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09.05.2012 | Euro am Sonntag Archivbericht | Ausgabe 18/12

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Rheinmetall – profitable Spaltung

Die Automotive-Sparte gilt als heißer Börsenaspirant, was den Kurs des Mutterkonzerns treiben sollte

von Wolfgang Ehrensberger

Der Chemiekonzern Evonik, die Siemens-Tochter Osram, der Versicherer Talanx — mit Hochdruck bereiten sich derzeit mehrere Kandidaten auf den Börsengang vor. „Der Markt ist, gemessen am DAX-Niveau im Zehnjahresvergleich, in relativ guter Bewertungsverfassung“, glaubt Martin Steinbach, Experte für Neuemissionen der Beratungsgesellschaft Ernst & Young.

Die Marktschwankungen — abzulesen am Volatilitätsindex VDAX — würden jedoch Schnelligkeit und Flexibilität erfordern, um den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Von „planbaren Zeitfenstern“ für Börsengänge könne ohnehin nicht mehr die Rede sein. „Da kann man schon eher von Schießscharten sprechen“, meint Steinbach. „Es profitieren diejenigen, die Kapitalmarktfähigkeit geschaffen, ihre Pläne aktuell gehalten und nicht wieder tief in die Schublade gesteckt haben.“

Das trifft derzeit vor allem auf den Düsseldorfer Rheinmetall-Konzern zu, der seine Autozuliefersparte KSPG (Kolbenschmidt Pierburg) schon im vergangenen Jahr platzieren wollte. Die Pläne wanderten allerdings wegen des ungünstigen Marktes im Herbst erst einmal in besagte Schublade — nicht zu tief, wohlgemerkt. Rheinmetall-Chef Klaus Eberhardt lässt keine Zweifel daran, dass der Konzern bereitsteht. Die Pläne könnten schnell und flexibel umgesetzt werden. „Im Moment sieht es nicht schlecht aus“, sagte er vor Kurzem. Die „Börsen-Zeitung“ spekuliert bereits darauf, dass KSPG noch vor Evonik aus der Deckung kommen und am 25. Juni an den Start gehen könnte. Die Evonik-Gesellschafter wollen ihre Entscheidung am 21. Mai fällen.

Wachstumsmärkte im Blick
Als Konsortialführer bei KSPG sind für den Fall der Fälle nach Informationen von €uro am Sonntag Deutsche Bank, Commerzbank und Bank of America/Merrill Lynch bereits gesetzt. Zunächst könnte den Plänen zufolge eine Minderheit der neuen KSPG-Aktien platziert werden. Rheinmetall selbst wäre am Ende nur noch auf das Geschäftsfeld Rüstung fokussiert.

KSPG gilt als global führend in Bereichen wie Energieeffizienz und Schadstoffreduktion, ist in Ländern wie China oder Indien hervorragend positioniert und kann daher vom stabilen Wachstum des globalen Automarkts in den kommenden Jahren profitieren. Umsatz und Ergebnis erreichten im ersten Quartal neue Höchstwerte. „Man muss sich nur im Klaren sein, dass man es hier im Gegensatz zur Rheinmetall-Rüstungssparte mit einem zyklischen und konjunktursensitiven Geschäft zu tun hat“, erläutert Manfred Jaisfeld, Analyst der Essener National-Bank.

Von einer KSPG-Abspaltung könnten allerdings nach Meinung vieler Experten auch Rheinmetall-Aktionäre klar profitieren: „Wir rechnen damit, dass ein solches Szenario den Rheinmetall-Kurs deutlich anschieben wird“, sagt Jaisfeld. Die Düsseldorfer erhielten durch den Börsengang hohe Mittelzuflüsse, die zum Schuldenabbau und für Investitionen ins Kerngeschäft (Panzerfahrzeuge, Munition) verwendet werden könne. Zudem falle mit der Konzentration auf die Rüstungssparte der Konglomeratsabschlag weg, der bislang den Kurs belaste.

Autozulieferer fast geschenkt
„Man muss sich vor Augen halten, dass das ganze Unternehmen Rheinmetall mit einer Marktkapitalisierung von 1,7 Milliarden Euro noch vergleichsweise niedrig bewertet ist“, so Jaisfeld. Allein die Rüstungssparte sei für sich schon 1,5 Milliarden Euro wert. „Wer zum aktuellen Kurs eine Rheinmetall-Aktie kauft, bekommt den Automotive-Teil fast umsonst dazu.“ Ein Börsengang der Autosparte würde für Rheinmetall enormes Kurspotenzial entfalten. Und negative Auswirkungen aufs Geschäft sind laut Jaisfeld kaum zu erwarten, „da es keine Synergien zwischen beiden Bereichen gibt“.Fertigung bei Kolbenschmidt Pierburg: Die Autozuliefersparte des Düsseldorfer Rheinmetall-Konzerns soll in Kürze an die Böse gebracht werden

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