28.01.2007 | Euro am Sonntag Archivbericht | Ausgabe 04/07

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"Mein Radar ist sehr aktiv"

Axel Heitmann, Chef von Lanxess und Unternehmer des Jahres, über den Umbau des Chemiekonzerns und seine Expansionspläne
Thorsten Schüller

Er hat gewonnen: Axel Heitmann, Vorstands-Chef des Leverkusener Chemiekonzerns Lanxess, ist "Unternehmer des Jahres 2006". Tausende Leser von Euro am Sonntag und dem Wirtschaftsmagazin Euro stimmten für den Manager, der fast auf den Tag genau vor zwei Jahren mit der Bayer-Tochter an die Börse kam und das Unternehmen in atemberaubendem Tempo sanierte. Heitmann setzte sich bei der Wahl gegen Allianz-Chef Michael Diekmann, Commerzbank-Boss Klaus-Peter Müller, Henkel-Lenker Ulrich Lehner und Hugo-Boss-Chef Bruno Sälzer durch.

Euro am Sonntag: Herr Heitmann, herzlichen Glückwunsch zum Titel "Unternehmer des Jahres 2006". Überrascht über die Auszeichnung?

Axel Heitmann: Ich bin mehr als überrascht. Immerhin sind wir erst zwei Jahre eigenständig. Ich freue mich, dass die Kapitalmärkte die Leistung des Lanxess-Teams mit weltweit 17000 Mitarbeitern honorieren. Und ich freue mich natürlich besonders, dass auch Ihre Leser diese Leistung anerkennen.

Euro am Sonntag: Dabei glaubte anfangs kaum jemand an einen Erfolg von Lanxess. Das Gegenteil ist eingetreten. Warum?

Heitmann: Wir sind mit großen Herausforderungen gestartet. Wir hatten mit Personalüberhängen, geringer Finanzausstattung und hohen Schulden zu kämpfen. Andererseits hatten wir gute Produkte und eine gute Marktposition sowie ein hochmotiviertes Team. Nur unsere Performance war schlecht. Über 70 Prozent unserer Geschäfte verliefen unbefriedigend. 40 Prozent erwirtschafteten sogar ein tiefrotes Ergebnis. Deshalb mussten wir schnell handeln.

Euro am Sonntag: Sechs Wochen nach Ihrem Börsengang haben Sie die ersten Restrukturierungsprogramme angekündigt.

Heitmann: Und drei Monate später hatten wir bereits das erste Paket durchverhandelt. Wir haben weltweit unsere Strukturen angepasst und sind mit dem Umbau schneller vorangekommen als erwartet worden war. Mittlerweile können wir mit beträchtlichen Ergebnissprüngen aufwarten. Das hat in den Märkten viel Vertrauen geschaffen.

Euro am Sonntag: Ist der Umbau nun abgeschlossen?

Heitmann: Wir werden auch weiter unsere Strukturen anpassen. Das schafft die Basis für weitere Schritte, auch Akquisitionen. Wichtig ist aber, dass wir das Fundament immer tragfähiger machen. Das wird auch 2007 eine hohe Priorität genießen.

Euro am Sonntag: Sprechen Sie damit auch Ihr Kunststoffgeschäft an, das teilweise unter einer geringen Gewinnmarge (Ebit) leidet?

Heitmann: Ja. Unser ABS-Bereich ist ein relativ großes Geschäft, das in den letzten zehn Jahren tiefrot war. Wir haben es jetzt erstmals in den schwarzen Bereich geführt. Wir sind hier auf gutem Wege. Insbesondere der Umbau unserer Lustran-Polymers-Einheit wird konsequent fortgesetzt. Hier erwarte ich in diesem Jahr eine deutliche Ergebnisverbesserung. Das gibt uns die Möglichkeit, nach strategischen Partnerschaften Ausschau zu halten. Ich denke an Optionen in Asien, aber auch daran, weitere Konsolidierungen in den westlichen Märkten anzugehen.

Euro am Sonntag: Wie steht es um andere Bereiche von Engineering-Plastics?

Heitmann: Insbesondere im Polyamidgeschäft haben wir eine Reihe von Offensiven gestartet, beispielsweise unsere Produktionsplattform in Asien verbreitert. In China haben wir eine neue Anlage in Betrieb genommen. Mittlerweile ist die voll ausgelastet. Deshalb planen wir bereits die Expansion noch in diesem Jahr. Zusätzlich sind wir mit neuen Hightech-Produkten in den Markt gegangen. Die Kotflügel des neuen 3er-BMW beispielsweise sind aus unserem Material Triax, einem hochinnovativen Kunststoff, der uns echte Wachstumsvorteile sichert.

Euro am Sonntag: Sie streben Akquisitionen an und schließen auch größere Deals nicht aus. Degussa und der Polymerbereich von Bayer wären für Sie interessant, sind derzeit aber nicht zu haben. Wo wollen Sie stattdessen zukaufen?

Heitmann: Ich halte die chemische Industrie in Deutschland für eine Schlüsselindustrie und betrachte es als meine unternehmerische Verantwortung, diesen Chemiestandort zu stärken. Deshalb ist mein Radarschirm hier sehr aktiv. Wir wollen und werden an den Veränderungen in der Branche aktiv teilnehmen. Da die erwähnten Assets gegenwärtig nicht verfügbar sind, schauen wir uns besonders in Deutschland andere attraktive Optionen an, lassen aber auch andere Regionen und Länder nicht außer Acht.

Euro am Sonntag: Wie viel Geld ist für Übernahmen in der Kasse?

Heitmann: Unser finanzieller Handlungsspielraum bewegt sich in Milliardenhöhe.

Euro am Sonntag: Wo liegt die Grenze?

Heitmann: An der Finanzierung werden auch größere Akquisitionen nicht scheitern.

Euro am Sonntag: Sie betonen die Rolle Deutschlands sehr stark.

Heitmann: Hier sind unsere Wurzeln. Die Chemie ist sozusagen in Deutschland erfunden und groß geworden. Es ist Zeit, sich dieses Prädikatsmerkmals zu besinnen und damit wieder Geld verdienen zu wollen. Wir müssen nur einen großen Teil unserer Prozesse anders strukturieren. Es nützt ja nichts, dass wir die innovativsten Produkte erfinden. Wir müssen sie auch zu wettbewerbsfähigen Konditionen hier herstellen.

Euro am Sonntag: Sie wollen Lanxess zu einem weltweit bedeutenden Konzern umbauen. Was fehlt noch?

Heitmann: So eine Reise wird nie aufhören. Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Stärkung unserer Wettbewerbsfähigkeit. Wir müssen auf den expandierenden Märkten noch präsenter werden, also in Asien mit Fokus auf China und Indien. Wir werden aber auch nach Osteuropa und in den Mittleren Osten schauen.

Euro am Sonntag: Derzeit läuft die Konjunktur gut. Ist Lanxess aber auch wetterfest genug, um den nächsten Abschwung zu überstehen?

Heitmann: Ich gehe optimistisch in das Jahr 2007 und erwarte, dass sich die weltweite Chemieindustrie weiter gut entwickelt. Aber natürlich arbeiten wir intensiv daran, unser Haus wetterfest zu machen. Das sollte man tun, wenn die Sonne scheint. So gehen wir gestärkt in die Zukunft.

Euro am Sonntag: Inwieweit kommt Ihnen dabei der augenblicklich niedrige Ölpreis entgegen?

Heitmann: Der sinkende Ölpreis wird sich vorteilhaft auf die gesamte Branche auswirken. Dennoch gehe ich davon aus, dass die Energiepreise und die Kosten für Petrochemikalien dauerhaft hoch bleiben und sogar noch steigen werden. Das heißt, wir müssen die höheren Einstandskosten in die Märkte weitergeben.

Euro am Sonntag: In den vergangenen Jahren waren bei Lanxess Sanierungsfähigkeiten gefragt. Nun tritt der Konzern in eine neue Phase. Welche Qualitäten müssen Sie jetzt beweisen?

Heitmann: Es ging bei Lanxess nie um eine Sanierung allein. Es ging auch darum, neue Geschäftsperspektiven zu eröffnen. Erst aus dieser Kombination wird eine echte Neuausrichtung. Entscheidend ist für mich, dass wir unser Geschäft weiterhin mit viel Dynamik, Vision, Transparenz, Offenheit und Freude betreiben.

Lanxess Aschenputtel steht auf


Der promovierte Chemiker trat 1989 in den Chemiekonzern Bayer ein. In den folgenden Jahren übernahm er Leitungsfunktionen bei Bayer UK und Polymer Latex. Seine Sanierungsqualitäten zeigte er 2002 als Chef der Bayer-Tochter Wolff Walsrode. 2004 wurde der gebürtige Hamburger Vorstands-Chef von Lanxess. Der 47-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Im Januar 2005 brachte Bayer das margenschwache Massenchemie-geschäft in Form von Lanxess an die Börse. Mit mehreren Sanierungsprogrammen gelang es, den Cashflow zu erhöhen, Personal und Schulden wurden abgebaut. Zuletzt kündigte Lanxess die Modernisierung der Tochter Saltigo an. Lanxess beschäftigt 17000 Mitarbeiter, setzt 7,2 Milliarden Euro um bei einem erwarteten Bruttogewinn (Ebitda) 2006 von 660 bis 680 Millionen. Die Firma will nun expandieren. Der Aktienkurs stieg jüngst auf ein Rekordhoch von 43,55 Euro.

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