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Investmentbuch
Aktiencharts und andere schöne Bilder
29.09.2010 13:47:18

Investmentlegende Anthony Bolton
   Quelle: fischerAppelt ziegler
Anthony Bolton, Autor des Buches "Investing against the tide" lässt die Anleger an seinem Erfahrungsschatz teilhaben. Er gewährt einen Blick hinter die Kulissen des Fidelity Investmentteams.

von Anthony Bolton, exklusiv für Euro am Sonntag

Die erste Berührung mit Charttechnik hatte ich bei meinem Vorstellungsgespräch bei der kleinen Bank Keyser Ullmann Anfang der 70er Jahre. Der Investmentdirektor legte mir ein Aktienchart von Marks and Spencer vor und referierte darüber, welche Schlüsse man daraus ziehen könne. Ich nickte wissend, obwohl ich damals frisch von meinem Ingenieurstudium an der Universität Cambridge kam und keinen blassen Schimmer von umgedrehten Untertassen, Flaggen und Wimpeln hatte. Keyser Ullmann stellte mich trotzdem ein.

Der technische Analyst der Bank hieß Arthur Abrahams. Er war ein Gentleman wie er im Buche steht und begeisterte sich vor allem für zwei Dinge: Charts und viktorianische Gemälde. Arthur erkannte früh die Qualitäten des Malers Atkinson Grimshaw, kaufte einige seiner Bilder und erzählte ständig, wie gut sich diese Investments entwickeln würden. Er lag mit dieser Einschätzung genauso richtig wie mit seinen Analysen. Bei Arthur lernte ich eine Menge. Er brachte mir unter anderem bei, in welchen Situationen Durchschnittslinien hilfreich sind – und in welchen nicht. Ich erinnere mich an eines meiner ersten privaten Aktieninvestments, bei dem ich mein Wissen anwandte. Mit den 100 Pfund, die ich anlegte, machte ich rund 20 Pfund Gewinn. Dieser Aktienkauf war zugleich einer der letzten, die ich privat ausführte. Seit ich mein erstes Portfolio übernahm, investierte ich nur noch in meine eigenen Fonds. Dies sollte für alle Investmentmanager selbstverständlich sein.

Ich bin nie ein glühender Anhänger der technischen Analyse geworden – sonst hätte ich nicht zu Fidelity gepasst, wo ich 1979 einstieg. Die Fidelity Fondsmanager haben sich schon damals dadurch ausgezeichnet, dass sie sich ihre eigene Meinung über eine Aktie bilden und die Charttechnik nur als eine von vielen Informationsquellen betrachten. Während meiner Laufbahn habe ich es genauso gehalten. Heute betrachte ich die technische Analyse als eine Disziplin, mit der ich meine Erkenntnisse aus der Analyse fundamentaler Unternehmensdaten prüfen kann. Wenn sich aus technischer Sicht bestätigt, was ich durch gezieltes Research festgestellt habe, fällt mein Investment meistens ein paar Nummern größer aus. Auf diese Art und Weise ist sie ein Teil meines Stockpicking-Prozesses geworden. In manchen Fällen gebe ich jedoch nichts auf die Charttechnik – und zwar dann, wenn ich von einer Aktie voll und ganz überzeugt bin, aber die technische Analyse etwas ganz anderes sagt.

Mein bevorzugter Dienstleister in Sachen technischer Analyse heißt Quantitative Analysis Service (QAS) und sitzt in Jersey City gegenüber von Manhattan. Den früheren Chef der Firma, Mal Roesch, lernte ich bei einer Konferenz im schweizerischen Wengen kennen. Aus der Begegnung wurde eine lange und inspirierende Geschäftsbeziehung. Seit unserem ersten Treffen haben Mal und ich ungefähr einmal pro Monat telefoniert, und er kam etwa zwei- bis dreimal pro Jahr zu uns nach London. Bei unseren Meetings sprachen wir jedes Mal über die Großwetterlage an den Börsen, aber auch über einzelne Titel. Wenn man in der Finanzwelt bekannt ist, sagen einem die Leute irgendwann nicht mehr, was sie denken, sondern das, wovon sie denken, dass man es hören möchte. Mal war da anders und schenkte mir immer reinen Wein ein, wenn er nichts von einer Aktie hielt, die ich gekauft hatte.

Mein früherer Kollege und Lehrer Arthur Abrahams und Mal Roesch sind beide auf ihre Art außergewöhnliche Talente und Charaktere gewesen. Ich wünsche jedem Fondsmanager, dass er technische Analysten trifft, mit denen er sich gut versteht. Am besten ist es, man betrachtet die Zusammenarbeit mit Charttechnikern wie eine Vorsorgeuntersuchung beim Arzt. Man hofft, dass alles zum Besten steht. Aber man erwartet auch, dass der Doktor ehrlich zu einem ist, wenn man mehr für seine Gesundheit – oder sein Portfolio – tun muss.

Anthony Bolton von Fidelity Investment Managers ist auch über 30 Jahre nach seinem Karrierebeginn für Überraschungen gut: Die Investmentbranche verfolgt derzeit mit großer Spannung den Start seines neuen Chinafonds. Für dessen Launch ist der einflussreiche Fondsmanager Anfang 2010 von London nach Hongkong gezogen. Zuvor verantwortete er die Anlagestrategie und die Fondsmanagerausbildung bei Fidelity. Einen legendären Ruf erwarb er sich als Manager des Fidelity Special Situations Fund. Dieser erzielte unter Bolton zwischen 1979 und 2007 jährlich im Schnitt 19,5 Prozent Plus. Bolton war außerdem Manager des größten und bis heute besten europäischen Aktienfonds, des Fidelity European Growth Fund. In seinem neuen Buch „Investing Against the Tide“ beschreibt er die Grundlagen seines Erfolgs. Mehr Informationen unter www.fidelity.de.

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