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Euro am Sonntag Archivbericht

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Anfang gut, alles gut

08.02.2012 - Ausgabe 05/12

Je verzwickter eine Krise, so scheint es, desto sperrigere Kürzel bekommen die Lösungsansätze. Rettungsschirme heißen

Je verzwickter eine Krise, so scheint es, desto sperrigere Kürzel bekommen die Lösungsansätze. Rettungsschirme heißen EFSF und ESM. Wenn private Gläubiger auf ihr Geld verzichten sollen, läuft das unter PSI. Und wenn Private zusammen mit dem Staat eine Rettungs-Zweckgesellschaft gründen, nennen Experten das SPIV. Allein, die Märkte ließen sich 2011 nicht dauerhaft von solchem Buchstabengeklimper beeindrucken. Bis, ja, bis LTRO kam.

Die vier Lettern stehen für "Longer-Term Refinancing Operation" und bedeuten, dass sich Banken für ganze drei Jahre bei der Europäischen Zentralbank (EZB) mit Geld eindecken können. Und das zu Niedrigstzinsen. 489 Milliarden Euro haben sich Europas Institute bei der ersten Zuteilung am 21. Dezember abgeholt. Seitdem hat sich die Stimmung an den Märkten gewandelt.

Rekordstarker Jahresauftakt

Um rund 14 Prozent legte der Sektorindex Stoxx 600 Banks seit der Liquiditätsflut der EZB zu. Anteilscheine der 2011 schwer gebeutelten Commerzbank gewannen auf Monatssicht gar 40 Prozent. Doch damit erschöpft sich der Optimismus der Anleger noch lange nicht. Denn nicht nur die Banken erscheinen plötzlich wieder in hellerem Licht. Mit knapp zehn Prozent Plus im Januar legte der DAX den stärksten Jahresstart seiner Geschichte hin. Und für die US-Börsen lief der Januar so gut wie seit 15 Jahren nicht. Auch bei Schwellenländeraktien griffen Investoren wieder kräftig zu.

Mit dem fulminanten Jahresauftakt rückt eine alte Börsenregel wieder ins Bewusstsein: der Januar- Effekt. Demzufolge verläuft das ganze Jahr positiv, wenn der erste Monat im Plus abschließt. 2011 erwies sich diese Regel allerdings als Bullenfalle. Denn auch damals starteten DAX und Co mit Kursgewinnen. Doch bereits im Februar drehte die Stimmung. Anschließend drückte das Unglück von Fukushima die Märkte nach unten und in der zweiten Jahreshälfte vertrieben die Eurokrise und Rezessionssorgen die Investoren aus riskanten Anlagen.

Nun ist die Risikobereitschaft zurückgekehrt. Und die Frage ist: Bleibt sie dieses Mal für länger? Nach Ansicht von Sushil Wadhwani stehen die Chancen dafür nicht schlecht. Der Fondsmanager und Ökonom, der einst dem geldpolitischen Komitee der Bank von England angehörte, hat sich intensiv mit den volatilen Märkten beschäftigt. Seine Erkenntnis: In den vergangenen Jahren haben sich die Phasen, in denen die Risikobereitschaft an den Märkten ausgeprägt war (Risk on), immer schneller mit jenen Phasen abgewechselt, in denen Anleger aus risikoreichen Anlagen flüchteten (Risk off).

Als Grund sieht Wadhwani, dass das Potenzialwachstum in den USA - der größten Volkswirtschaft der Welt - merklich zurückgegangen ist. "Je näher die Wachstumsrate an die Nulllinie kommt, desto wahrscheinlicher wird eine Rezession. Und desto kürzer werden die Risk-on/Risk-off-Zyklen an den Märkten", sagt der Ökonom. Als zweite Ursache nennt Wadhwani die Schuldenkrise in Europa. Viel zu lang hätten Politiker vor den eigentlichen Problemen die Augen verschlossen und stattdessen an den Symptomen herumgedoktert. Doch der nun eingeschlagene Weg hin zu einer Fiskalunion lässt ihn hoffen. "Wenn die Politik diesen Weg konsequent weiterverfolgt, verschwindet allmählich die Angst aus den Märkten."

Positive Konjunktursignale

Auch von realwirtschaftlicher Seite kommt Unterstützung. So blicken die Einkaufsmanager in den USA wieder optimistischer in die Zukunft (siehe unten). Und auch vom amerikanischen Immobilien-und Arbeitsmarkt kommen vermehrt positive Signale. Alles in allem nimmt die US-Wirtschaft wieder Fahrt auf. Das Wachstum in diesem Jahr dürfte zwar nicht gewaltig ausfallen, aber mit einer Rate von 2,0 bis 2,5 Prozent solide sein. Die Debatten um eine mögliche Rezession in den USA sind derzeit jedenfalls verstummt.

Von Trübsal blasen weit entfernt sind auch die deutschen Unternehmen. Wegen ihrer starken Verzahnung mit der Weltwirtschaft können sie früh von einem Anziehen der globalen Konjunktur profitieren. Dieses Vertrauen drückt sich in den hohen Werten des Ifo-Index aus (siehe Seite 16). Innerhalb Europas nimmt Deutschland damit eine Sonderrolle ein. Immerhin dürfte die Bundesrepublik mit ihrer wettbewerbsfähigen Wirtschaft dafür sorgen, dass Europa 2012 in puncto Wachstum nicht unter die Nulllinie rutscht. Sehr viel optimistischer als eine "schwarze Null" sind die Aussichten allerdings nicht. Für die EZB dürfte in diesem Jahr daher kein Grund bestehen, die Zinsen zu erhöhen. Und nicht nur für sie. Aufgrund der weltweiten Konjunkturabschwächung gehen allerorts die Inflationsraten zurück. "Anders als 2011 können jetzt alle Notenbanken, auch die der Schwellenländer, an einem Strang ziehen", erklärt Gottfried Heller, Gründer der Fiduka-Depotverwaltung.

Anleger können in diesem Jahr also weltweit mit einer ultralockeren Geldpolitik rechnen. Das beschert den Börsen Auftrieb. Zumal die Bewertungen der Aktien niedrig und die Dividendenrenditen im Vergleich zu Anleihezinsen äußerst attraktiv sind (siehe Seite 17). "Vor diesem Hintergrund sehen wir für den DAX noch Kurspotenzial bis 7200 Punkte", sagt Marco Herrmann, Chefstratege bei Fiduka.

Daneben hat sich die EZB unter ihrem neuen Präsidenten Mario Draghi entschieden, eine aktivere Rolle bei der Krisenbewältigung zu spielen. Indem sie den europäischen Banken für drei Jahre billig Liquidität zur Verfügung stellt -besagte LTRO -, hilft sie nicht nur den Geldinstituten, sondern auch den Euro-Problemländern. Im Grunde ist es die lange geforderte "Bazooka".

Doch statt die Krisenstaaten durch den Aufkauf von Staatsanleihen direkt zu stützen, geht die EZB den Umweg über die Geschäftsbanken. Diese stecken einen Teil des billigen Geldes in höher rentierende Staatsanleihen der Südländer. Damit ist beiden geholfen: Die Banken machen gute Geschäfte und können ihr Finanzpolster verbessern. Und bei den Anleihen der Krisenstaaten gehen die Renditen zurück, was die Aufnahme neuer Schulden erleichtert. Bei zweijährigen italienischen Staatspapieren sank die Rendite seit Mitte Dezember von rund fünf auf derzeit 3,1 Prozent.

Damit ist die Liquiditätsquelle aber noch nicht versiegt. Am 29. Februar können Europas Banken erneut für drei Jahre Geld von der EZB abrufen. Dann könnten es bis zu 1000 Milliarden Euro werden, mehr als das Doppelte der letzten Zuteilung. Diese Geldschwemme und die Aussicht auf eine noch größere - dass so viel Liquidität die Märkte treibt, verwundert nicht.

Freilich stellen die EZB-Aktionen keine langfristige Lösung dar. Nicht nur sind sie ein gewagtes Spiel mit der Inflation. Sie ändern weder etwas an der unterschiedlichen Wettbewerbsfähigkeit der Euroländer, noch reparieren sie das Vertrauen im Bankensektor. Denn dieser kann seine Kreditvergabe komplett mit Zentralbankgeld refinanzieren. Der Geldhandel unter den Instituten selbst kommt so nicht in Schwung. Und schließlich droht immer noch ein Bankrott Griechenlands, der die Märkte gewaltig erschüttern würde.

Entsprechend vorsichtig sollten Anleger bei allen guten Prognosen bleiben. Dann können sie sich spaßeshalber noch mit dem SuperbowlIndikator befassen: Denn am Sonntag findet das Endspiel um die Meisterschaft im American Football statt. Gewinnen die New York Giants gegen die New England Patriots, verspricht das einer langjährigen Statistik zufolge ein freundliches Börsenjahr. Entscheidend ist die Zugehörigkeit zu einer Liga: Die Giants sind in der National Football Conference (NFC), die Patriots in der American Football Conference (AFC). Vielleicht ist am Ende doch NFC das entscheidende Kürzel für Börsianer.

Ifo-Index Stabil auf hohem Niveau

Der wichtigste Frühindikator für die deutsche Wirtschaft ist unbestritten der Ifo-Geschäftsklimaindex, der seit 1972 monatlich erstellt wird. Das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung berechnet den Index anhand der Umfrageergebnisse von rund 7000 Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe, der Bauindustrie sowie dem Groß-und Einzelhandel. Der Indikator umfasst sowohl die gegenwärtige Geschäftslage als auch die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate.

Insofern ist es nachvollziehbar, dass die Entwicklung des Ifo-Index und des DAX Hand in Hand gehen. Nach Analysen von Burkhard Allgeier, Chefvolkswirt der Privatbank Hauck &Aufhäuser, läuft der Ifo-Index aber nicht parallel zu den Aktien, sondern ihnen leicht voraus. Seine Stärke als Frühwarnsystem zeigte sich 2011, als der Index nach einer Hochphase zwischen Januar und Juli einknickte. Kurz darauf gab dann der deutsche Leitindex kräftig nach. Auch in den vergangenen Monaten bewies der Indikator seine Prognosekraft: Seit November 2011 steigt der Index, im gleichen Zeitraum erzielte der DAX ein ordentliches Plus. Zwar sind die Höchstmarken des Jahres 2011 mit 115,2 Punkten Vergangenheit, doch legte der Ifo-Index im Januar 2012 zum dritten Mal in Folge zu -auf über 108 Punkte. Dabei beurteilten die befragten Firmen ihre aktuelle Lage etwas schlechter als noch im Vormonat, ihre Erwartungen für die kommenden Monate haben sich aber deutlich verbessert. Ein gutes Indiz für die Börse. Denn "insbesondere der Erwartungsindex hat gute Vorlaufeigenschaften für den DAX", erklärt Allgeier.

Der Analyst versucht, anhand einer Zeitreihenanalyse auch die künftige Entwicklung des Ifo-Index auszuloten. "Ein gewagtes Unterfangen, denn außergewöhnliche Ereignisse können die Prognose des Indikators schnell über den Haufen werfen", wie der Chefvolkswirt von Hauck &Aufhäuser einräumt. "Aber in der Regel kann man die Entwicklung des Ifo-Index für die kommenden Monate doch einigermaßen zuverlässig vorhersagen."

Allgeiers Analyse zufolge dürfte der Ifo-Index im Februar nochmals ein wenig zulegen, ehe im März ein leichter Rückschlag folgen könnte. Die gute Nachricht: "Insgesamt deutet die mögliche Entwicklung des Ifo-Index nicht auf ein Einbrechen der Kurse hin", prognostiziert Allgeier. Die schlechte Nachricht: Aus Allgeiers Daten allein lassen sich auch keine großen Kurssprünge herleiten. Außer der Index überrascht erneut positiv, wie es im vergangenen Jahr häufig der Fall war.

Stimmung Keine Übertreibung

Überschäumende Stimmung, unterirdische Kursentwicklung -dieser unerfreuliche Zusammenhang hat Anleger in den vergangenen Jahren viel Geld gekostet. Denn immer wenn private und institutionelle Investoren die Zukunft durch die rosarote Brille sahen, kamen die Aktienkurse wenig später heftig unter die Räder.

Von überschäumendem Optimismus ist derzeit angesichts der Euro-Schuldenkrise und der immer noch schwachen Weltwirtschaft unter Anlegern aber wenig zu spüren, eher von verhaltener Zuversicht. "Auf kurze Sicht zeigen die Börsianer keine Anzeichen von Euphorie", bestätigt Patrick Hussy vom Analysehaus Sentix, das wöchentlich die Stimmung unter 2700 Anlegern, darunter mehr als 600 institutionelle Investoren, in Deutschland misst. Diese werden um ihre Einschätzungen zum Aktien-, Devisen-und Rentenmarkt gebeten. Weiteres Ergebnis: "Insbesondere die institutionellen Anleger geben ihre Skepsis auf, die noch in der Vorwoche -im Vergleich zu den Privaten - stärker ausgeprägt war", schreibt Hussy in einer aktuellen Studie. Für den deutschen Aktienmarkt steigt unter Investoren zudem auch die mittelfristige Zuversicht, der von Sentix eine gute Prognosegenauigkeit zugebilligt wird. In der Regel läuft dieser Indikator dem Gesamtmarkt mehrere Wochen voraus. Nicht immer muss eine positive Grundstimmung ein Kontraindikator sein. Wichtig ist beispielsweise, ob eine Diskrepanz zwischen kurzfristigem und mittelfristigem Sentiment vorliegt. Ist etwa die kurzfristige Stimmung positiv, die mittelfristige jedoch eher negativ, sollten Anleger vorsichtig agieren.

Auch in den USA ist von exzessiver Kaufbereitschaft wenig zu spüren. Nach einer aktuellen Umfrage der renommierten American Association of Individual Investors (AAII) sind rund 43 Prozent der befragten Mitglieder optimistisch in Bezug auf die kurzfristige Kursentwicklung amerikanischer Aktien, 25 Prozent sind negativ, 31 Prozent neutral eingestellt. Ein überoptimistisches Sentiment würde Erfahrungswerten zufolge erst bei über 50 Prozent Anteil der Optimisten beginnen, bei über 60 Prozent spricht die AAII sogar von Tendenzen zu irrationaler Übertreibung.

Vonseiten der Optimisten in den USA werden gute Unternehmensergebnisse als Hauptgrund für ihre positive Einschätzung der US-Aktien genannt. Den Pessimisten schlagen derzeit die schwelende Euro-Schuldenkrise, das hohe US-Haushaltsdefizit und die mangelhafte Wirtschaftspolitik in Washington auf den Magen. Ein rosaroter Blick in die Zukunft sieht anders aus, was alles in allem kein schlechtes Vorzeichen für den Aktienmarkt ist.

Rendite Aktien vorn

Der aktuelle Abstand zwischen Anleihe-und Dividendenrenditen gilt als guter Indikator für die künftige Börsenentwicklung. Faustregel: Je größer die Differenz, umso attraktiver sind die Unternehmenspapiere für private und institutionelle Investoren. Während Anleger derzeit mit Aktien aus dem DAX mit rund 3,7 Prozent, aus dem Euro Stoxx sogar mit 4,8 Prozent Rendite allein in Form von Dividendenzahlungen rechnen dürfen, werfen deutsche Staatsanleihen nur 1,8 Prozent jährlich ab. Über die Ausschüttungen der Unternehmen erhalten Anleger somit bei Aktieninvestments selbst dann eine deutlich höhere Verzinsung, wenn die Aktienkurse 2012 nur noch seitwärts laufen. Ein Phänomen, das dank der extrem niedrigen Leitzinsen in allen Industriestaaten zu beobachten ist. Dieses Missverhältnis, lehrt die Erfahrung, führt über kurz oder lang zu einer Neubewertung der Aktien-oder Anleihekurse. Dies zeigt das Beispiel aus dem Jahr 2008, als der Abstand zwischen beiden Anlageklassen ebenfalls sehr hoch war. Danach folgte eine fulminante Aktienrally, die dem Euro Stoxx bis ins Jahr 2010 hinein starke Kursgewinne einbrachte. Die Chance, dass sich die aktuelle Differenz über höhere Anleiherenditen drastisch einengt, ist derzeit eher gering. Denn die Notenbanken der Eurozone, Japans, Englands und der USA haben angekündigt, dass sie noch längere Zeit auf niedrige Zinsen setzen, um die Wirtschaft zu stützen. Achtung: Der Indikator ist zuletzt in Kritik geraten, da insbesondere die Renditen der Anleihen, etwa im Fall der USA, durch die massiven Aufkäufe der Notenbanken künstlich gedrückt sind. Bei deutschen Staatsanleihen spielt dagegen momentan der hohe Sicherheitsaufschlag eine große Rolle, der die Rendite ungewöhnlich niedrig hält.

Markt Im Kaufmodus

Saisonale Muster, Inflation, Dollarstärke und Zinspolitik -diese vier Kriterien reichen laut dem Börsenexperten Thomas Gebert, um den passenden Ein-und Ausstieg beim DAX zu erwischen. Und die Ergebnisse geben Gebert seit Jahren recht (siehe Investor-Info). Das saisonale Muster beruht darauf, dass sich auf lange Sicht November bis April als die besseren, Mai bis Oktober dagegen als schlechtere Börsenmonate herausgestellt haben. Dem hat Gebert drei eigene markttechnische Beobachtungen hinzugefügt. So soll das Umfeld für Aktien gut sein, wenn erstens der Dollar im Vergleich zum Euro heute höher steht als vor einem Jahr, wenn zweitens die Inflationsrate niedriger ist als vor einem Jahr und drittens der jüngste Zinsschritt der EZB eine Senkung der Leitzinsen war. Nach dem Gebert-Schema reicht es aus, wenn drei von vier Kriterien erfüllt sind. Dementsprechend standen im November 2011 die Ampeln für einen Einstieg auf grün, was sich trotz Anfangsverlusten als guter Einstiegszeitpunkt erwiesen hat. Solange zwei der vier Punkte erfüllt sind, besteht laut Gebert kein Handlungsbedarf. Erst wenn nur noch ein Kriterium erfüllt ist, sollten Anleger aussteigen. Derzeit sind neben dem saisonalen Kriterium auch alle anderen Vorgaben erfüllt. Die Inflation ist auf dem Rückzug, der Dollar ist gegenüber dem Euro stärker als vor zwölf Monaten und die EZB hat zuletzt die Zinsen gesenkt. Das Bild dürfte noch einige Zeit positiv bleiben: Der Euro stieg im April 2011 auf bis zu 1,50 US-Dollar. Es ist also noch viel Luft bis zu einem möglichen Ausstiegssignal. Zudem erwarten Experten, dass EZB-Chef Mario Draghi in den kommenden Monaten die Zinsen noch einmal senken wird, was bei Inflationsgefahr nicht der Fall wäre. Einzig der Mai rückt unerbittlich näher.

ISM-Index Positive Signale

Aus Erfahrung gut -so könnte man die Prognosekraft des Einkaufsmanagerindex ISM beschreiben. Seit 1931 erstellt das Institute for Supply Management (ISM) den Index als Frühindikator für die US-Wirtschaft. Der ISM misst Auftragseingänge, Produktion, Beschäftigung, erhaltene Lieferungen und Lagerbestände aus unterschiedlichsten Industriezweigen und Regionen der USA.

Die magische Schwelle des Index liegt bei 50 Punkten. Darüberliegende Werte signalisieren eine wachsende, darunterliegende Werte eine schrumpfende Industrieproduktion in den Vereinigten Staaten. Ein ISM-Anstieg verhilft den US-Börsen in der langen Historie in der Regel zu Kursgewinnen, die auch anderen Finanzplätzen weltweit Auftrieb geben. Zwar hat der ISM in den USA schon im Januar 2011 mit rund 60 Punkten seinen vorläufigen Zenit erreicht und ist im Gefolge der Euro-Schuldenkrise abgeschmiert. Doch seit einigen Monaten geht es wieder nach oben. Vergangene Woche legte der ISM auf 54,5 Punkte zu. Das ist der höchste Wert seit sieben Monaten. Damit ist die Stimmung der Unternehmen in der größten Volkswirtschaft der Welt im internationalen Vergleich am besten.

Doch nicht nur in den USA, auch in anderen Ländern gewinnt die Industrieproduktion wieder an Fahrt. Dies zeigen andere Einkaufsmanagerindizes, die auf die Bewertungsmethodik des US-Vorbilds zurückgreifen. So stieg der britische Index zuletzt von 49,6 auf 52 Punkte, in Deutschland ging es von 48,8 auf 51 Punkte nach oben. Noch wichtiger: Der Einkaufsmanagerindex für China liegt im Januar wieder knapp über der Wachstumsschwelle. Die befürchtete harte Landung der chinesischen Volkswirtschaft scheint damit erst einmal vom Tisch. "Es zeigt sich, dass die weltweite Industrieproduktion wieder auf die Füße kommt," resümiert Nick Kounis, Leiter Makroanalyse bei ABN Amro.

21.2.2011

Der Ifo-Geschäftsklimaindex erklimmt ein Rekordhoch bei 115,2 Punkten*. Danach geht er leicht zurück, hält sich bis Juni aber stets über 114 Punkte. Im Juli, kurz bevor die Börsen einbrechen, sinkt er deutlich auf 112,9 Punkte. * Das Ifo-Institut hat im Mai 2011 das Basisjahr für den Index geändert. Dadurch wurden frühere Werte um vier Prozentpunkte nach oben verschoben. Ursprünglicher Wert also: 111,2 Punkte.

7.7.2011

Die Europäische Zentralbank unter Jean-Claude Trichet erhöht zum zweiten Mal seit April den Leitzins um 25 Basispunkte auf 1,5 Prozent. Grund war die gestiegene Inflation. Das Timing der Zinserhöhung erwies sich jedoch als unglücklich und beschleunigte den bereits einsetzenden Abschwung.

21.12.2011

Die Europäische Zentralbank unter Mario Draghi pumpt Liquidität in den europäischen Bankensektor. Mehr als 500 Institute leihen sich insgesamt 489 Milliarden Euro für drei Jahre zu einem Zins von einem Prozent bei der EZB.

31.1.2012

Der DAX steht bei 6459 Punkten. Seit Jahresanfang hat er um 9,5 Prozent zugelegt - so stark wie noch nie in einem Januar seit Einführung des Index 1988.

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