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Bonus-System
Boni: Vergütungssysteme müssen motivierend bleiben
23.02.2009 17:14:53

Michael Kramarsch Managing Director der Beratungsfirma Towers Perrin
Die Debatte um Bonussysteme geht weiter. Wie das Anreizsystem reformiert werden kann.

Michael Kramarsch, Managing Director der Beratungsfirma Towers Perrin, schlägt im Gespräch mit €uro am Sonntag eine durchdachte Reform der Anreizsysteme vor, die sich nicht an Stammtischdiskussionen orientiert.

€uro am Sonntag: Was können deutsche Banken vom Vergütungssystem beispielsweise in der Schweiz lernen?

Michael Kramarsch: Ob in der Schweiz oder andernorts: Die zentrale Lehre aus den aktuellen Entwicklungen ist, dass Banken in ihren Vergütungssystemen eine stringentere Verknüpfung von nachhaltiger Unternehmensperformance, Risiko und Vergütung benötigen. Dies gilt insbesondere für die kapitalmarktnahen Geschäftsbereiche wie das Investmentbanking. Aber selbst in den meisten deutschen Banken war eine Vergütungspraxis wie im US-amerikanischen Investmentbanking aufgrund anderer Geschäftsmodelle so nicht zu finden. Auch stellen die Kapitalmarktbereiche den kleinsten Teil der meisten deutschen Banken dar, somit gibt es also nicht nur Investment-Banker. Der Leiter der Filiale um die Ecke hat eben keine Millionen-Boni erhalten. Diese Differenzierung geht leider in der aufgeheizten Diskussion vollkommen unter.

€uro am Sonntag: Wie können deutsche Banken grundsätzlich mehr "Nachhaltigkeit" und persönliches Risiko der Bonus-Empfänger in ihr Vergütungssystem bringen?

Kramarsch: Hier gibt es drei drei zentrale Ansatzpunkte: Erstens darf Erfolg nicht nur als Gewinn verstanden werden, sondern muss auch die eingegangenen Risikopositionen berücksichtigen. Zum Zweiten müssen Vergütungsbestandteile gestaffelt ausgezahlt oder auch gänzlich geblockt werden können: Gewinn heute auf Kosten der Zukunft hat sich negativ auszuwirken. Drittens gilt es, als Unternehmen eigenständige, mehrjährige am Wettbewerb orientierte Vergütungskompontneten einzuführen. Mitschwimmen – also das Realisieren von sogenannten Windfall Profits – darf es nicht geben.

€uro am Sonntag: Sollten Boni bei Spitzenmanagern erst ausbezahlt werden, wenn sie in Ruhestand gehen, wie es Goldman-Sachs-Chef Blankfein vorgeschlagen hat?

Kramarsch: Bei aller brechtigten Kritik und Veränderungsnotwendigkeit müssen Vergütungssysteme weiter motivierend bleiben. Sie dürfen nicht zu einem Bestrafungsinstrument mutieren. Aber: Die aktuelle Kapitalmarktkrise hat gezeigt, dass einer der zentralen Webfehler im System das kurzfristig orientierte Handeln war. Dem muss konsequent entgegengewirkt werden, nicht zuletzt über eine Messung der Performance über einen längen Zeitraum, gestaffelte Auszahlung von Boni und eine über die Dauer der Beschäftigung hinaus gehaltene Beteiligung am Unternehmen. Ob man wirklich erst alles zu Ruhestandsbeginn auszahlen sollte, halte ich für kontraproduktiv. Anreizsysteme, die aufgrund des Zeithorizonts nicht sichtbar sind, verfehlen ihre Wirkung.

€uro am Sonntag: Sollte der Gesetzgeber aktiver werden, zum Beispiel restriktivere Regelungen für die persönliche finanzielle Haftung von Managern festlegen?

Kramarsch: Haftung rechtlich zu definieren, ohne die unternehmerische Freiheit einzuschränken, ist nahezu unmöglich. Unternehmerische Entscheidungen zu treffen, heisst immer auch Risiko einzugehen. Dieses Risiko muss aber balanciert sein. Hierfür erarbeiten die Aufsichtsbehörden derzeit weltweit neue Spielregeln, insbesondere auch mit Blick auf die Vergütung. Da ist jetzt auch der deutsche Gesetzgeber und die Bafin gefordert. Haftung lässt sich aber am besten über Vermögenshaftung umsetzen. Wer mit eigenem Geld substanziell im eigenen Unternehmen investiert ist, handelt auch wie ein verantwortlicher Unternehmer. Darum - da bin ich überzeugt – werden Banken ihren Top-Managern und Spezialisten auch solche Aktienhaltevorschriften vorschreiben.

€uro am Sonntag: Welche Institute sehen Sie in Deutschland dabei bereits als Vorreiter, welche Banken haben den größten Nachholbedarf?

Kramarsch: Heute schon von Vorreitern zu sprechen, ist zu früh. Derzeit arbeiten alle Institue mit Hochdruck an neuen Vergütungssystemen. Dafür brauchen sie aber auch mehr Hinweise durch den Regulator. In anderen Ländern wie Großbritannien, den USA oder in der Schweiz bestehen dazu bereits konkrete Vorschläge. In diesem Bereich müssen wir, aufbauend auf den Erfahrungen der genannten Länder, noch nachlegen.

€uro am Sonntag: An welchen Stellen ist die Diskussion über Vergütungssysteme bei Banken in Deutschland scheinheilig?

Kramarsch: Die Diskussion um Vergütungshöhen befriedigt vielleicht die Stammtische, zur Sachlösung trägt sie wenig bei. Aber in der Tat: Warum in guten Zeiten der Erfolg und in schlechten Zeiten die Notwendigkeit der Mitarbeiterbindung als Begründung für hohe Vergütungen herhalten soll, versteht niemand. Und generell hat der Staat das Recht, im Zuge von Hilfs- oder Rettungsmaßnahmen in unternehmerische Entscheidungen und damit auch in die Vergütung einzugreifen. Aber gerade die schlecht bezahlte Aufsichtstätigkeit in den öffentlich-rechtlichen Banken – mehrheitlich von Politikern ausgeführt – zeigt: Weder zu hohe noch zu niedrige Vergütung garantiert gutes Management. Wir brauchen mehr Regeln für die strukturelle Ausgestaltung der Vergütungssysteme, aber keinen Tarifvertrag für Banken-Vorstände.

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