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€uro am Sonntag Spezial

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Interview
Anleger für Risikoprofil selbst verantwortlich
03.04.2009 18:23:29

Lars Hille Kapitalmarktvorstand der DZ-Bank
DZ-Bank-Kapitalmarktvorstand Lars Hille kritisiert im Interview mit Euro am Sonntag die Pläne von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) für eine verschärfte Haftung bei Finanzberatung.

Von Wolfgang Ehrensberger

Hille rechnet allein bei den Genossenschaftsbanken mit Mehrkosten von 40 Millionen Euro. Gleichzeitig wirft er staatlich gestützten Banken vor, mit Kampfkonditionen in den Markt zu gehen. Die Einlagendynamik, die den Genossen im vergangenen Jahr noch einen Zulauf von 20 Milliarden Euro bescherte, habe sich seit Jahresanfang verlangsamt.

Euro am Sonntag: Wie hat sich das Einlagengeschäft bei den Genossenschaftsbanken in den ersten Monaten 2009 entwickelt?
Lars Hille: Im vergangenen Jahr sind als Folge der Finanzkrise die Einlagen bei den Genossenschaftsbanken um 20 Milliarden Euro auf rund 460 Milliarden Euro gestiegen. Die Einlagendynamik hat sich allerdings seit Jahresanfang verlangsamt, während die Nachfrage nach Garantiezertifikaten wieder zunimmt. Seit Jahresanfang haben wir Akzent Invest Zertifikate im Volumen von einer Milliarde Euro abgesetzt. Damit liegen wir in auf dem hohen Niveau des Vorjahreszeitraums, der noch nicht von den Marktverwerfungen beeinträchtigt war. 95 Prozent davon sind Garantieprodukte, die mit 100 Prozent Kapitalschutz ausgestattet sind.

Euro am Sonntag: Spüren Sie Wettbewerbsverzerrungen durch die staatlichen Eingriffe als Folge der Finanzkrise?
Hille: Die Volksbanken und Raiffeisenbanken wollen ihren Weg aus eigener Kraft gehen und nicht auf den Staat zurückgreifen. Deshalb beobachten wir das schon genau. Für uns ist es beispielsweise nicht akzeptabel, wenn staatlich gestützte Banken mit Kampfkonditionen in den Markt gehen – sei es auf der Einlagenseite im Tagesgeldbereich, oder bei der Akquise von Neukunden etwa über Gutscheine. Die aktuelle Praxis einiger staatlich gestützter Häuser ist Besorgnis erregend. Hier ist der Staat gefordert, für faire Wettbewerbsverhältnisse zu sorgen.

Euro am Sonntag: Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner will im Privatkundengeschäft schärfere Regeln für die Finanzberatung einführen, unter anderem Beratungsprotokolle für jedes Kundengespräch sowie verlängerte Verjährungsfristen. Was halten Sie davon?
Hille: Es ist grundsätzlich richtig, gerade unter dem Eindruck der Finanzkrise diese Fragen zu stellen. Wir halten die Vorschläge von Frau Aigner allerdings dort für kritisch, wo sie die Kosten für die Finanzberatung so in die Höhe treiben, dass die Volksbanken und Raiffeisenbanken eine flächendeckende Versorgung breiter Bevölkerungskreise mit Beratungsdienstleistungen nicht mehr gewährleisten können.

Euro am Sonntag: Mit welchen Mehrkosten rechnen Sie denn?
Hille: Allein die Pflicht zur Dokumentation würde bei über vier Millionen Anlageberatungsgesprächen im genossenschaftlichen FinanzVerbund nach einer ersten Schätzung zu einem erheblichen Anstieg der Fixkosten von mindestens 40 Millionen Euro im Jahr führen.





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