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€uro am Sonntag Spezial

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Interview mit Wirtschaftsweisen Wolfgang Wiegart
„Um Steuererhöhungen kommt man nicht herum“
19.07.2009 18:48:07

Wirtschaftsweiser Wolfgang Wiegart
Der Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegard erläutert im Interview die Auswirkungen der Finanzkrise auf die deutsche Wirtschafts- und Fiskalpolitik.

Wolfgang Wiegard leitet das Institut für Volkswirtschaftslehre einschließlich Ökonometrie an der Universität Regensburg. Seit 2001 ist der Professor Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und ist für den fiskalpolitischen Entwurf innerhalb der Gutachten zuständig.

€uro am Sonntag: Viele Politiker kritisieren die Banken, sie würden der Wirtschaft nicht genügend Geld zur Verfügung stellen. Haben wir eine Kreditklemme? Wolfgang Wiegard: Deutschland ist in erster Linie von den Einbrüchen im Außenhandel betroffen. Eine Kreditklemme gibt es nicht. Es ist zwar tatsächlich schwieriger geworden an Kredite zu kommen, aber das ist in Zeiten der Wirtschaftskrise normal. Die Banken müssen die gestiegene Insolvenzwahrscheinlichkeit in ihre Konditionen einpreisen.

€uro am Sonntag: Was zu einer seriösen Vorgehensweise gehört... Wiegard: Bisher wurde den Banken ja eher eine zu leichtsinnige Vorgehensweise vorgeworfen. Unternehmen empfinden es natürlich als eine Verschärfung der Kreditvergabebedingungen, wenn die Banken mehr Unterlagen verlangen oder höhere Risikoprämien.

€uro am Sonntag: Wie beraten Sie Politiker in Sachen „gefühlter Kreditklemme“? Wiegard: Wir machen aber keine Wahlkampfberatung. Wenn man sich die Kreditvergabestatistiken ansieht, kann man erkennen, dass das Volumen sogar noch leicht angestiegen ist. Wenn es nun zu steigenden Insolvenzen kommen sollte, schlägt sich dies auf das Eigenkapital der Banken nieder. Dies ist wohl Finanzminister Steinbrücks Thema – eine Kreditklemme kann nicht ausgeschlossen werden. Dann muss auf Banken eingewirkt werden.

€uro am Sonntag: Ist es ein gutes Zeichen, dass man aus der Automobilindustrie derzeit weniger von Insolvenzen hört? Wiegard: Derzeit gibt es einen Zuwachs bei den Zulassungszahlen, aber einen Rückgang bei den Produktionszahlen. Das bedeutet, dass die gestiegenen Zulassungszahlen aus dem Kleinwagen-Segment kommen. Diese Wagen werden importiert. Einen Konjunkturoptimismus nur an der Automobilbranche festzumachen, ist nicht sinnvoll. Die Abwrackprämie wirkt stärker als erwartet, aber die Rechnung hierfür wird noch nachgereicht.

€uro am Sonntag: Wie wirksam werden die Konjunkturimpulse der Regierungen 2010 sein? Wiegard: Nicht übermäßig groß, aber sie sind vorhanden. Es wäre auch überraschend, wenn Konjunkturpakete und das Bürgerentlastungsgesetz in einem Volumen von 80 bis 90 Milliarden Euro nicht wirken würden. 2010 werden nach dem drastischen Absturz dieses Jahres wieder positive Wachstumsraten kommen. Doch die Prognosen für 2010 liegen alle zwischen plus 0,4 bis minus 0,4. Dies bedeutet Stagnation für das Jahr 2010 auf dem niedrigen Niveau von 2009.





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