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Euro am Sonntag Archivbericht

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08.02.2012 - Ausgabe 05/12

Seit Nikolaus von Bomhard 2004 den Chefsessel bei Munich Re -alias Münchener Rück -übernommen hat, entwickelte sich der

Seit Nikolaus von Bomhard 2004 den Chefsessel bei Munich Re -alias Münchener Rück -übernommen hat, entwickelte sich der Versicherungskonzern zu einem verlässlichen Zahler hoher Ausschüttungen. Selbst während der Finanzkrise 2008/09 wurde die Dividende stabil gehalten. Nun soll nach der Hauptversammlung am 26. April 2012 genauso viel wie 2011 -nämlich 6,25 Euro pro Aktie -gezahlt werden. Sicherlich werden viele Aktionäre diese Dividendenpolitik erstmal wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Doch beim neutralen Beobachter stellt sich ein gewisses Unbehagen ein. Die Münchener Rückversicherung musste 2011 erhebliche Belastungen aus Naturkatastrophen schultern, vor allem die Folgen des Erdbebens im japanischen Fukushima. Im Rückversicherungsgeschäft schreibt das Unternehmen rote Zahlen - und nicht zu knapp. Für jeden Euro Prämieneinnahmen 2011 mussten 1,13 Euro an Schadensbelastungen getragen werden. Nur das Kapitalanlageergebnis von 6,8 Milliarden Euro und ein Steuerertrag von 550 Millionen hievten den Konzern in die Gewinnzone. Die 710 Millionen Euro, die unterm Strich für 2011 bleiben, reichen aber nicht aus, um die vorgeschlagene Dividendensumme von mehr als einer Milliarde Euro bezahlen zu können. Der Versicherungskonzern muss dafür Reserven auflösen. Das schmälert die Substanz für die kommenden Jahre. Die werden sicher nicht leichter werden. Die Prämien sind kaum gestiegen. Das heißt: Munich Re braucht mehr Neugeschäft und muss so höhere Risiken eingehen. Das Erstversicherungsgeschäft der Tochter ERGO stagniert seit Jahren und kämpft mit internen Problemen. Aber auch auf der Kapitalanlageseite sind größere Ergebnissprünge nicht in Sicht: Die Aktienquote wurde heruntergefahren, das Kurspotenzial von festverzinslichen Papieren ist weitgehend ausgereizt und damit begrenzt.

Ganz anders Hartmut Retzlaff, seines Zeichens Vorstandschef des Generikaherstellers Stada Arzneimittel. Üppige Dividenden sind seine Sache nicht. Sparsamkeit kann man ihm aber keineswegs vorwerfen. Er gibt das Geld mit vollen Händen für Übernahmen von Firmen oder den Kauf von Produktrechten aus. Für die beiden jüngsten Zukäufe zahlte Stada immerhin gut das Zehnfache von deren jeweiligem Betriebsergebnis. Das ist stattlich. Das eigene Unternehmen wird an der Börse nämlich mit einem niedrigeren Multiplikator bewertet. Warum kauft Retzlaff nicht lieber die eigenen, viel günstiger bewerteten Aktien? Die Mittel, die in den vergangenen fünf Jahren investiert wurden, haben keine sichtbare Wirkung hinterlassen. Der Umsatz ist kaum gestiegen. Und die Erträge deuten nicht darauf hin, dass die Investitionen eine nennenswerte Verzinsung abwerfen. Im Gegenteil: Ab und an muss Stada zurückrudern. Das hat zur Folge, dass der Ertrag zumindest für ein Quartal deutlich einbricht. Noch sind die Börsianer tolerant. Sie wittern den dicken Jackpot, sollte das Unternehmen eines Tages selbst übernommen werden. Doch offenbar finden die Großen der Branche wie Sandoz oder Teva attraktivere Gelegenheiten. la

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