€uro am Sonntag Essay
02.07.2009 09:45:00
Die US-Börsen geben auf dem internationalen Parkett den Ton an, und das nicht allein aufgrund ihrer Größe. Schließlich lag auch das Zentrum der jüngsten Finanzkrise in den USA, und die Frage, ob und wann -diese Krise überwunden wird, bewegt auch die Anleger. Wenn man sich die entscheidenden Faktoren anschaut, die die US-Aktienmärkte langfristig beeinflussen, gibt es mehr Licht als Schatten. Dies wird im Folgenden näher erläutert. Doch so viel vorab: Nicht zu handeln, kann ebenfalls ein Fehler sein. Wer Verluste im vergangenen Jahr erlitten hat, sollte den Aufschwung nicht verpassen.
Die verheerenden Folgen der US-Kreditkrise sind im Zeitalter der Globalisierung weltweit spürbar. Genauso gibt es konzertierte Aktionen der Regierungen, die Schäden für die Wirtschaft und die Finanzmärkte einzudämmen. Doch in welchem Ausmaß die angekündigten staatlichen Rettungspakete und Finanzmarktreformen Wirkung zeigen, lässt sich schwer abschätzen. Die möglichen Szenarien für die künftige Entwicklung reichen von schwerster Rezession bis zu schneller Erholung. Der Ratschlag für Anleger kann nur sein, sich von dieser Unsicherheit nicht in den Bann ziehen zu lassen. Die Chancen, am US-Aktienmarkt bei mittel- bis langfristigen Anlagezeiträumen ordentliche Gewinne einzufahren, stehen – ungeachtet der jeweiligen Konjunkturentwicklungen – gut.
US-Anleger: Wie lange bleibt das Geld in Geldmarktfonds? Ein Maß für die Attraktivität des Aktienmarkts bleibt das Verhältnis der Aktienkurse zum erwarteten Gewinn je Aktie. Dieses Kurs/Gewinn-Verhältnis auf Sicht der kommenden zwölf Monate hat für die im S & P 500 notierten Aktien der größten börsennotierten US-Unternehmen ein tiefes Niveau erreicht. Für den zu erwartenden Gewinn seines Investments zahlt der Anleger auch im historischen Vergleich einen relativ günstigen Preis. Dies liegt natürlich vor allem an der Verunsicherung der Anleger, die in unsicheren Zeiten nach dem vermeintlich sicheren Hafen suchen. Zumindest so lange, bis es wieder auf-wärtsgeht und mehr und mehr Anleger bereit sind, wieder Risiken bei der Geldanlage in Kauf zu nehmen.
Offensichtlich haben es Anleger besser, wenn sie vor der Masse an der Börse kaufen. Spannend ist die Frage, wie man diesen Zeitpunkt einschätzen kann. Hier hilft ein Blick auf das Verhältnis von Geldmarktfonds zur Größe des Aktienmarkts (siehe Grafik). In den USA erreichten diese Geldmarktfonds in den 1990er-Jahren ein Volumen, das zumeist zwischen zehn und 20 Prozent der Größe des S & P 500 darstellte. Seit Beginn der Finanzkrise hat sich dieser Wert auf teils über 50 Prozent drastisch erhöht. Von geparkten Spargroschen oder einem Sicherheitspolster zu reden, fällt angesichts der mittlerweile über drei Billionen Dollar in US-Geldmarktfonds eher schwer.
Mit der andauernden Niedrigzinsphase der Notenbanken werden Geldmarktfonds künftig nur sehr geringe Renditen abwerfen. Gleichzeitig wird ein Ende der Finanzkrise absehbar und die niedrige Bewertung von Aktien offensichtlich. Dies wird zu einer steigenden Risiko-bereitschaft der Anleger beitragen. Mit sinkender Attraktivität der Spargelder und steigender Attraktivität von Aktien ist davon auszugehen, dass wir in absehbarer Zeit eine große Umschichtung in den Depots sehen werden.
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