€uro am Sonntag Essay
18.10.2008 13:59:00
Die Wachstumsbranche Transport und Logistik ist ein Erfolgsgarant für Außenwirtschaft, Beschäftigung und Wertschöpfung in Deutschland. Dabei erfüllen die Seehäfen für den Exportweltmeister Deutschland eine logistische Schnittstellenfunktion, denn 99 Prozent des interkontinentalen Handels laufen über die Seewege. Zudem brauchen einige europäische Nachbarländer die zentrale Verkehrsgeografie Deutschlands als Logistikdrehscheibe und sind dabei auch auf unsere Seehäfen angewiesen.
Dabei spielt der Container eine dominierende Rolle. Als Faustregel in der Globalisierung gilt: Ein Prozent Wachstum der weltweiten Produktion bewirken zwei Prozent Wachstum des Welthandelsvolumens und drei Prozent Wachstum des Containerverkehrs. Die letzten Analysen prognostizieren ein Wachstum von durchschnittlich elf Prozent im Jahr für die großen Containerhäfen an der Nordsee. Das Wachstum der beiden großen deutschen Containerhäfen Bremerhaven und Hamburg lag sogar noch etwas höher. Dabei spielt deren Transshipment-Funktion für die Häfen in der Ostsee eine zunehmende Rolle.
Finanzkrise beeinflusst die Wachstumsraten kaum
Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung der Finanzmärkte und damit auch der Weltwirtschaft müssen wir die Erwartungen etwas zurücknehmen. Unsere Konjunktur ist gegenwärtig so wie der Herbst. Über unseren Geschäften liegt derzeit ein dichter Morgennebel. Aber wir spüren, dass darüber eigentlich die Sonne scheint. Wir wissen nur nicht, wie schnell sie wieder stark genug ist, um den Nebel zu vertreiben.
Die Globalisierung mit ihrer zunehmenden internationalen Arbeitsteilung macht natürlich nicht halt, weil einige Banken ins Trudeln geraten oder die Energiepreise steigen. Wir werden also weiter Wachstum haben. Bezogen auf die Weltwirtschaft können wir vielleicht mit rund drei Prozent im Jahr rechnen. Das Wachstum wird sich jedoch sehr unterschiedlich verteilen. Für den globalen Containerverkehr können wir mittelfristig wohl von Wachstumsraten zwischen acht und neun Prozent ausgehen.
Völlig falsch wäre es daher, die Investitionen in den dringenden Ausbau der Verkehrsinfrastrukturen zu reduzieren oder zu strecken. Aufgrund der in Deutschland besonders langen, aufwendigen Planungs- und Planfeststellungsverfahren sowie der noch nicht ausreichend gesicherten Finanzierung sind wir durch das starke Wachstum der vergangenen Jahre ohnehin schon ins Hintertreffen geraten. Auch bei einem Containerwachstum von „nur“ acht Prozent verdoppelt sich das Volumen in weniger als zehn Jahren. Nur mit leistungsfähigen Verkehrsinfrastrukturen kann Deutschland seine starke Funktion in der Globalisierung wahrnehmen.
Deutschlands Problemfall: Der Schienenverkehr
Der vom Bundesverkehrsminister vorgelegte Masterplan Güterverkehr und Logistik greift die aktuelle Entwicklung auf. Er ist trotz kritischer Stimmen seitens verschiedener Verbände ein großer Schritt in die richtige Richtung. Die Verdopplung des Güterverkehrs rollt mit hohem Tempo auf uns zu. Wir müssen die Ansätze des Masterplans aufgreifen und den Bundesverkehrsminister bei der zügigen Umsetzung unterstützen. Dabei geht es auch darum, den Etat des Ministeriums für das Infrastrukturprogramm deutlich zu erhöhen. Nur mit entschlossenen und umgehenden Investitionen in die Anpassung der Verkehrsinfrastrukturen können wir unsere Position als Logistikdrehscheibe Europas wahrnehmen und die damit verbundenen ökonomischen Chancen nutzen.
Dazu gehören die Verstärkung der Binnenschifffahrt und die Einbeziehung von Containerterminals an großen Flüssen, um die Terminals in Bremerhaven, Hamburg und ab 2011 auch Wilhelmshaven zu entlasten. Engpässe gibt es jedoch nicht nur in den Seehäfen und auf der Straße, sondern längst auch auf der Schiene, obwohl es neben der Deutschen Bahn bereits mehrere Privatbahnbetreiber gibt, die sich im Containerverkehr engagieren. Das Problem liegt bei der Kapazität der Schieneninfrastruktur. Daran kann auch die anstehende Teilprivatisierung der Bahn nichts ändern. Solange es keine Beschleunigung der deutschen Planungs- und Planfeststellungsverfahren gibt, lässt sich das Problem nicht zeitgerecht lösen. Mit einem entsprechenden Beschleunigungsgesetz wurden beim Aufbau der neuen Bundesländer gute Erfahrungen gemacht.
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