18.01.2012 17:37:31

Werden wir am Jahresende noch in Euro bezahlen? Welche Anlageformen bleiben stabil, falls die Währung kollabiert? Brisante Fragen, die Leser im Rahmen unserer großen Telefonaktion an die Experten Gerd Häcker, Max Otte, Christoph Schlienkamp und Stefan Thiem stellten.
Eurokrise
Werden wir 2012 die D-Mark wieder bekommen? Wie muss ich mich positionieren, falls das geschieht?
Schlienkamp: Ich glaube nicht an dieses Szenario. Aber wenn die D-Mark kommt, dann wird sie womöglich um 50 Prozent gegenüber den europäischen Währungen aufwerten. Dann sollte man keine Exportwerte im Depot haben. Im Szenario, das ich für am wahrscheinlichsten halte — der Euro bleibt und die Konjunkturflaute ist moderat — werden Exportwerte im zweiten Halbjahr interessant.
Ich habe Angst, dass der Euro zerbricht. Macht es Sinn, auf mehrere Währungen zu setzen?
Häcker: Es ist vernünftig, sich international aufzustellen. Zu einem gewissen Grad gehören Fremdwährungen ins Portfolio. Ich rate zu einem Mix aus Qualitätswährungen. Dazu zählen Rohstoffvaluten wie der Kanadische Dollar oder die Norwegische Krone, aber auch Schweizer Franken, Schwedische Krone oder Singapur-Dollar.
Die Weltleitwährung US-Dollar darf ebenfalls nicht fehlen. Zu bedenken ist, dass diese Devisen zum Euro schon kräftig gestiegen sind. Daher ist es sinnvoll, bei einer Korrektur zu investieren. Bei der Norwegischen Krone zum Beispiel, wenn der Ölpreis zurückgeht.
Ich führe in Deutschland Fremdwährungskonten in Australischen Dollar, Norwegischen Kronen und Schweizer Franken. Sind sie im Fall einer Sonderabgabe oder eines Währungsschnitts vor dem Zugriff des Staates sicher?
Otte: Nein. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie der Staat seine Bürger im Fall der Fälle zur Kasse bitten kann: Erstens eine Sondersteuer auf Vermögen, die übrigens keines Währungsschnitts bedarf, an den ich auch nicht glaube, weil das vor den Wählern schlecht aussähe. Die zweite und wahrscheinlichere Möglichkeit, die Schulden loszuwerden, heißt Inflation. Insofern sind Sie mit einer Streuung Ihrer Anlagen in verschiedenen Währungen auf dem richtigen Dampfer. Wenn Sie wirklich Angst vor einem Währungsschnitt haben, macht es Sinn, das Geld dort anzulegen, wo es hingehört, beispielsweise also in Zürich oder Oslo. Das lohnt sich wegen teils hoher Bankgebühren aber nur bei größeren Summen.
Ich habe Angst, dass sich die Eurokrise 2012 noch verschärft. Was kommt als Aktionär im neuen Jahr auf mich zu?
Schlienkamp: Ich rechne nicht mit einem Scheitern des Euro. Und ich gehe zum jetzigen Zeitpunkt nicht von einer tiefen Rezession, sondern lediglich von einer konjunkturellen Abschwächung aus. Im Jahresverlauf dürften zunächst schlechte Unternehmensnachrichten überwiegen. Ich bin aber von einer Renaissance der Aktie in der zweiten Jahreshälfte überzeugt. 2012 müssen Anleger deshalb flexibel agieren: zunächst vorsichtig, dann offensiv.
Sind wenigstens deutsche Staatsanleihen immer noch ein sicherer Hafen?
Häcker: Die Realzinsen sind negativ. Eigentlich ist es unsinnig, deutsche Staatsanleihen zu erwerben. Doch die Zeiten haben sich geändert. Bei allen Krisen nach dem Zweiten Weltkrieg hatten diese Papiere eine Schutzfunktion. Eine kleine Beimischung ist sicher kein Fehler. Allerdings sollten sie eine Korrektur abwarten und nur auf kurze Fälligkeiten setzen.
Gold
Schützen Immobilien und Gold vor einem Zusammenbruch der Eurozone?
Häcker: Wie der Name schon sagt, Immobilien sind immobil. Die können nicht davonlaufen. Das weiß auch der Staat. In Extremszenarien besteht das Risiko, dass Eigentümer von Häusern und Wohnungen hoch besteuert werden. In Spanien, Italien und Griechenland ist das bereits der Fall. Auch in schweren Krisen in der Vergangenheit kam das oft vor. Ähnlich ist das bei Gold. In den 30er-Jahren wurde es in den USA sogar konfisziert. Bei Gold wird zudem gegenwärtig die Schmerzgrenze der Anleger getestet. Dauert die momentane Korrektur länger an, wird sich zeigen, ob die Leute, die im Sommer zu hohen Preisen gekauft haben, die Nerven behalten. Der langfristige Aufwärtstrend ist noch nicht gebrochen. Sollte Gold jedoch unter 1200 US-Dollar je Feinunze fallen, hat sich grundlegend etwas verändert.
Macht es jetzt Sinn,Gold nachzukaufen?
Otte: Ich würde noch etwas abwarten. Wenn der Preis um weitere 15 bis 20 Prozent nachgibt, würde ich aufstocken, ansonsten bestehende Positionen einfach weiterlaufen lassen. Auch wenn ich überzeugt bin, dass wir früher oder später Notierungen über 2000 Dollar pro Unze sehen werden, ist Gold für mich ein Wertaufbewahrungsmittel, um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein. Für die Rendite bevorzuge ich qualitativ hochwertige Aktien.
Ich habe meinen Goldanteil im Depot im Dezember 2010 auf rund 25 Prozent erhöht. Soll ich jetzt wieder reduzieren?
Schlienkamp: Gewöhnlich sollte der Anteil im Depot bei fünf bis zehn Prozent liegen. In unsicheren Zeiten wie diesen ist aber auch ein höherer Anteil sinnvoll. Wenn sich die Märkte normalisieren, sollten Sie sich klassisches Sachanlagevermögen in Form von Aktien kaufen.
Ich habe kürzlich Kinross Gold gekauft und liege mit der Position im Minus. Wenn ich da noch mal ohne Verlust rauskomme, werde ich verkaufen. Soll ich in Barrick Gold oder in Newmont Mining umschichten, die sich vergleichsweise besser gehalten haben?
Otte: Ein bisschen Geduld müssen sie schon mitbringen. Börsenerfolg stellt sich nicht von heute auf morgen ein. Außerdem haben sie die Aktie bestimmt nicht gekauft, um sie null auf null wieder zu verkaufen, sondern Sie wollten sicher etwas damit verdienen. Ich finde alle drei genannten Goldminenaktien gleichermaßen interessant.
Ich habe Xetra-Gold in meinem Depot und musste nun Abgeltungsteuer zahlen. Das sehe ich aber nicht ein. Schließlich hat man mir, als ich das Produkt gekauft habe, erklärt, dass ich damit das Recht erwerbe, physisches Gold ausgeliefert zu bekommen. Was kann ich tun?
Thiem: Der Fiskus unterwirft die Gewinne tatsächlich der Abgeltungsteuer. Es gibt ein Musterverfahren vor dem Bundesfinanzhof (BFH, Az. IX R 62/10). Sie müssen also Gewinne aus Xetra-Gold in der Steuererklärung angeben. Legen Sie dabei ruhig offen, dass Sie die Gewinne als steuerfrei betrachten. Dann legen Sie Einspruch gegen den Steuerbescheid ein, verweisen auf das BFH-Verfahren und beantragen das Ruhen Ihres Verfahrens. Dann profitieren Sie, falls die BFH-Richter anlegerfreundlich urteilen.