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Euro am Sonntag Archivbericht

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Kleine Fonds mit dickem Plus

08.08.2009 - Ausgabe 32/09
Verwalter kleiner Kapitalsammelstellen sind oft erfolgreicher als große Anbieter. Eine neue Serie stellt die besten Köpfe vor.

Carsten Lootze

Matthias Habbel ist so etwas wie der David der Fondsbranche. Seit 1999 ist erfür den 26 Millionen Euro leichten hp&p://-Euro-Select-Universal-Fonds (ISIN: DE0009790766) verantwortlich. Dabei stehen ihm weder andere Portfoliomanager noch Analysten zur Seite. Dennoch lieferte der Geschäftsführer der Habbel, Pohlig & Partner Vermögensverwaltung aus Wiesbaden in den vergangenen Jahren weit überdurchschnittliche Wertzuwächse: In den vergangenen zwölf Monaten bis Ende Juni waren es trotz des Börsencrashs zwei Prozent.

Mit diesem Ergebnis schlug Habbel den Goliath der Europa-Aktienfonds, den 7,1 Milliarden Euro schweren Fidelity - European Growth Fund (ISIN: LU0048578792), um Längen: Dieser bescherte Anlegern im selben Zeitraum 31 Prozent Verlust - und das, obwohl Starmanager Alexander Scurlock auf eine Armada von Portfoliomanagern und 60 Analysten zurückgreifen kann.

Der Sieg von Habbel über Scurlock ist keine Ausnahme. "Fonds von unabhängigen Vermögensverwaltern schneiden häufig besser ab als die von großen Fondsgesellschaften", sagt Analyst Christopher Wolter von Feri Euro Rating Services.

Eine Auswertung von Feri für Euro am Sonntag zeigt: Globale Aktienfonds, die von unabhängigen Vermögensverwaltern gemanagt werden, haben auf Jahressicht nur sechs Prozent an Wert verloren. Entsprechende Produkte großer Anbieter wie DWS, Pioneer, Union Investment und Fidelity verloren im selben Zeitraum zehn Prozent. Auch in anderen Fondskategorien liegen die Vermögensverwalter vorn: bei Europa-Aktienfonds mit minus 23 gegenüber minus 26 Prozent und bei flexiblen globalen Mischfonds mit minus sechs gegenüber minus acht Prozent. Die Hauptgründe für den Performancevorsprung: Unabhängige Vermögensverwalter orientieren sich meist kaum an Vergleichsindizes, haben sich stark spezialisiert und können ihre Mittelzuflüsse besser steuern.

Indexunabhängige Investitionen sind die größte Stärke der Vermögensverwalterfonds. "Als Unabhängiger kann man seine eigene Anlagekultur und seine eigenen Konzepte einfach besser verfolgen als in einem großen Haus, das von vielen Zwängen geprägt ist", sagt Winfried Walter, Vorstand der Kölner Vermögensverwaltung Albrech & Cie. Dazu gehört auch, Kapital in ungünstigen Marktphasen vorübergehend in Barmittel umzuschichten.

So hat es beispielsweise Habbel getan: Mitte 2008, als es an den Börsen bergab ging, hielt er rund ein Drittel des Fondsvermögens in Cash und Staatsanleihen - das schützte seine Anleger vor allzu großen Verlusten. Ähnlich machte es Edouard Carmignac mit dem Carmignac Investissement, der Ende 2008 sogar 40 Prozent in bar hielt. Im Gegensatz dazu blieben die Fondsmanager der großen Anbieter nahezu vollständig in Aktien investiert. Warum? "Bei den Vermögensverwalterfonds lassen die Anlagerichtlinien den Managern viel mehr Spielraum", sagt Analyst Wolter. Klaus Kaldemorgen darf in seinem DWS Vermögensbildungsfonds I zum Beispiel höchstens 20 Prozent Cash halten.

Auch sonst weichen die unabhängigen Manager in der Regel stärker von den Vergleichsindizes ab als ih-re Kollegen von den großen Gesellschaften. Matthias Habbel ist ein Beispiel dafür: In seinem hp&p://-Euro-Select-Universal-Fonds machten deutsche Aktien zuletzt 42 Prozent des Portfolios aus, beim Vergleichsindex MSCI EMU nur 25 Prozent.

Die hohe Spezialisierung ist ein weiterer Vorteil der Vermögensverwalter. Diese kann sich auf bestimmte Regionen, Branchen, Themen oder Investmentstile wie Growth und Value beziehen. Um einige Beispiele zu nennen: FPM Frankfurt Performance Management bietet ausschließlich deutsche Aktienfonds an, Johannes Führ hat sich auf Anleiheprodukte spezialisiert, Keppler Asset Management auf Schwellenländer, Lupus alpha auf Nebenwerte, Acatis auf den Value-Stil, Fisch Asset Management auf Wandelanleihen, die Earth Resource Investment Group auf Rohstoffaktien, und Sustainable Asset Management bietet ausschließlich Nachhaltigkeitsfonds an.

"Die kleinen Boutiquen beschränken sich auf die Märkte, für die sie tatsächlich auch Experten haben", sagt Werner Hedrich. Der Leiter der Fondsanalyse bei Morningstar Deutschland ergänzt: "Die Großen versuchen dagegen, Vollsortimente anzubieten."

Besser gesteuerte Mittelzuflüsse sind ein zusätzliches Plus der Vermögensverwalterfonds gegenüber Produkten großer Anbieter. Beispielsweise schlossen Manfred Piontke und Martin Wirth ihren FPM Funds Stockpicker Germany All Cap (ISIN: LU0124167924) und den FPM Stockpicker Small/Mid-Cap (ISIN: LU0207947044) im Jahr 2005 einige Monate lang für Neuinvestitionen. Zuvor waren den deutschen Aktienfonds innerhalb weniger Monate mehrere Hundert Millionen Euro zugeflossen. So schnell konnten die Manager das Geld angesichts ihres kleinen Anlageuniversums nicht anlegen. Ähnlich verfuhr der Rohstoffspezialist Tiberius 2007 mitdem Commodity Alpha OP (ISIN: LU0229477533) und dem Commodity Alpha Euro OP (ISIN: LU028 8155905).

"Große Anbieter lassen ihre Fonds dagegen meist auch bei hohen Mittelzuflüssen offen", sagt Hedrich. Denn wenn der Fonds sich gut verkauft, beschert das dem Vertrieb hohe Provisionen. Hedrich: "Die Manager dieser Fonds müssen dann häufig in Papiere investieren, die nur zweite Wahl sind, damit die hohen Cashbestände die Wertentwicklung nicht verwässern." Karl Fickel bestätigt dieses Dilemma. Der heutige Partner der Frankfurter Fondsboutique Lupus alpha arbeitete bis 2000 als Fondsmanager bei Invesco. Er erinnert sich: "Wie ohnmächtig du als Fondsmanager bist, erfährst du unter anderem dann, wenn die Mittelzuflüsse überhandnehmen. Wenn du darum bittest, den Fonds schließen zu dürfen, und deine Gesellschaft ablehnt mit den Worten: Warum, es läuft doch gerade so gut."

Angesichts dieser Vorteile ist nachvollziehbar, dass die Nachfra-ge nach Vermögensverwalterfonds steigt. Wolter: "Der Stellenwert dieser Produkte wächst - auch bei institutionellen Kunden." Das liege vor allem an der zunehmenden Konkurrenz durch börsennotierte Indexfonds (Exchange Traded Funds) ohne aktives Management. "Vermögensverwalterfonds können sich von diesen passiven Produkten besser abgrenzen als Fonds großer Gesellschaften, weil sie aktiver gemanagt werden", sagt Wolter.

Einige Wermutstropfen gibt es aber auch bei den kleinen Anbietern. Zum einen sind die laufenden Kosten von Vermögensverwalterfonds in der Regel höher als bei den Vollsortimentanbietern. Hedrich: "Das liegt daran, dass an diesen Produkten mehr Dienstleister beteiligt sind, die alle bezahlt werden wollen - zum Beispiel der Berater, die Kapitalanlagegesellschaft und die Depotbank." Die großen Gesellschaften erbringen diese Dienstleistungen meist im eigenen Haus und damit kostengünstiger. "Dafür übernehmen die Vermögensverwalter bei ihren Fonds meist auch die Asset Allocation mit, indem sie zum Beispiel in Cash umschichten", sagt Wolter.

Zum anderen sollten Anleger wissen: Fondsunabhängige Vermögensverwalter sind nicht nur chancen-, sondern auch risikoreicher als Produkte großer Anbieter. Das zeigen die Volatilitätszahlen, die in der Feri-Auswertung meist höher liegen als bei Fonds großer Anbieter. Die Anteilswerte schwanken also im Schnitt stärker. Wolter: "Das ist eine Folge aus den stärkeren Indexabweichungen und größeren Anlagefreiheiten." Dass diese nicht immer von Erfolg gekrönt sind, zeigen die Beispiele der internationalen Aktienfonds Finanova Global von Wolfgang Schuck und Timing Global Plus von Henry Littig. Nach Jahren enttäuschender Wertentwicklungen haben beide Vermögensverwalter ihre Produkte zunächst an andere Manager abgetreten. Kurz darauf wurden die Fonds aufgelöst.

Um Anlegern solche Enttäuschungen zu ersparen, hat Euro am Sonntag die deutschen Vermögensverwalter mit den besten Fonds herausgesucht. In den kommenden Wochen werden wir jeweils einen dieser Vermögensverwalter und seine Produkte vorstellen. Denn Martin Habbel ist nicht der einzige David, der es locker mit den Goliaths von DWS, Pioneer und Co aufnehmen kann.

Performancevergleich II - Globale flexible Mischfonds


In den vergangenen fünf Jahren verloren globale Aktienprodukte großer Anbieter im Schnitt zwei Prozent an Wert. Globale Aktienfonds kleinerer Vermögensverwalter schnitten mit einem Plus von fünf Prozent besser ab - vor allem dank zwischenzeitlich hoher Cashpolster.
Noch stärker als bei globalen Aktienfonds war der Vorsprung der Vermögensverwalter bei flexiblen Mischfonds - mit 26 Prozent Wertzuwachs gegenüber acht Prozent Plus. Dabei zahlte sich aus, dass die Vermögensverwalter ihre Freiheiten stärker nutzten und die Aktienquoten wie erlaubt zwischen null und 100 Prozent variierten.

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