09.02.2011 | Euro am Sonntag Archivbericht | Ausgabe 06/11

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Institute mit Klick

Kaufen, verkaufen – günstig und per Mausklick. Direktbanken machen’s möglich. €uro am Sonntag hat getestet, wo die besten Konditionen locken und wer guten Service bietet.
von Stephan Haberer

Als die ersten Taschenrechner aufkamen, war Rechnen plötzlich einfach: Ein paarmal auf die Tastatur getippt und schon gab’s das Ergebnis. Aber die Geräte kosteten viel und konnten – fast nichts. Die Grundrechenarten, quadrieren und Wurzelziehen, das war’s. Heute kosten Taschenrechner fast nichts, können aber viel.

Ähnlich ist es bei Onlinebanken. Die Angebote, mit denen die ersten Institute vor gut 15 Jahren starteten, locken heute niemanden mehr: Die Preise waren viel höher als heute. Noch vor ein paar Jahren galten 16 Euro als Preis für eine 2500-Euro-Xetra-Order durchaus als konkurrenzfähig, heute erscheinen vielen schon Kosten von zehn Euro als hoch.

Bei Flatex etwa liegen die Standardkonditionen für eine solche Order bei sieben Euro. Auch Sino, Postbank und Onvista Bank verlangen mit acht bis 8,29 Euro kaum mehr. Dabei ist das bei Onvista nur die halbe Wahrheit: Als bisher einzige Onlinebank setzt sie dauerhaft auf Free-buys. Sprich: Kunden können kostenlose Wertpapierkäufe tätigen. Wie viele, hängt davon ab, wie hoch ihr Guthaben auf dem Verrechnungskonto ist. Verkäufe kosten immer.

Wer jetzt sagt: „Na, dann kann ich es mir ja ersparen, die anderen Angebote durchzugehen“, macht es sich zu einfach und zahlt unter Umständen drauf. Denn die Angebote sind zwar generell billiger geworden, aber auch unübersichtlicher.

Um Transparenz zu schaffen, hat €uro am Sonntag eine Umfrage unter 14 großen deutschen Direktbanken und Onlinebrokern durch­geführt. Die Ergebnisse lesen Sie in dieser und der kommenden Ausgabe.

Im ersten Teil geht es um das Angebot an Handelsplätzen und Partnern im außerbörslichen Bereich, um handelbare Wertpapiere, Depot-, Limit- und Ordergebühren. Darüber hinaus geht es um Xetra-Gebühren und die Kosten im US-Handel. Im zweiten Teil der Umfrage, der in der nächsten Ausgabe von €uro am Sonntag erscheint, steht das Angebot an Fonds, ETFs und Wertpapiersparplänen im Mittelpunkt.

Damit die Daten vergleichbar sind, haben wir bewusst nach Standardkonditionen gefragt, obwohl alle Banken auch Sonderkonditionen bieten. Doch diese Rabatte hängen von der Ordergröße oder vom Depotvolumen ab, vom gewählten Fonds, von der Anzahl der bereits getätigten Trades oder, oder, oder. So gibt’s bei S-Broker bis zu 80 Prozent Rabatt auf die normalen Ordergebühren. Dafür muss man aber in den zwölf Monaten zuvor mindestens 5000 Trades erledigt haben. Das sind 416 Trades im Monat.

Ein verschärftes Rabattmodell fährt Sino, einer der Spezialisten für sogenannte Heavy Trader, in der Umfrage. Selbst Kunden, die dort zu normalen Konditionen (0,15 Prozent des Ordervolumens, mindestens aber acht Euro) handeln, müssen ein Handelsvolumen von mindestens 500.000 Euro vorweisen – im Monat. Und für 0,1 Prozent darf nur handeln, wer es auf ein Volumen von mindestens zehn Millionen Euro im Monat bringt. Wenn das nicht heavy ist.

Auf das kleine Segment der Heavy Trader setzt auch ViTrade, die frühere E-Trade: Wer ständig an den Börsen aktiv ist, sollte sich neben dem Standardangebot auch das HTX-Modell ansehen. Dort kostet eine 2000-Euro-Xetra-Order gerade mal 6,54 Euro, während im Standardmodell 10,54 Euro fällig werden.

Wieder eine ganz andere Klientel bedient die Netbank. Die hat nicht unbedingt das günstigste, wohl aber ein sehr transparentes Gebührenmodell: Jede Xetra-Order kostet zehn Euro zuzüglich fremder Kosten; eine Auslandsorder 30 Euro plus fremder Spesen. Das scheint Kunden anzuziehen, die eher größere Orders aufgeben. „2010 stieg das durchschnittliche Transaktionsvolumen um mehr als 50 Prozent auf 10 400 Euro“, sagt Netbank-Vorstand Peer Teske. Ist auch nicht verwunderlich: Je größer das Ordervolumen, desto konkurrenzfähiger das Preismodell. Schon bei einer 10.000-Euro-Order ist nur Flatex günstiger als die Netbank.

Fans der US-Börsen müssten eigent­lich zu Sino gehen, wenn da diese Beschränkung mit dem Transaktionsvolumen nicht wäre. Denn Sino verlangt für den ersten US-Trade je Wertpapiergattung und Tag zwar eine Zusatzgebühr von 30 Euro. Bei jedem weiteren Trade kostet aber das einzelne gehandelte Wertpapier maximal noch eine Gebühr von einem Cent. Wer also in zehn Trades am Tag insgesamt 1000 US-Aktien dealt, zahlt bei Sino insgesamt höchstens 40 Euro. Macht im Schnitt vier Euro je Deal. Allen anderen, die keine Heavy Trader sind, bleiben leider nur andere Onlinebroker. Die verlangen zwischen 25 und 45 Euro für eine einzelne 10.000-Euro-US-Order.

Wieder eine ganz andere Kundengruppe hat die DAB Bank im Visier: die Inflationspropheten. Die Münchner bieten als erste Direktbank an, physisches Gold einzulagern. Dieses kann online gehandelt werden, wird ganz normal in der Depotübersicht angezeigt und in den Tresoren einer Schweizer Großbank verwahrt.

Wer häufig größere Beträge auf dem Verrechnungskonto parkt und dort möglichst hohe Zinsen will, ist dagegen bei der VW Bank gut auf­gehoben. Sie zahlt mit derzeit 1,35 Prozent die höchsten Habenzinsen. Die Spezialisierung auf bestimmte Kundengruppen ist eine Entwicklung, daneben gibt es aber durchaus auch größere Trends. So bieten schon zehn der 14 Onlinebanken Zugang via mobilem Internet – wenn auch nicht jedes Institut für alle Geräte und mit gleicher Funktionalität.

Honorarberatung könnte ein Trend werden. Fünf Institute bieten sie bereits an. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich drei der Offerten als Mogelpackung. Zwar gibt es eine Beratung – was für eine Direktbank nicht selbstverständlich ist –, aber diese wird nicht eigens honoriert und macht sich auch nicht im Wegfall von Provisionen bemerkbar.

Für Honorarberatungspuristen bleiben die Angebote von Comdirect und Cortal Consors. Deren Modelle ähneln sich auf den ersten Blick stark. Die Unterschiede sind dennoch erheblich. So berät die Comdirect zu rund 9000 Titeln: Aktien, Fonds, ETFs, ETCs, ausgewählte Anleihen – jedoch nicht zu Zertifikaten, Optionsscheinen oder Geschlossenen Fonds. Cortal Consors dagegen bietet Beratung zu ausgewählten Aktien, Fonds, ETFs, ETCs, Anleihen, aber auch zu Zertifikaten und sogar zu Eurex-Optionen. Bei Letzteren wird jedoch eine Zusatzgebühr fällig.

Auch beim Honorar gibt’s Unterschiede: Comdirect-Kunden zahlen für die Beratung gegen Honorar pauschal im Monat 0,05 Prozent des durchschnittlichen Anlagevolumens, mindestens aber 24,90 Euro. Macht im Jahr 0,6 Prozent oder mindestens 298,80 Euro. Wertpapiertransaktionen werden dabei regulär abgerechnet. Jedoch gibt’s alle Vertriebsprovisionen zurück, Ausgabeaufschläge fallen nicht an.

Bei Cortal Consors kostet die Beratung gegen Honorar je nach Depotvolumen von 0,7 bis ein Prozent im Jahr. Sieht auf den ersten Blick teurer aus als bei Comdirect. Muss aber nicht so sein. Grund: Das Honorar bei Cortal Consors basiert auf dem reinen Depotvolumen; die Comdirect bezieht auch Kapital auf Verrechnungs- und Tagesgeldkonten mit in die Provisionsberechnung ein. Bevor man sich entscheidet, sollte man also nachrechnen. Und da kommen die Taschenrechner wieder ins Spiel.

Nächste Woche: Was die Onlinebanken bei Fonds, ETFs und Sparplänen bieten.

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