08.02.2012 - Ausgabe 05/12
Der Aufsichtsrat der Deutschen Börse wird sich auf seiner nächsten regulären Sitzung am 13. Februar mit den Konsequenzen
Der Aufsichtsrat der Deutschen Börse wird sich auf seiner nächsten regulären Sitzung am 13. Februar mit den Konsequenzen aus der gescheiterten Börsenfusion befassen. Im Mittelpunkt der Kritik steht nicht nur der Vorstand unter Börsenchef Reto Francioni, sondern auch das Verhalten des Gremiums selbst, das während des Fusionsprozesses seiner Kontrollfunktion nicht nachgekommen sei.
"Das Scheitern dieser Fusion darf vom Management nicht einfach als kleiner Betriebsunfall heruntergespielt werden, wie das von einigen Personen versucht wird", sagte Aufsichtsratsmitglied Johannes Witt dieser Zeitung. Bei der Ankündigung der Fusion mit NYSE Euronext vor einem Jahr habe das Management unter Führung von Francioni den Aufsichtsrat entgegen gängiger Corporate-Governance-Regeln vor vollendete Tatsachen gestellt. "Mit Blick auf das Ergebnis muss jetzt die Frage nach personellen Konsequenzen gestellt werden", sagte Witt. "Kann jemand, der den bisherigen Status ändern wollte, indem er sich an einen anderen Partner anlehnte, und nun gescheitert ist, diesen Konzern weiter in die Zukunft führen?"
Streit im Kontrollgremium
Deutsche-Börse-Aufsichtsratschef Manfred Gentz hatte unmittelbar nach der Absage der Fusion durch die EU-Kommission erklärt, die Börse werde nun ihr bewährtes Geschäftsmodell weiterführen. "Zu grundlegenden Änderungen von Strategie, Struktur und Führung gibt es keinen Anlass. Vielmehr sind jetzt Ruhe und Kontinuität geboten", so Gentz. Das will Witt so keinesfalls stehenlassen, und er fasst seine Kritik noch weiter: Auch der Aufsichtsrat habe bei diesem Projekt keine gute Figur abgegeben. "Die Richtigkeit der Entscheidungen wurde -außer vonseiten der Arbeitnehmer - nicht ausreichend hinterfragt. In der nächsten regulären Sitzung des Kontrollgremiums müssen wir aufarbeiten, was da passiert ist." Dem Aufsichtsrat gehören 18 Mitglieder an, zwölf von der Kapitalseite und sechs Arbeitnehmervertreter, darunter Witt als stellvertretender Betriebsratschef.
Die EU-Kommission hatte am Mittwoch den Zusammenschluss endgültig für gescheitert erklärt. Er hätte nach Ansicht der EU zu einem europäischen Monopol im Derivatehandel geführt. Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni hatte die Entscheidung scharf kritisiert.
Aktienkurs profitierte
Nach dem Aus für die Fusion hatte sich der Deutsche-Börse-Aktienkurs am Donnerstag mit bis zu sechs Prozent Plus an die DAX-Spitze gesetzt. Die Ankündigung der Fusion vor einem Jahr hatte zwar ebenfalls den Kurs angetrieben. Da sich das Fusionsvorhaben aber immer mehr in die Länge zog und die Konditionen für einen Zusammenschluss immer unklarer wurden, kam die Aktie im Jahresverlauf unter Druck. Als sich zum Jahreswechsel immer mehr ein Scheitern des Vorhabens abzeichnete, erholte sich das Papier. Analysten äußerten sich allerdings skeptisch, dass es mit der Kursdynamik so weitergehen könnte. Das Wettbewerbsumfeld bleibe schwierig, auch wenn die Börse immer noch gute Gewinnmargen erziele. Zusätzliche Kursdynamik könnte möglicherweise ein Aktienrückkaufprogramm auslösen. Aus dem operativen Geschäft sind wenig Impulse zu erwarten. Eine weitere Großfusion will die Börse nicht eingehen.