19.06.2009 13:21:12

Investments zu konzeptionieren, die möglichst unabhängig von der Kursentwicklung der traditionellen Aktien- und Rentenmärkte positive Renditen für die Anleger erwirtschaften, ist das Ziel der 2001 gegründeten Rising Star AG aus der Schweiz.
Euro am Sonntag: Herr Erhard, stößt die Portfoliotheorie von Harry Markowitz in Krisenzeiten an ihre Grenzen?
Frank Erhard: Die Theorie versagt genau dann, wenn der Diversifikationsgedanke eigentlich am meisten helfen sollte, in Krisenzeiten. Die Theorie offenbart einen inhärenten Systemfehler. Die Korrelationen zwischen den einzelnen Anlageklassen steigen insbesondere in Krisenzeiten an und die Annahme einer Standardnormalverteilung der Renditen bei der Zusammensetzung des Portfolios erweist sich damit als absurd. Bei der Renditeverteilung werden Extremereignisse vernachlässigt, da die Standardnormalverteilung deren Auftreten unterschätzt. Insgesamt gibt das Modell dem Anleger eine Scheinsicherheit, denn diese Simplifizierungen bilden die Praxis nur unzureichend ab.
Demnach ist die Portfoliotheorie ein Auslaufmodell?
Trotz aller Schwächen hilft das Markowitz-Modell dem Anleger, einen grundsätzlichen Gedanken der Vermögensverwaltung, die Vermögensaufteilung auf verschieden Anlageklassen, in seine Überlegungen mit einzubeziehen. Als Orientierung bei dem Aufbau des Portfolios ist dieser Gedanke zu begrüßen. Der Anleger muss eine individuelle Anlagestrategie festlegen, und diese konsequent verfolgen. Die Anlageklassen müssen dabei, abhängig von der individuellen Risiko- bzw. Liquiditätspräferenz getrennt betrachtet werden. Als attraktiv eingestufte Anlageklassen sollten in einem nächsten Schritt strategisch gewichtet werden. Bei der Konstruktion von effizienten Portfolios versagt die Portfoliotheorie aufgrund der genannten Gründe allerdings.
Wie ordnen Sie geschlossene Beteiligung innerhalb der Portfolioausrichtung ein? Bei der Frage der Einbeziehung geschlossener Beteiligung in eine intelligente Portfolioausrichtung, muss allerdings eine Pauschalisierung vermieden werden. Geschlossene Fonds verfolgen höchst unterschiedliche Anlagestrategien. Hinzu kommt, dass die Struktur von geschlossenen Beteiligungen in Deutschland ihre Entstehung und Entwicklung vor dem Hintergrund steuerlicher Überlegungen erfahren hat. In dieser Verpackung sind eine Vielzahl von typisch deutschen Themen im Bereich geschlossener Beteiligungen, wie etwa Schiffe, für internationale Anleger unbekannt. Ob sich geschlossene Fonds für eine Berücksichtigung in dem Portfolio eignen, kann somit nicht pauschal beantwortet werden, sondern muss je nach verfolgter Anlagestrategie, präferriertem Zeithorizont sowie individueller Risikofreudigkeit des Anlegers entschieden werden. Primär muss ein geschlossener Fonds, bzw. der in ihm beinhaltete Investitionsgegenstand, dem Anleger eine angemessene Prämie für die Übernahme der Illiquidität bieten können.
Geschlossene Fonds weisen aufgrund ihrer komplexen Struktur im Vergleich zu standardisierten Anlagevehikeln, wie etwa Zertifikaten oder Anleihen, eine höhere Kostenstruktur aus. Der nachvollziehbare und realistische Performanceausblick des verpackten Investitionsgegenstand muss somit so hoch sein, dass er auf der einen Seite dem Anleger die Illiquiditätsprämie und auf der anderen Seite die höhere Kostenbelastung erwirtschaften kann.