08.02.2012 - Ausgabe 05/12
An Superlativen mangelt es nicht. Mit angepeilten fünf Milliarden Dollar Emissionsvolumen wird es der größte Börsengang
An Superlativen mangelt es nicht. Mit angepeilten fünf Milliarden Dollar Emissionsvolumen wird es der größte Börsengang eines Internetunternehmens in der Geschichte. Geschätzte 75 bis 100 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung werden rund vier Milliarden Dollar Umsatz entgegenstehen -eine Rekordbewertung. Und auch der atemberaubende Aufstieg des Gründers und Firmenchefs Mark Zuckerberg ist einmalig. Mit dem Mega-Börsengang des weltweit größten Internetnetzwerks wird der gerade mal 27-jährige Multimilliardär wohl viertreichster Amerikaner.
Facebook geht an die Börse. Wohin genau, steht noch nicht fest. Vielleicht wird es die NYSE an der Wall Street, vielleicht auch die Technologiebörse Nasdaq. Wie viele Aktien ausgegeben werden und was sie kosten werden, ist auch noch offen. Immerhin auf das Kürzel "FB" legt sich der Börsenprospekt fest.
Das SEC-Dokument "S 1" lässt eine Menge Spielraum. Beobachter vermuten, dass der Konzern einstweilen Gebühren sparen will und hofft, doch noch die einst angepeilten zehn Milliarden einzusammeln.
Jetzt prüft die US-Börsenaufsicht SEC. Rund 30 Tage wird das dauern. Dann geht Facebook auf Roadshow bei Investoren. Ende April, Anfang Mai könnte es dann so weit sein.
Mit dem Börsenprospekt gewährt Gründer und Vorstandschef Mark Zuckerberg einer breiten Öffentlichkeit erstmals Einblicke ins Intime des Web-Wunders. Eine überraschende Erkenntnis: Das Unternehmen hat eine Mission. "Wir wollen die Welt offener und verbundener machen", heißt es da. Und: Facebook hat 2011 rund 3,7 Milliarden Dollar Umsatz erzielt. Die meist frequentierte Website der Welt schreibt zudem Gewinne, im vergangenen Jahr waren es rund eine Milliarde Dollar.
Kleinere Zahlen, großes Potenzial
Die Zahlen sind bescheidener als vielfach vermutet. Schätzungen waren im Vorfeld von über vier Milliarden Dollar Umsatz ausgegangen.
Was Investoren von Facebook jedoch wirklich wollen, ist Wachstum.
Die stetige Entwicklung der Mitgliederzahlen macht schon mal Appetit (siehe Grafik). Das Heer von inzwischen rund 850 Millionen Mitgliedern ist allerdings bloß die Basis fürs richtige Geschäft. Schließlich besteht die Strategie vor allem darin, Werbekunden anzulocken.
Bislang klappt das prächtig. Laut Prospekt stieg der Umsatz seit 2007 um das 24-Fache. Künftige Steigerungen scheinen programmiert. Facebook-Fans sind schließlich ungewöhnlich auskunftsfreudig und offenbaren gern Daten, die für gezielte Werbung nutzbar sind.
Schon heute hat das Unternehmen laut US-Marktforscher Comscore in den USA bei der Bannerwerbung einen Marktanteil von rund 28 Prozent. Der Suchmaschinenbetreiber Google, führend bei der Werbung rund um die Internetsuche, kommt hier lediglich auf fünf Prozent.
Es geht gegen Google
Google, beim Umsatz achtmal größer als Facebook, lernt gerade das Fürchten. Im Weihnachtsquartal registrierte der Nachbar -die Google-Zentrale liegt nur zehn Autominuten vom Facebook-Hauptquartier entfernt -"wachsende Konkurrenz". Gemeint war Facebook. Dessen Vize-Chefin Sheryl Sandberg weiß, gegen wen Facebook punkten will. "Bei wem würden Sie sich nach einem guten Restaurant erkundigen, wenn Sie in eine fremde Stadt fahren. Bei einer Suchmaschine oder Ihren Freunden?", fragte Sandberg kürzlich in einem Interview spitzfindig. Facebook ist sich seiner Stärken bewusst.
Nicht nur an der Wall Street wird im Vorfeld des Börsengangs schon über eine neue Dotcom-Euphorie geredet. Manche Aktie ist bereits angesprungen. Das Papier des Spieleentwicklers Zynga etwa, der seine Produkte vor allem auf Facebook anbietet, stieg im Wochenverlauf um rund zehn Prozent. Gleiches gilt für die deutsche Web-Kontaktbörse Xing.
Professionelle Investoren sind einstweilen jedoch zurückhaltend. Die Datenlage zu Facebook sei bislang dünn, man warte die Roadshow ab, heißt es von Fondsgesellschaften. Was manche Institutionelle abschreckt, ist die Kontrollmanie, die Zuckerberg im Börsenprospekt offenbart. Der Gründer hält rund 28 Prozent der Aktien. Der Ex-Psychologiestudent übt jedoch fast 60 Prozent der Stimmrechte aus. "Bei uns gilt die Regel: eine Aktie, eine Stimme. Das ist Kernforderung", sagt ein Fondsmanager skeptisch. Die wahren Gewinner des Börsengangs stehen derweil schon fest. In mehreren nicht öffentlichen Finanzierungsrunden hat das Unternehmen fleißig Kapital eingesammelt. Etwa 50 private Investoren, darunter die Facebook-Vorstände, sowie Fonds und Banken sind investiert.
Facebook macht Milliardäre
Die Private-Equity-Company Accel Partners etwa zog das große Los, als sie 2005 rund 13 Millionen Dollar investierte. Der verbliebene Anteil von rund elf Prozent wird heute auf über zehn Milliarden Dollar taxiert.
Die höchste Rendite dürfte jedoch der Internetinvestor Peter Thiel einfahren. Der gebürtige Frankfurter steckte 2004 eine halbe Million Dollar ins Start-up. Wert des Anteils des Facebook-Aufsichtsrates beim Börsengang: gut zwei Milliarden Dollar.
Auch die großen US-Banken mischen mit. Anfang 2011 stieg Goldman Sachs mit 450 Millionen Dollar ein. Das Investment dürfte sich mindestens verdoppeln. Die Konsortialführung beim Börsengang schnappte sich indes Goldman- Rivale Morgan Stanley. Kein schlechter Deal: Er könnte eine dreistellige Millionensumme bringen.
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg Rasanter Mitgliederzuwachs - und der unglaubliche Aufstieg des 27-Jährigen zum viertreichsten Amerikaner