€uro am Sonntag News

Silber: Halbierung der Netto-Long-Position auf Jahressicht
10.01.2009 14:59:00

Von Jörg Bernhard

Der erste COT-Report (Commitments of Traders) des neuen Jahres wurde am Freitagabend von der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) veröffentlicht, Zeit für eine Bilanz. Der Effekt De-Leveraging, also das Abbauen kreditfinanzierter Future-Positionen im Rohstoffbereich, lässt sich bei vielen Rohstoffen und Edelmetallen registrieren. Besonders interessant: Ein rückläufiges Interesse war nicht nur bei spekulativen Großinvestoren (Non-Commercials), sondern auch bei den Branchenprofis (Commercials) erkennbar, die in erster Linie das Absichern von Preisrisiken und weniger das Eingehen spekulativer Positionen betreiben.

Bei Silber war das rückläufige Interesse besonders auffällig. Seit Anfang 2008 hat sich der Open Interest auf 86.788 offene Kontrakte nahezu halbiert. Auch die Marktmeinung der beiden wichtigsten Marktteilnehmer (Non-Commercials und Commercials) entwickelte sich ähnlich. Zwar sind die Großspekulanten mehrheitlich weiterhin bullish für Silber, ihre Meinung vertreten sie mittlerweile aber nicht mehr ganz so vehement. Innerhalb eines Jahres reduzierte sich die Netto-Long-Position von 41.083 (08.01.08) auf nur noch 20.189 (06.01.09). Angesichts des rapiden Preisverfalls von Silber in Höhe von fast 30 Prozent innerhalb von 12 Monaten ist dies wenig verwunderlich. Mehr als halbiert hat sich übrigens die Netto-Short-Position der Branchenprofis (Commercials). Sie fiel von 63.755 auf lediglich 30.920 Kontrakte zurück.

Interesse an Gold-Futures rückläufig

Eine ähnliche Entwicklung wie bei Silber gab es im Jahresverlauf auch bei Gold zu beobachten, wobei das Volumen und die Liquidität von Gold weiterhin um ein Vielfaches höher ausfällt. So ermäßigte sich der Open Interest innerhalb von 12 Monaten von 558.309 auf 320.391 Kontrakte (-42,6 Prozent). Nicht ganz so negativ entwickelte sich die ausgeprägte Marktmeinung der Non-Commercials. Ihre Netto-Long-Position ging innerhalb eines Jahres von 205.404 auf 133.604 Futures zurück (-35,0 Prozent). Dieser Rückgang dürfte in hohem Maße auf den Trend zum De-Leveraging zurückzuführen sein, schließlich wies Gold eine leicht positive Jahresperformance auf und gab damit kaum Anlass für einen Wechsel der Marktmeinung. Eine Überraschung stellte hingegen der deutlich stärkere Rückgang der Netto-Short-Position bei den Branchenprofis (Commercials) dar. Dieser fiel nämlich um fast 40 Prozent von 246.690 auf nur noch 149.482 Kontrakte zurück. Dies wirft die Frage auf, ob einige der Goldminen, Großhändler, Münzhersteller und Schmuckproduzenten ausschließlich das Absichern ihrer Preisrisiken im Hinterkopf hatten. So viel dürfte sicher sein: Schneller lässt sich Geld in der Regel über Spekulationen und weniger über das Hedging verdienen, deutlich sicherer ist natürlich der zweite Weg.

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