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US-Kreditkarten
Die Blase droht zu platzen
14.11.2008 16:20:02

Zu viel Konsum, zu wenig Kapital
   Quelle: pixelio/Claudia Hautumm
In den USA gibt es eine Kreditkartenblase – und die wird platzen. Zu dem Ergebnis kommt der Göttinger Kapitalmarktexperte Klaus Bröker. In einem aktuellen Gutachten, das Euro am Sonntag Online vorliegt, kalkuliert der Anwalt und Hochschulprofessor den weltweiten Schaden auf 500 Milliarden Dollar.

Von Thorsten Schüller

Dies werde zu neuer Armut führen – insbesondere in den USA. Deutsche Verbraucher würden die Auswirkungen ab Mitte 2009 mittels steigender Preise, einem deutlich reduzierten Kreditrahmen und einem verschlechterten Schufa-Rating zu spüren bekommen.

Bröker weist darauf hin, dass in den USA in der Regel jeder Verbraucher mehrere Kreditkarten besitzt – oft zehn oder mehr. Rein statistisch weise jede Kreditkarte ein Minus von 2200 Dollar aus, die Zinsen lägen üblicherweise bei 9,0 bis 19,99 Prozent. Der Durchschnittszinssatz bei Kreditkartenschulden liege derzeit über 13 Prozent – bei Zahlungsverzug könne dieser jedoch auf astronomische Werte von bis zu 50 Prozent ansteigen. Zudem fielen sofort Strafgebühren in Höhe von 30 Dollar und mehr an.

Dies treibe immer mehr Kreditkartenbesitzer in extreme Zahlungsschwierigkeiten und erhöhe die Einnahmeausfälle bei Kreditkartenunternehmen und Banken dramatisch, so Bröker. „Kein amerikanischer Privathaushalt ist in der Lage, für aufgenommene Kredite 20 oder gar 30 Prozent Zinsen oder mehr zu zahlen. Kein amerikanischer Privathaushalt ist darüber hinaus in der Lage, mittelfristig mit einem immer geringer werdenden Kreditrahmen und einem immer schlechter werdenden Scoring (Bonitätseinstufung) zurecht zu kommen.“

Bröker hält den Weg, den die US-Banken angesichts dieser Entwicklung gehen, für falsch. Die Zinsen für Kreditkartenverbindlichkeiten drastisch zu erhöhen, um sich Einnahmen zu sichern, sei kurzfristig gedacht, wirtschaftlich unsinnig und führe zum Gegenteil, nämlich zu noch weiteren Ausfällen.

Nach Untersuchungen der US-Notenbank Federal Reserve betrug die Verschuldung amerikanischer Verbraucher im Juni 2,46 Billionen Dollar (ohne Hypothekenschulden). Die US-Konsumentenkredite beliefen sich auf 904 Milliarden Dollar im Juni 2007. Nur 40 Prozent aller Haushalte, die Kreditkarten besitzen, würden ihre Raten vollständig und pünktlich zahlen. Nur jede sechste Familie könne gerade noch die Minimalzahlungen auf ihre Kreditkartenschulden leisten.

Die gesamten Kreditkartenschulden beziffert Bröker mit nahezu einer Billion Dollar. Setze man für die nächsten zwölf Monate die Ausfälle mit zwölf Prozent an, komme man auf Schulden von weiteren 120 Milliarden Dollar. „Berücksichtigt man weiterhin, dass nur rund 40 Prozent aller Haushalte pünktlich ihre Kreditkartenverbindlichkeiten zahlen, so kann begründet davon ausgehen, dass sich die Ausfälle mindestens verdoppeln werden.“ Konservativ gerechnet kommt Bröker damit auf mögliche Ausfälle von 250 Milliarden Dollar. Angesichts der sich dramatisch zuspitzenden Lage und dem immer stärker auswirkenden Credit Crunch müsse man unter „Vorsichtsaspekten“ von einem Ausfallvolumen von bis zu 500 Milliarden Dollar ausgehen.

Die Auswirkungen auf das globale Finanzsystem wären dramatisch: Neben dem drastischen Abbau von Arbeitsplätzen komme die drastische Verteuerung der Kredite hinzu, weil die Konsumenten diese nicht mehr ausreichend bedienen können. Die Bonität der Kreditkarteninhaber werde heruntergestuft, Guthaben nicht mehr verzinst. Es komme zu einem Credit Crunch, einer sich selbst verschärfenden Abwärtsspirale.

Das dürften auch deutsche Banken zu spüren bekommen. Wie bei Hypothekenkrediten seien auch Kreditkartendarlehen gebündelt und als Pakete weiterverkauft worden – auch nach Deutschland. Bröker: „Da diese Schulden in Wertpapieren gebündelt und dann an den Geldmärkten gehandelt wurden, ist davon auszugehen, dass sich zahlreiche solcher Papiere in den Depots und Beständen deutscher Banken finden.“

Medard Fuchsgruber, Vorstand des Bundes der Kapitalanleger: „Vereinfacht zusammengefasst zahlen wir in Europa die Entschuldung der US-Verbraucher. Man muss sich fragen, ob unsere Banken überhaupt einen blassen Schimmer davon haben, was innerhalb der letzten fünf Jahren an verbrieften Schulden eingekauft wurde. Es stellt sich außerdem die Frage, welche falsch kalkulierten Risiken noch auftauchen."

Letztlich geht Bröker davon aus, dass es aufgrund dieser Problematik im ohnehin angeschlagenen Bankenwesen zu einem weiteren Vertrauensschwund kommt. Aus dieser neuen Gemengelage könnten „gewaltige negative Konjunkturimpulse“ ausgehen. Das wiederum schlage auf die Volkswirtschaften durch – auch auf die deutsche. (tsc)



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