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€uro am Sonntag Spezial

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Interview
Nivea hat noch viel Potenzial
15.05.2009 14:48:00

Bernhard Düttmann Beiersdorf-Finanzchef
Beiersdorf-Finanzchef Bernhard Düttmann über Konjunkturschwäche und Bankenkrise

von Sven Parplies

Die Börse reagierte gnadenlos. Um gut zehn Prozent wurde die Aktie des Kosmetikkonzerns Beiersdorf nach Veröffentlichung der Quartalszahlen Mitte April rasiert. Nicht nur die als konjunktursensibel bekannte Klebstoffsparte Tesa, auch das Herzstück des Konzerns, die Kosmetik, leidet unter der Wirtschaftskrise. €uro am Sonntag sprach mit Finanzvorstand Bernhard Düttmann.

€uro am Sonntag: Herr Düttmann, Ihr Kosmetikgeschäft gilt dank der starken Marke Nivea eigentlich als krisenfest. Trotzdem ist der Umsatz im ersten Quartal gefallen. Warum?
Bernhard Düttmann: Zunächst muss man den Begriff Krise relativieren. Wir hatten in unserem Consumer-Bereich im ersten Vierteljahr einen Umsatzrückgang von einem halben Prozent. Das ist kein dramatischer Einbruch. Was auffällt, ist, dass es innerhalb der Kosmetik­industrie große Unterschiede gibt: Das Massensegment ist zum Beispiel weniger stark betroffen als der Luxusbereich. Außerdem haben wir es durch den starken Euro mit erheblichen Währungsverschiebungen in den Schwellenländern zu tun.

€uro am Sonntag: In Deutschland haben Sie im Kosmetikbereich zum Jahresauftakt über sieben Prozent Umsatz gewonnen, in Spanien bei derselben Währung 15 Prozent verloren. Wie sind solche Unterschiede zu erklären?
Düttmann: Da zeigt sich, wie stark einzelne Marken in einem Land etabliert sind. Je mehr Vertrauen der Kunde in eine Marke hat, desto geringer ist die Gefahr, dass er von seiner Kernmarke zu anderen Anbietern wechselt. Außerdem hat der Konsument in Deutschland die Wucht der Krise noch nicht so stark gespürt wie die Konsumenten in anderen Ländern.

€uro am Sonntag: Sie rechnen also in Deutschland mit einer Verschlechterung im Jahresverlauf?
Düttmann: Wenn Sie sich die volkswirtschaftlichen Daten anschauen, muss man davon ausgehen, dass die Arbeitslosenzahl in Deutschland steigen wird. Das wird Auswirkungen auf den Konsum haben. Da­rauf müssen wir als Unternehmen vorbereitet sein.

€uro am Sonntag: Wie sieht Ihr Notfallplan aus?
Düttmann: Wir haben für alle Länder unterschiedliche Szenarien entwickelt und können damit schnell reagieren. Wir schließen keine Entwicklung aus.

€uro am Sonntag: Bei Ihrer Klebstoffsparte Tesa, die sehr viel stärker von der Konjunkturkrise betroffen ist, werden bereits sehr konkrete Maßnahmen diskutiert.
Düttmann: Das ist richtig. Es gibt Standorte, die auf dem Prüfstand stehen, zum Beispiel die deutsche Logistik für Tesa in Offenburg und Stuttgart. Die Frage ist, ob man diese Logistik deutlich anders gestalten kann oder ob man sie aus dem Unternehmen ausgliedert. Das muss nicht heißen, dass Arbeitsplätze verloren gehen. Falls die Logistik ausgliedert wird, gehen wir davon aus, dass die meisten Arbeitnehmer zu dem Logistikanbieter wechseln würden.





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