13.07.2009 13:24:50
von Frank-B. Werner, Chefredakteur von €uro am Sonntag
Die im Finanzwesen Beschäftigten beruhigt er jedoch wieder: „Redliche Absicht, Transparenz und die Suche nach guten Ergebnissen sind miteinander vereinbar.“ Na, prima. Dass sich längst herumgesprochen hat, dass dieser Dreiklang die Voraussetzung für ein nachhaltig erfolgreiches Geschäft bildet, ist wohl nicht in den Vatikan vorgedrungen. Auch nicht, dass der kollektive Risikoirrtum, der fast zum Zusammenbruch des Finanzsystems geführt hätte, mehr mit Regulierungsversagen und Leichtsinn als mit Gier zu tun hatte.
Von den Regierungen fordert Benedikt XVI. eine bessere Kontrolle von Wirtschaft und Finanzmärkten, gerechte Gesetze und Mechanismen der Umverteilung. Auch hier offenbart der Pontifex eine gewisse Weltfremdheit. Es ist nämlich das Gegenteil der verbreiteten Ansicht – die Kluft zwischen Arm und Reich werde immer größer – richtig. Die Spreizung zwischen der Masse der Armen und der Masse der Reichen nimmt von Jahr zu Jahr ab. Dass es auf der arabischen Halbinsel und in Russland heute ein paar Milliardäre mehr gibt, wird dem chinesischen Fabrikarbeiter, der seiner Familie nun regelmäßig drei Mahlzeiten am Tag bieten kann, egal sein.
Die Vorstellung des Papstes, das Wohlverhalten der Menschen lasse sich durch Appelle und Dekrete erreichen, haben die Gipfelteilnehmer in L’Aquila kurzerhand auf die Natur ausgedehnt. Per Beschluss haben sie geregelt, dass sich die Erde in den kommenden Jahren um maximal zwei Grad erwärmen darf. Hoffen wir, dass sich die Erde daran hält; denn auf eine Begrenzung des Ausstoßes von Treibhausgasen konnte man sich nicht verständigen. Da hilft wohl nur Beten.