dargelegten Prämissen und den unten angeführten segmentspezifischen Abhängigkeiten kommt. Die Schwankungsbreite geht auf die Abhängigkeit des operativen Ergebnisses von Änderungen des Zinsniveaus und der Wechselkurse zurück:
- Ein Zinsanstieg (Zinsrückgang) um 100 Basispunkte würde das operative Ergebnis um rund 0,2 Milliarden Euro steigern (verringern). Dies beinhaltet nicht die erfolgswirksam erfassten Zeitwertveränderungen bei Bilanzpositionen.
- Eine 10-prozentige Abwertung (Aufwertung) des US-Dollars gegenüber einem Euro-Richtkurs von 1,40 würde einen negativen (positiven) Effekt von rund 0,3 Milliarden Euro haben.
Schaden- und Unfallversicherung: Für 2011 erwarten wir wieder ein leichtes Wachstum der Bruttobeitragseinnahmen nach zwei Jahren ohne positive Wachstumsimpulse (gerechnet nach internem Wachstum). Das erwartete Wachstum wird durch die günstige Entwicklung unserer Wachstumsmärkte, der Global Insurance Lines & Anglo Markets, sowie durch eine Verbesserung in einigen unserer Kernmärkte wie Italien getragen werden. Weil die Preise in der Schaden- und Unfallversicherung von Marktzyklen abhängen, die in jedem Land anders sind, und wegen der voraussichtlich andauernden Schwäche des Marktumfelds in einigen unserer Kernmärkte 2011 werden wir an unserer strengen Zeichnungspolitik festhalten und sind darauf vorbereitet, auf Umsatz zu verzichten, sofern in diesen Märkten die angestrebte Profitabilität nicht erreicht werden kann.
Das operative Ergebnis in der Schaden- und Unfallversicherung belief sich 2010 auf 4,3 Milliarden Euro, bei einer Combined Ratio von 97,2 Prozent. Das Ergebnis profitierte von einer deutlichen Erholung unseres Kreditversicherungsgeschäfts, dessen Einfluss 2011 jedoch weniger stark sein wird. In deutlichem Gegensatz hierzu standen die großen Verluste aus Naturkatastrophen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro, die fast dreimal so hoch ausfielen wie 2009. Wir erwarten, dass sich derartige Schäden 2011 auf das langfristige Durchschnittsniveau verringern.
Wir bleiben weiterhin unserem Ziel einer Combined Ratio von 96 Prozent verpflichtet. In der Erwartung, dass höhere Preise sowie Verbesserungen beim Schadenmanagement und bei der Produktivität nachteilige Effekte wie Schadeninflation mehr als ausgleichen werden, rechnen wir damit, dass wir 2011 weitere Fortschritte auf diesem Weg machen werden. Eine Veränderung der Combined Ratio um einen Prozentpunkt würde sich mit rund 0,4 Milliarden Euro auf das operative Ergebnis auswirken. Wir weisen darauf hin, dass wegen der kurzen Haltefristen bei Kapitalanlagen in der Schaden- und Unfallversicherung sowie aufgrund der Niedrigzinsumgebung die Anlageerträge weiter unter Druck stehen werden. Wir streben aber unaufhörlich danach, unsere Anlagestrategie den aktuellen Marktbedingungen anzupassen.
Insgesamt erwarten wir ein operatives Ergebnis von 4,2 bis 4,8 Milliarden Euro für 2011.
Lebens- und Krankenversicherung: Die Umsätze sind 2010 um mehr als 6,3 Milliarden Euro stark gewachsen und haben mit 57,1 Milliarden Euro ihr bisher höchstes Niveau erreicht, insbesondere durch Impulse aus Asien-Pazifik, den USA und Deutschland. Das 2010 erzielte Wachstum ist zum Teil auf die Erholung des Kundenvertrauens nach der Finanzkrise zurückzuführen. Wir erwarten daher für 2011 ein weiteres starkes und stabiles Umsatzergebnis.
Das operative Ergebnis 2010 erreichte 2,9 Milliarden Euro und lag damit um 0,1 Milliarden Euro über dem oberen Zielwert von 2,8 Milliarden Euro. Dazu trugen zum einen hohe realisierte Gewinne bei, mit denen 2011 voraussichtlich nicht auf diesem Niveau zu rechnen ist, zum anderen ein Effekt des Wechsels der Bilanzierungsmethode bei unserem US-Versicherer Allianz Life. In der Lebens- und Krankenversicherung erwarten wir für 2011 ein operatives Ergebnis in einer Größenordnung zwischen 2,2 und 2,8 Milliarden Euro. Wir weisen darauf hin, dass die Marktvolatilität und das Ausmaß der Gewinnmitnahmen (netto) unser operatives Ergebnis deutlich beeinflussen können und eine genaue Prognose erschweren.
Asset Management: Die Erfolgsgeschichte unseres Asset-Management-Geschäfts setzte sich 2010 fort. Aufgrund außerordentlich hoher Nettomittelzuflüsse und dank der Markterholung erreichten unsere Kapitalanlagen für Dritte ein noch höheres Niveau. Insbesondere aufgrund des starken Anstieges des Provisionsüberschusses (plus 37,2 Prozent) hat sich unser operatives Ergebnis um 47 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro erhöht. Für 2011 rechnen wir mit geringeren, aber weiteren Zuflüssen, hauptsächlich in Rentenprodukte. Hier ist jedoch zu beachten, dass der Provisionsüberschuss einschließlich der erfolgsabhängigen Provisionen stark von den Marktwerten, der Anlageperformance und dem Geschäftsportfolio abhängt. Das außerordentlich starke Wachstum, das wir 2010 gesehen haben, wird sich 2011 nicht fortsetzen. Wir erwarten ein operatives Ergebnis, das in etwa auf dem gleich hohen Niveau wie 2010 liegt. Der Zielkorridor für 2011 reicht von 1,8 bis 2,2 Milliarden Euro. Dies setzt jedoch voraus, dass sich die Nettomittelzuflüsse, die Märkte, der US-Dollar, die Anlagenperformance und die Risikoeinstellung der Investoren so entwickeln, wie angenommen. Wir gehen davon aus, unsere Cost-Income Ratio weiterhin deutlich unter 65 Prozent zu halten.
Corporate und Sonstiges und Konsolidierung: Im Segment Corporate und Sonstiges haben wir einen operativen Verlust von 0,9 Milliarden Euro für 2010 ausgewiesen. Infolge des niedrigen Zinsumfeldes und der Wertschwankungen in den Zeitwerten von Forderungen und Verbindlichkeiten sowie des steigenden Pensionsaufwandes erwarten wir für 2011 (einschließlich Konsoliderung) einen operativen Verlust von etwa 0,9 bis 1,1 Milliarden Euro, vor allem wegen der Kosten in der Holding-&-Treasury-Funktion.
Finanzierung und Liquiditätsentwicklung: Sämtliche Finanzierungsaktivitäten der Allianz Gruppe werden bei der Allianz SE gebündelt. Als Mittel der Finanzierung stehen Commercial Papers, mittel- und langfristige Anleihen sowie Aktien zur Verfügung. Zugang zu Bankkrediten und langfristigen Kreditlinien erhöhen zusätzlich die finanzielle Flexibilität der Allianz SE und können darüber hinaus zur Verbesserung der Finanzierungsstruktur genutzt werden.
Die Allianz Gruppe wahrt eine solide Liquiditätsausstattung und eine Kapitalisierung über den gegenwärtigen Anforderungen der Aufsichtsbehörden sowie eine ausgezeichnete finanzielle Stärke und Stabilität. Wir sind zuversichtlich, dass die Allianz Gruppe ihre starke finanzielle Flexibilität weiterhin durch einen verlässlichen Zugriff auf die Finanzmärkte bei angemessenen Kosten sichern kann, unterstützt durch eine umsichtige Steuerung ihrer Liquidität sowie dadurch, dass bei den Verbindlichkeiten langfristige Restlaufzeiten überwiegen. Aufgrund unserer aktuellen Einschätzung der Entwicklung des Zinsniveaus sollten unsere kapitalmarktgebundenen Finanzierungskosten 2011 im Großen und Ganzen denen des Vorjahres entsprechen.
Voraussichtliche Dividendenentwicklung: Da wir stetig das Vermögen unserer Investoren schützen und gleichzeitig attraktive Renditen und Dividenden bieten wollen, bemühen wir uns bei der Entscheidung über den Gewinnverwendungsvorschlag um eine Balance zwischen Ausschüttung und Solvabilität. Unsere Dividendenpolitik ist im Grundsatz ergebnisbezogen. Seit 2008 liegt unsere Ausschüttungsquote bei 40 Prozent des Periodenüberschusses der Anteilseigner aus fortzuführenden Geschäftsbereichen. Diese Quote hat es uns ermöglicht, die für unser Wachstum erforderliche Kapitalbasis zu wahren, und bildet die Grundlage für unsere künftigen Gewinnverwendungsvorschläge an den Aufsichtsrat und die Hauptversammlung.
Um unsere Aktionäre an der positiven Geschäftsentwicklung teilhaben zu lassen, werden wir der Hauptversammlung vorschlagen, die Dividende je Aktie von 4,10 Euro für 2009 auf 4,50 Euro für 2010 zu erhöhen. Das entspricht einer Ausschüttungsquote von weiterhin 40 Prozent.
Beurteilung der erwarteten Ertragslage 2012 durch den Vorstand: Auf der Grundlage der aktuellen Schätzwerte erwarten wir für 2012 eine Verbesserung des operativen Ergebnisses, das von allen unseren Geschäftsbereichen getragen wird.
Das volatile Marktumfeld macht es schwierig, für Jahre nach 2011 eine konkrete Prognose über die Entwicklung des Jahresüberschusses zu erstellen.
Die Aussagen stehen unter dem Vorbehalt, dass Naturkatastrophen, widrige Entwicklungen an den Kapitalmärkten sowie andere Faktoren, die in unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen dargelegt sind, unsere Prognosen mehr oder minder beeinträchtigen können.
Update: Die Allianz bleibt trotz des schwierigen Umfeldes auf Kurs, ihr operatives Ergebnisziel 2011 von 8,0 Milliarden Euro plus/minus 0,5 Milliarden Euro zu erreichen.
Update 2: "Dies sind sehr zufriedenstellende Ergebnisse", sagte Michael Diekmann, Vorsitzender des Vorstands der Allianz SE. "Unsere geographische und geschäftspolitische Diversifizierung sichert unsere stabile Ertragslage. Die Quartals- wie auch die Halbjahresergebnisse sind erstaunlich solide angesichts der Häufung an Naturkatastrophen, der Unsicherheiten an den Kapitalmärkten, der Wechselkursschwankungen und nicht zuletzt angesichts der derzeitigen Wertminderung unseres Portfolios griechischer Staatsanleihen. Daher bin ich zuversichtlich, dass wir unser operatives Ergebnisziel 2011 von 8,0 Milliarden Euro plus/minus 0,5 Milliarden Euro erreichen können."
Update 3: "Alle Marktteilnehmer sind derzeit mit der Ungewissheit und den großen Schwankungen an den Kapitalmärkten konfrontiert. Aufgrund unserer soliden operativen Ertragslage und unserer Kapitalstärke hält die Allianz diesen Widrigkeiten weiterhin gut stand", sagte Oliver Bäte, Mitglied des Vorstands der Allianz SE. "Wir halten weiterhin daran fest, unser operatives Ergebnisziel für 2011 von 8,0 Milliarden Euro zu erreichen, plus/minus 0,5 Milliarden Euro."