08.02.2012 - Ausgabe 05/12
NACHGEHAKT BEI...
Detthold Aden Der Vorstandschef der Bremer BLG Logistics Group leitet unter anderem den größten
NACHGEHAKT BEI...
Detthold Aden Der Vorstandschef der Bremer BLG Logistics Group leitet unter anderem den größten Autoumschlagplatz Europas. Die BLG legte 2011 in allen ihren Geschäftsbereichen kräftig zu
Der Güterumschlag der Bremischen Häfen, bestehend aus den Hafengruppen Bremerhaven und Bremen, lag 2011 bei 81,3 Millionen Tonnen, 30 Prozent über dem Vorjahr. Die privat geführte BLG, die dem Stadtstaat Bremen gehört, dominiert dort das Geschäft mit Automobil-,Containerund Kontraktlogistik.
EURO AM SONNTAG: Die BLG berichtet von Spitzenwerten in der Automobillogistik. Geht es der deutschen Autoindustrie also wieder so gut oder haben die Importeure wieder so große Erfolge?
DETTHOLD ADEN: Am Autoterminal Bremerhaven haben wir mit über zwei Millionen Fahrzeugen die Rekorde von 2007 und 2008 wieder erreicht. Das liegt vor allem an den Exporterfolgen der deutschen Autohersteller. Aber auch die Importe von BMW und Mercedes aus der USA-Fertigung sind deutlich gestiegen. Die Importe aus Asien bleiben eher schwach, weil die Hersteller Fertigungskapazitäten in Europa aufgebaut haben. Insgesamt haben wir 2011 in unserem Netzwerk mehr als sechs Millionen Fahrzeuge betreut und damit unsere Position als führender Automobillogistiker Europas weiter ausgebaut.
Wie schätzen Sie die Entwicklung für dieses Jahr ein?
Zurzeit ist der Exportboom noch ungebrochen. Insgesamt rechnen wir mit weiterem Wachstum, das sich aber voraussichtlich im Jahresverlauf abschwächen wird. Deutlich zulegen werden wir auf jeden Fall bei den Autotransporten auf der Schiene. Unsere Angebote stoßen bei den Automobilherstellern auf breite Resonanz.
Was lässt sich aus dem Güterumschlag in den Bremischen Häfen für die deutsche Wirtschaft dieses Jahr erwarten?
Der Umschlag in Bremerhaven wird vom Container-und Autoumschlag dominiert. Dort werden wir weiter wachsen. In Bremen ist bei der BLG der Umschlag von konventionellem Stückgut konzentriert. Da rechnen wir eher mit Stagnation. Eine positive Entwicklung erwarten wir in Bremen aber in den beschäftigungsintensiven Logistikzentren, insbesondere bei Autoteilen und Gebrauchsgütern.
Ausgerechnet Bremen, belastet mit Rekordschulden, hat zuletzt rund eine Milliarde Euro in den Hafenausbau gesteckt. Wie rechnet sich das und wer profitiert?
Der Außenhandel ist mit über 25 Prozent aller Arbeitsplätze für Bremen das wichtigste ökonomische Standbein. Dabei sind leistungsfähige Häfen der stärkste Faktor. Infrastrukturinvestitionen in die Häfen sind immer gut angelegtes Geld, das sich für das Bundesland und die gesamte deutsche Wirtschaft rechnet.
Am Weserufer soll bis 2015 ein Terminal für Windenergieanlagen auf hoher See entstehen. Ist das ein staatliches Investitionsprogramm oder geht hier die Privatwirtschaft ins Risiko?
Der geplante Offshore-Terminal in Bremerhaven ist von großer Bedeutung, um die herausragende Position der Seestadt für die Offshore-Windenergie zu festigen und weiter auszubauen. Bis zu 14 000 neue Arbeitsplätze können durch die Windenergie in Bremerhaven entstehen. Wer letztlich die Kosten für die Infrastruktur des Offshore-Terminals trägt, steht zurzeit nicht fest, weil das Ausschreibungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Wir haben uns aber um den Betrieb beworben.
Die BLG hat bereits große Investitionen in Offshore-Windkraft getätigt. Wer soll die Anlagen nutzen -und wie schätzen Sie die Chancen der Offshore-Windenergie ein?
Wir haben in Bremerhaven bereits mehrere Verträge mit großen Anlagenherstellern. Allein im Bereich der deutschen Nordseeküste sind 22 Windparks mit insgesamt 1845 Anlagen genehmigt. 40 weitere Windparks sind in der Planung. Die Anlagen müssen nicht nur gebaut und errichtet, sondern auch gewartet, repariert und später durch leistungsstärkere Anlagen ersetzt werden. Hinzu kommt der bereits seit Jahren gut laufende Export. Die Windenergie ist ein dauerhaftes Geschäft mit sehr guten Zukunftsperspektiven.