08.02.2012 - Ausgabe 05/12
Der Hauptangeklagte im Prozess um Marktmanipulation, Tobias Bosler, hat Vorwürfe zurückgewiesen, er habe Anleger beim
Der Hauptangeklagte im Prozess um Marktmanipulation, Tobias Bosler, hat Vorwürfe zurückgewiesen, er habe Anleger beim Börsengang (IPO) der Biotechfirma Nascacell getäuscht. Er habe gegenüber potenziellen Investoren nie erklärt, dass er eine Mindesthaltefrist unterzeichnet habe, sagte Bosler vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München.
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft hatte Bosler im Vorfeld des Börsengangs 601 000 Aktien an 19 Investoren verkauft. Die Aktien stammten jeweils zu einem Drittel von Bosler, von dem mitangeklagten Ex-SdK-Sprecher Markus Straub sowie vom bereits wegen Insiderhandel und Marktmanipulation verurteilten Ex-SdK-Sprecher Christoph Ö. Bosler habe, so die Ermittler, zwei Anleger zum Kauf mehrerer Tausend Papiere mit der Zusage gelockt, die Aktien von Altaktionären und Management seien für einen Verkauf zunächst gesperrt. Dies bestreitet Bosler. Zugleich trat er der Darstellung entgegen, er habe den Verkauf weiterer Nascacell-Papiere gemeinsam mit Straub und Ö. gezielt verschleiert. Das Trio hielt die Mehrheit an dem Biotechunternehmen.
Laut Staatsanwaltschaft hatten Bosler, Straub und Ö. im Rahmen eines Wertpapierdarlehens 1,1 Millionen Nascacell-Aktien der VEM Aktienbank überschrieben, damit diese den Verkauf der Aktien nach dem IPO "interessewahrend" abwickeln könne. Zusätzlich habe das Trio über andere Depots Nascacell-Aktien verkauft. Bosler erklärte, die Abwicklung über die VEM Bank habe einen "kursschonenden Verkauf" sicherstellen sollen. Zudem habe man sich verpflichtet, nach dem Börsengang zwei Kapitalerhöhungen bei Nascacell zu zeichnen. Das dafür notwendige Geld sollte durch den Aktienverkauf erlöst werden. Durch den Deal mit der VEM Bank sei sichergestellt worden, dass die Einnahmen aus den Aktienverkäufen direkt bei der VEM Bank landen. Diese habe ein eigenes Interesse gehabt, dass die Kapitalerhöhungen finanziert werden können.
Nach der Erstnotiz am 30. Mai 2006 brach die Aktie von Nascacell ein, inzwischen ist die Firma nichts mehr wert. Laut Staatsanwaltschaft verdiente das Trio mit Nascacell-Aktien rund 12,5 Millionen Euro.