07.08.2009 15:10:21
von Frank-B. Werner, Chefredakteur von €uro am Sonntag
Nun stellen die Akteure fest, dass das Finanzwesen (wieder) funktioniert und die Menschen nach wie vor nach einem besseren Leben für sich und ihre Kinder streben und deshalb hart arbeiten. Die Zuversicht kehrt allenthalben zurück, viele der aufgeschobenen Vorhaben werden jetzt realisiert. Schiffe fahren wieder, die Lager werden aufgefüllt, Maschinen bestellt und vor Kurzem stillgelegte Kapazitäten revitalisiert. Die Rezession ist zu Ende.
Im zweiten Halbjahr wird deshalb überall mit einem kräftigen Wachstum gerechnet. Vor allem die auf Investitionsgüter spezialisierte deutsche Wirtschaft sollte profitieren. Für 2010 werden die Wachstumsprognosen bereits angehoben. Auch in den USA scheint sich die zurückgestaute Nachfrage zu entladen, die Wachstumslokomotive China dampft sowieso munter vor sich hin. Für die deutschen Wahlkämpfer bedeutet das eine Programmänderung.
Beinahe spürt man die Enttäuschung, dass es nun doch nicht zum ökonomischen Weltuntergang kommt. Die Retterpose ist plötzlich unpassend, das Selbstverständnis der Regierung als Reparaturbetrieb der Marktwirtschaft konfligiert mit der Wirklichkeit. Die Wirtschaft läuft in einem Moment schon wieder rund, da die meisten der in den vergangenen Monaten beschlossenen Konjunkturpakete noch gar nicht umgesetzt sind. Braucht man sie vielleicht gar nicht? Und was sollen die Wähler von Politikern halten, die unser Steuergeld für sogenannte Rettungspakete verschwenden, die sich am Ende als überflüssig herausstellen? Dumm gelaufen.