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Kopf der Woche - Interview
Aareal Bank-Chef Wolf Schumacher: Der Staat muss auch die Starken schützen
20.03.2009 15:20:21

Wolf Schumacher im Gespräch mit Euro am Sonntag über den Anspruch auf staatliche Stütze, die Rolle der Steuerzahler und den Ausstieg aus dem MDAX.

Die Aareal Bank scheint mit der Krise besser zurechtzukommen als andere. Dennoch gibt der Bund dem Immobilienfinanzierer Kapitalhilfen und Bürgschaften in Milliardenhöhe. Vorstandschef Wolf Schumacher sieht darin keinen Widerspruch.

von Wolfgang Ehrensberger

Die Aareal Bank tut das, was auch die Hypo Real Estate eigentlich tut – sie ist gewerblicher Immobilienfinanzierer. Obwohl sich Aareal selbst als „kerngesund“ bezeichnet, nimmt die Bank eine staatliche Kapitalspritze von 525 Millionen Euro und vier Milliarden Euro staatliche Garantien in Anspruch.

€uro am Sonntag: Was bedeutet für Sie der Abstieg in den SDAX?
Wolf Schumacher: Die Aareal Bank ist eine gesunde Bank, das Geschäftsmodell funktioniert auch in der Krise. Mit dem Aktienkurs können wir natürlich nicht zufrieden sein. Im aktuellen Umfeld wird zu wenig zwischen gesunden und angeschlagenen Banken differenziert. Sobald sich die Märkte normalisiert haben, werden wir rasch wieder da stehen, wo wir hingehören – im MDAX.

€uro am Sonntag: Wenn die Bank so robust ist – warum Staatshilfen?
Schumacher: Ich würde es nicht Staatshilfe nennen, weil wir nicht aus einer Notlage, sondern aus einer Position der Stärke heraus gehandelt haben. Wir haben 2008 ein Betriebsergebnis vor Steuern von 117 Millionen Euro erzielt und selbst im vierten Quartal schwarze Zahlen geschrieben. Das Stabilisierungsprogramm haben wir rein vorsorglich in Anspruch genommen, um Wettbewerbsnachteile zu vermeiden, mehr Flexibilität in der Refinanzierung zu erhalten und zusätzliche Sicherheit für die Zukunft zu gewinnen, indem wir uns für alle Unwägbarkeiten wetterfest machen.

Aareal Bank-Chef Wolf Schumacher
Quelle: Aareal Bank

€uro am Sonntag: Aber genau deshalb wird der staatliche Sonderfonds SoFFin doch kritisiert: Wenn Steuergelder in Bereiche fließen, die zur reinen Stabilisierung des Finanzmarkts nicht nötig sind.
Schumacher: Für mich ist es strukturpolitisch außerordentlich sinnvoll, nicht nur akut Not leidenden Banken unter die Arme zu greifen. Der Staat muss auch die Starken schützen, damit sie besser durch die­se Krise kommen. Schauen Sie nach Frankreich, wie Präsident Sarkozy dort derzeit die Bankenlandschaft umbaut. Diese Krise verändert die Wettbewerbssituation in unserer Branche radikal.

€uro am Sonntag: Inwiefern?
Schumacher: Ende 2008 hatten wir eine Kernkapitalquote von acht Prozent. Vor zwei Jahren war das absolut marktgerecht. Inzwischen haben Regulatoren und Investoren die Anforderungen angehoben. Heute gelten zehn Prozent als marktgerecht. Eine Aufstockung in diesem Ausmaß ist über die Börse derzeit nicht möglich. Mit der stillen Einlage des SoFFin in Höhe von 525 Millionen Euro kommen wir auch unter den neuen Bedingungen auf eine international wettbewerbsfähige Kapitalquote.

€uro am Sonntag: Und die Garantien?
Schumacher: Den Garantierahmen von bis zu vier Milliarden Euro für unbesicherte Emissionen nutzen wir, um drohenden Wettbewerbsnachteilen in der Refinanzierung vorzubeugen. Gerade haben wir zum ersten Mal davon Gebrauch gemacht und eine Benchmark-Anleihe im Volumen von zwei Milliarden Euro platziert. Laut EU-Vorgaben können grundsätzlich akut gefährdete, aber auch fundamental gesunde Banken Hilfen beanspruchen. Wir sind aufgrund der schwarzen Zahlen und des tragfähigen Geschäftsmodells als gesund eingestuft worden und benötigen auch keinen Sanierungsplan.





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