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Euro am Sonntag Archivbericht

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Prima traden und sparen

10.08.2011 - Ausgabe 32/11
Der große Direktbanken-Test: Welcher der großen deutschen Onlinebroker für welchen Kundentyp das beste Angebot und die günstigsten Konditionen hat

von Stephan Haberer

Pistolenschießen, Degenfechten, Schwimmen, Springreiten, Crosslauf: In diesen völlig unterschiedlichen Disziplinen messen sich Moderne Fünfkämpfer seit 1912. Und nur wer in jeder Einzeldisziplin die Prüfung besteht, bleibt auch in der Gesamtwertung. Wer auch nur in einer einzigen Disziplin patzt, etwa indem er das Zeitlimit überschreitet, hat keine Chance mehr auf den Gesamtsieg. Hart, aber so ist das ­Reglement.
Ähnlich läuft auch der jährliche Onlinebanken-Test von €uro am Sonntag: Allerdings wird hier bei zehn großen Onlinebanken und sieben Spezialanbietern, die wir in der nächsten Ausgabe vorstellen, gemessen, welche Ordermöglichkeiten sie bieten und wie günstig sie für unterschiedliche Modellkunden sind.

Da ist der „Aktive Trader“, der ­relativ häufig handelt, an US-Börsen aktiv ist und sich auf Optionsscheine ebenso einlässt wie auf Anleihen, Aktien und Zertifikate, genauso ­vertreten wie der bequeme „Spar­planer“, der lieber auf automatisierte Fonds-, ETF und/oder Zertifikate­sparpläne setzt.
Der „Buy-&-Hold-Investor“, der zwar selten mit Aktien, Zertifikaten und Fonds handelt, dafür aber größere Beträge einsetzt, wird ebenso berücksichtigt wie der normale „Trader“, der Aktien in unterschiedlichen Volumina handelt, aber auch Fonds und zudem einen Fondssparplan eingerichtet hat. Für diese vier Musterkunden (siehe Kasten Seite 69) wurde untersucht, wie günstig die einzelnen Direktbanken und Online­broker tatsächlich sind.

Nur fünf Banken bieten alles. Wehe, eine Bank patzt. Dann bleibt sie zwar noch in der Einzelwertung, aber mit der Gesamtwertung ist es aus und vorbei – moderner Finanzmehrkampf eben. Denn auch beim Onlinebroker-Test von €uro am Sonntag kommt nur in die Gesamtwertung, wer jede Einzelprüfung erfolgreich bestanden hat. Heißt: Er muss alle Leistungen anbieten, die der ­jeweilige Musterkunde benötigt. Klingt einfach, scheint es aber nicht zu sein. Selbst bei den großen Anbietern blieben von zehn getesteten Instituten am Ende nur fünf übrig.

Das heißt nun aber nicht, dass die ausgeschiedenen Anbieter schlecht sind; jedoch passt ihr Angebot nicht zu dem, was einige Musterkunden benötigen. So kam etwa die DKB Bank nicht in die Gesamtwertung, obwohl sie es zweimal auf den ersten Platz geschafft hat. Dafür hat sie aber auch zweimal gepatzt. Ebenfalls bei jeweils einem Modellkunden auf den zweiten Platz kamen Volkswagenbank direct, ING-Diba und Postbank. Nur: Auch sie haben bei jeweils ei­nem Modellkunden – dem „Aktiven Trader“ – gepatzt.
Dabei haben wir nichts Unmögliches verlangt: Aktienorder via ­Xetra oder über deutsche Regional­börsen sollten genauso selbstverständlich sein wie ein Anleihedeal über die Börse Frankfurt oder der Handel via Scoach und Euwax.
Und dass der eine oder andere Anleger Optionsscheine traden oder direkt in den USA handeln will? Auch das könnte sich bis in die Vorstands­etagen aller Direktbroker herumgesprochen haben. Selbst Zertifikate- oder ETF-Sparpläne müssen 2011 längst nicht mehr als „exotische Börsianerträume“ abgetan werden. Zumal wir da ein Auge zugedrückt haben: Es musste nicht mal beides im Angebot sein. Wer entweder Zertifikate- oder ETF-Sparpläne anbot, kam in die Wertung.

Dennoch haben sich einige unserer Vorgaben als wahre Knock-out-Kriterien herausgestellt. So verweigern mit der ING-DiBa, der Targobank und der Volkswagenbank direct gleich drei Onlinebanken die Möglichkeit, direkt in den USA zu handeln. Schade, aber damit konnten diese Anbieter dann beim „Aktiven Trader“ nicht mehr punkten. Was für sie auch das Aus in der Gesamtwertung bedeutete. Den Optionsscheinhandel via Euwax bieten weder DKB- noch Postbank. Was für diese beiden Direktbanken dann ebenfalls nicht nur das Aus beim „Aktiven Trader“ bedeutete, sondern auch in der Gesamtwertung.
Für zwei Direktbanken kam zudem das Aus beim „Sparplaner“: Weder die DKB noch die Targobank bieten ihren Kunden die Möglichkeit, ­einen Zertifikate- oder ETF/ETC-Sparplan einzurichten. Schlussendlich patzte dann die Targobank auch noch beim Fondshandel via Börse. Auch dieses inzwischen durchaus übliche Tradingverhalten wird von dieser Bank nicht unterstützt.

Dschungel der Gebührenmodelle. Generell keine Hilfestellung bieten Direktbanken und Onlinebroker, wenn es darum geht, die Kosten zu vergleichen. Schaut man sich die Preisverzeichnisse genauer an, dann zeigt sich, dass viel getan wird, sie möglichst einzigartig zu gestalten. Da gibt es die unterschiedlichsten Gebührenmodelle: von gestaffelten Preisen über Festpreise oder Flat-Fees bis hin zu All-in-Fees, bei denen Gebühren, die von fremden Dienstleistern in Rechnung gestellt werden, schon inklusive sind.
Zudem wartet ein Anbieter mit Rabatten auf, wenn man besonders viel tradet. Der nächste, wenn nur das Depotvolumen groß genug ist. Wobei jeder Anbieter „Größe“ anders definiert. Bei anderen sind extrem große Orders besonders günstig – die nächsten sind gerade für kleinste Ordergrößen interessant.

Weitere Variante: Mehr oder weniger Rabatt in Form von kostenlosen Käufen, je nachdem, wie hoch das Guthaben auf dem Cashkonto ist. Hinzu kommt, dass die Höhe der fremden Kosten – also etwa Maklercourtage, Börsen- und Clearing­gebühren –, die den Kunden ebenfalls in Rechnung gestellt werden, von Anbieter zu Anbieter teilweise deutlich variieren.Im US-Geschäft stellen manche Anbieter Kosten in US-Dollar in Rechnung. Ist zwar völlig korrekt, weil sie ja auch in Dollar anfallen. Heißt aber letztlich, dass jede Wechselkursänderung auf die Gebührenabrechnung durchschlägt. Zudem gibt es Anbieter, die für jedes an US-Börsen gehandelte Stück eine Gebühr von einem US-Cent verlangen. Macht einem Kunden, der eine einzige Aktie von Warren Buffetts Investment-Gesellschaft Berkshire Hathaway für rund 110 000 Dollar kauft, nichts aus. Für einen Trader, der ausschließlich mit Pennystocks dealt, können das dagegen immense Zusatzkosten sein.
Eine wahre Sisyphusarbeit. Um hier für einen gewissen Überblick zu sorgen, hat €uro am Sonntag – wie jedes Jahr im Sommer – eine Umfrage bei Onlinebanken und Direktbrokern gemacht. Wir wollten ergründen, was das Traden bei den verschiedenen Anbietern kostet. Dabei kann unsere Auswertung der Gebührenbelastung dem einzelnen Anleger lediglich Anhaltspunkte zur Höhe seiner individuellen Kosten geben. Haben wir doch lediglich mithilfe von vier Modellkunden die Gesamtkosten je Quartal oder Jahr zu ermitteln versucht.

Unsere Ausgangsüberlegung: Dem Kunden ist es egal, wer eine Gebühr letztlich erhält. Ihn interessiert nur, was er unterm Strich insgesamt an Gebühren zu zahlen hat. Daher wurden die Direktbanken und Onlinebroker gebeten, bei jedem Trade auch die durchschnittlichen Fremdkosten anzugeben, die an die Kunden weitergereicht werden.Während einige Anbieter die Fremdkosten problemlos aufschlüsseln, hüten andere sie wie ein Staatsgeheimnis. Allerdings ist zu beobachten, dass im Vergleich zu den Umfragen vergangener Jahre die Zahl der „Geheimniskrämer“ zurückgeht. Vielleicht aus dem einfachen Grund, weil wir den Anbietern, die keine Angaben zu den Fremdgebühren machen, einfach fiktive Fremdkosten in Höhe der durchschnittlichen Kosten der anderen Anbieter unterstellen. Das mag zwar nicht der korrekte Wert sein, dürfte aber der realen Kostenbelastung eher entsprechen.Konnten die Modellkunden ständige Vergünstigungen nutzen, wurden auch diese berücksichtigt. Es sei denn, Rabatte wurden nur befristet gewährt. Denn bei einer jahrelangen Geschäftsverbindung fällt ein für ­einige Wochen gewährter Trading­rabatt fast nicht ins Gewicht. Generell sind Onlinebanken günstiger als Filialbanken. Allerdings gibt es zwischen den einzelnen Direktanbietern noch recht große Preisunterschiede. So kostet den „Aktiven Trader“ ein Depot bei Maxblue 1572,88 Euro im Jahr. Beim teuersten Anbieter sind mit 2013,84 exakt 28,04 Prozent mehr zu zahlen. Übrigens: Auf Platz 2 kam der Sparkassen-Broker, der im Jahr für „Aktive Trader“ gerade mal 4,65 Euro mehr kostet als der Erstplatzierte. Auch beim Modernen Fünfkampf kann ein hauchdünner Vorsprung von ein paar tausendstel Sekunden über Gold oder Silber entscheiden. Deutlicher ist da der Abstand zur DAB Bank auf Platz 3: Die Differenz zum Erstplatzierten beträgt 120,96 Euro im Jahr.

Noch enger geht es beim „Nor­malen Trader“ zu: Hier beträgt die Differenz bei den jährlichen Kosten der drei Erstplatzierten gerade mal knapp acht Euro. Bei der DKB Bank zahlt dieser Modellkunde 320,44 Euro im Jahr, bei der VW Bank 325,76 Euro und beim Drittplatzierten, Maxblue, 328,32 Euro jährlich. Übrigens: Beim teuersten Anbieter werden mit jährlich 400,16 Euro 24,88 Prozent mehr Kosten fällig als beim preiswertesten.Der „Sparplaner“ kommt generell am billigsten weg. Selbst beim teuersten Anbieter zahlt er gerade mal 168,16 Euro im Jahr. Beim günstigsten Anbieter, Cortal Consors, werden 105,20 Euro fällig. Beim Zweitplatzierten, der ING-DiBa, sind es mit 110,20 exakt fünf Euro mehr im Jahr. Die Kunden der DAB Bank, die es hier immerhin auf Platz 3 schaffte, sind mit 124,60 Euro im Jahr dabei.
Die größte Differenz stellten wir beim Musterkunden „Investor“ fest, der nur vereinzelt große Deals macht. Hier bezahlt der Musterkunde der DKB Bank mit 199,04 Euro im Jahr am wenigsten. Mehr als doppelt so viel – exakt 123,22 Prozent mehr – müsste der „Investor“ dagegen beim teuersten Anbieter bezahlen. Auf Platz 2 schaffte es hier die Postbank, bei der Kosten von 234,72 Euro auf den „Investor“ zukommen, bei der Volkswagenbank direct auf Platz 3 sind es 334,20 Euro im Jahr.

Die Gesamtwertung. Ganz vorn landete Maxblue vor dem Sparkassen-Broker. Cortal Consors und die DAB Bank kamen punktgleich auf den dritten Platz. Ein Finish, wie man es auch beim Modernen Fünfkampf selten erlebt.

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