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€uro am Sonntag Spezial

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Interview
Microsoft: „Mehr ins Rampenlicht“
06.03.2009 20:01:00

Kevin Turner Chief Operating Officer Microsoft
   Quelle: Microsoft
Microsoft haftet das Image des mächtigen, aber drögen Technologiekonzerns an. Mit eigenen Läden und einer Werbeoffensive will der Konzern jetzt sein Image aufpolieren. €uro am Sonntag sprach mit Microsofts COO Kevin Turner über die Finanzkrise und das neue Windows.

von Thomas Schmidtutz

Microsoft will hinsichtlich der geplanten Kooperation mit Yahoo nicht lockerlassen. Viele Kunden seien angesichts der Dominanz von Google bei Internetwerbung beunruhigt und wünsch­ten sich mehr Wettbewerb, sagte der für Microsofts Tagesgeschäft verantwortliche Manager Kevin Turner. Daher werde man an den Plänen für eine Zusammenarbeit mit Yahoo festhalten.

EURO am Sonntag: Herr Turner, Sie haben drei Kinder zwischen sieben und 13 Jahren. Wie erklären Sie denen, was gerade in der Wirtschaft passiert?
Kevin Turner: Oh, meine Kinder haben ganz viele Fragen. Sie hören, dass Eltern ihre Jobs verlieren, bei Starbucks, Boeing oder Microsoft und einige auch ihre Häuser. Das beschäftigt sie. Sie fragen mich dann auch: Werden wir unser Haus verlieren, Dad, und Du Deinen Job?

EURO am Sonntag: Und: Können Sie Entwarnung geben?
Turner: Nichts ist ewig. Ich will, dass sie lernen, dass man sich anstrengen muss. Man kann sein Schicksal nicht immer bestimmen. Aber man kann bestimmen, wie man reagiert.

EURO am Sonntag: Bei Microsoft haben Sie sich zumindest daran gehalten. Angesichts der Wirtschaftskrise kommt es zur ersten konzernweiten Entlassungswelle der Unternehmensgeschichte. Insgesamt wollen Sie in den nächsten 18 Monaten weltweit 5000 Stellen abbauen und gleichzeitig 2000 bis 3000 neue Stellen in anderen Bereichen schaffen. Können Sie Schlimmeres ausschließen?
Turner: Ich denke, es ist in einem solchen Umfeld sehr ratsam, vorsichtig zu sein und auch eine Verschlechterung einzukalkulieren. Das haben wir getan. Aber natürlich werden wir auch weiterhin prüfen, ob wir die richtige Größe haben, so wie wir das auch in der Vergangenheit schon getan haben.

EURO am Sonntag: Können Sie uns für dieses Jahr denn ein bisschen Mut machen?
Turner: Wir erwarten, dass das makro-ökonomische Umfeld in diesem Jahr nicht einfacher wird.

EURO am Sonntag: Wird’s denn wenigstens 2010 wieder bergauf gehen?
Turner: Die Optimisten hoffen, dass das so kommt. Das Wichtigste, was wir tun können, ist unseren Marktanteil zu steigern, unabhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung. Wir konzentrieren uns auf die Dinge, die wir beeinflussen können und wir müssen sicherstellen, dass wir die richtigen Schlüsse ziehen.

EURO am Sonntag: Nämlich?
Turner: Wir glauben, dass Technologie im Zentrum des nächsten Aufschwungs stehen wird und wir Mehrwert für unsere Kunden schaffen können. Deshalb werden wir im laufenden Jahr neun Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung investieren. Das ist rund eine Milliarde mehr als im Vorjahr. So viel investiert kein anderes Technologie-Unternehmen weltweit in Forschung und Entwicklung.

EURO am Sonntag: Trotz dieser Riesensummen kommen viele bahnbrechende Neuerungen in der Branche nicht von Microsoft. Apple hat mit dem iPhone eine ganze Branche vorgeführt, die Internet-Suche ist fest in der Hand von Google. Wie konnte das alles passieren?
Turner: Ein Teil dieser Wahrnehmung geht sicher darauf zurück, dass wir unsere Innovationen deutlicher kommunizieren müssen.

EURO am Sonntag: Microsofts mangelnde Innovationskraft ist ein Marketing-Problem?
Turner: Nein. Schauen Sie: Wenn man im Endkunden-Geschäft unterwegs ist, ist die Aufmerksamkeit naturgemäß viel höher als bei Firmenkunden. Dabei haben wir gerade im Firmenumfeld fantastische Innovationen und zwar jede Menge. Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel: Wir haben vor gerade mal acht Jahren Sharepoint auf den Markt gebracht. Die Software hilft Arbeitsgruppen dabei, unabhängig vom Standort weltweit gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten. Das ist das am schnellsten wachsende Produkt in der Geschichte von Microsoft. Inzwischen machen wir damit zwei Milliarden Dollar Umsatz. Doch bei Privatanwendern ist Sharepoint kaum bekannt. Davon abgesehen, haben wir viele Produkte, die bei Verbrauchern hoch im Kurs stehen. Denken Sie nur an unsere Spielekonsole Xbox und insbesondere Xbox Live. Das war der erste Online-Service, der voll in eine Spielekonsole integriert war. Mit Xbox Live sind wir Marktführer.

EURO am Sonntag: Das Verbraucher-Geschäft ist bei Microsoft zuletzt ohnehin immer stärker in den Fokus gerückt. Jetzt wollen Sie sogar eine eigene Ladenkette hochziehen. Das erinnert an Apple. Aber die haben Computer, Notebooks und MP3-Player. Microsoft ist primär eine Software-Company. Wie soll das funktionieren?
Turner: Wir wollen unsere Lösungen mehr ins Rampenlicht stellen und besser vermitteln, was Microsoft macht und was Microsoft ausmacht. Werden wir da Laptops und Handies mit Windows und Windows Mobile sehen? Natürlich. Die Xbox oder Media-Center? Klar. Aber berührungsempfindliche Wände, an denen sie per Finger riesige Präsentationen steuern können? Mal schauen. Sicher ist: Wir haben viele Dinge, die wir zeigen könnten. Aber dafür ist David Porter zuständig. Er war vorher bei Wal Mart und Dreamworks und ist seit ein paar Tagen an Bord. Schauen Sie: Wenn ein Produkt in einem Store funktioniert, dann können wir das über unser Partner-Netzwerk und die Händler weltweit verfügbar machen.

EURO am Sonntag: Wann geht’s los?
Turner: Daran arbeitet David. Er ist jetzt zwei Wochen bei uns. Ende März wird er seine Vorstellungen unserem CEO Steve Ballmer und mir präsentieren.

EURO am Sonntag: Rechnen Sie mit dem ersten Store noch in diesem Jahr?
Turner: Wir haben ihn nicht auf einen Tag fest genagelt.

EURO am Sonntag: In den USA haben Sie mit dem Zune einen Wettbewerber zu Apples iPod. Bislang ist das Gerät noch nicht in Europa verfügbar. Wann soll’s denn los gehen?




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