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Leitzinssenkung
EZB: Vorerst keine weiteren Zinsschritte mehr
15.01.2009 13:56:25

EZB senkt den Leitzins auf zwei Prozent.
   Quelle: pixelio SarahC
Viele hatten sich angesichts der dramatischen Wirtschaftsentwicklung eine deutlichere Senkung des Leitzinses erwartet. Doch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat mit Blick auf weitere Zinsschritte für Februar eine Pause signalisiert.

Er denke nicht, dass es schon im kommenden Monat wieder ein wichtiges Treffen geben werde, sagte Trichet heute in Frankfurt. Zuvor hatte die EZB den Leitzins um 50 Basispunkte auf zwei Prozent reduziert.

Die Notenbank leiste mit dem Zinsschritt einen wichtigen Beitrag zum Erfolg der im Euroraum beschlossenen Konjunkturpakete, sagte Manfred Weber, Geschäftsführender Vorstand des Bankenverbandes. Weber warnte zugleich aber vor allzu hohen Erwartungen in das Leitzinsinstrument. Die Erfahrungen aus Japan zeigten, dass Niedrigzinspolitik allein nicht ausreiche. „Nur ein gesunder Finanzsektor ist in der Lage, die von der Geldpolitik gebotenen Möglichkeiten in reales Wirtschaftswachstum umzuwandeln“, sagte Weber. Kritik an der EZB-Politik kam vom Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB). „Die schlechten Wachstumsaussichten für das laufende Jahr hätten eine noch deutlichere Leitzinssenkung gerechtfertigt", hieß es. Die EZB-Zinspolitik sei im Vergleich zur Fed "viel defensiver ausgerichtet".

Trichet ist pessimistisch

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte bereits in den vergangenen Tagen Äußerungen gemacht, die am Markt als Signal für eine weitere Senkung verstanden wurden. Er sagte, er glaube nicht daran, dass die Wirtschaft im Euroraum vor 2010 wieder auf die Beine komme. Für dieses Jahr sagen alle führenden Institute und Experten einen historischen Konjunktureinbruch in Deutschland voraus. Erwartet wird ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um etwa zwei Prozent. Das wäre die schärfste Rezession seit Gründung der Bundesrepublik 1949. Auch die Prognosen für die EU sind schlecht: Gestern prognostizierte die OECD für den Euroraum einen BIP-Rückgang von 0,6 Prozent in diesem Jahr, Volkswirte gehen jedoch von 1,2 Prozent aus.

Die USA und Japan gingen weiter als die EZB

Im Dezember hatte die EZB den Leitzins das erste Mal in ihrer Geschichte um 0,75 Prozentpunkte reduziert. Doch andere Zentralbanken reagierten mit noch drastischeren Senkungen auf die weltweite Wirtschaftskrise: In den USA und Japan ist man mittlerweile bei einem Zinsniveau von praktisch null Prozent angekommen. Die britische Notenbank senkte den Leitzins erst vergangene Woche auf 1,5 Prozent - so niedrig war er noch nie in der 300-jährigen Geschichte der Bank of England. EZB-Chef Trichet ließ heute wenig Sympathien für eine solche Null-Zins-Politik erkennen. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfe "nicht in eine Situation geraten, die für uns nicht angemessen wäre", sagte er am Donnerstag in Frankfurt. Eine Liquiditätsfalle müsse vermieden werden.

Die europäische Leitwährung gab nach der Bekanntgabe des Zinsentscheids deutlich nach, der Euro rutschte zeitweise auf unter 1,31 Dollar. Mittlerweile hat er sich wieder gefangen und notiert bei 1,3161. (ben)

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