17.04.2009 15:30:51

von Thomas Schmidtutz
Deutschlands führende Volkswirte sehen die wirtschaftliche Entwicklung nicht mehr ganz so finster wie zuletzt: Im April legte das Ökonomen-Barometer überraschend kräftig zu. So stieg die Einschätzung der aktuellen Lage um 13 Prozent auf 20,5 Punkte. Auch die Erwartung der wirtschaftlichen Entwicklung auf Sicht von zwölf Monaten verbesserte sich. Sie kletterte um neun Prozent auf 15,5 Punkte. Es waren die stärksten Zuwachsraten seit April 2007. Offenbar sorgen die weltweiten Konjunkturpakete bei aller Skepsis gegenüber staatlichen Interventionen für Hoffnungsschimmer bei vielen Ökonomen. Zudem dürften die stark gesunkenen Rohstoffpreise die Einschätzung der aktuellen Lage stützen.
Unterdessen erhöhen die billionenschweren staatlichen Rettungspakete nach Einschätzung der Experten die Gefahr einer Inflation. Danach sehen immerhin 83 Prozent der befragten Volkswirte mittelfristig ein solches Szenario, 15 Prozent teilen diese Einschätzung nicht. Zwar gebe es kurzfristig wegen fallender Kapazitätsauslastungen, steigender Arbeitslosigkeit, der Erholung der Rohstoffpreise, niedriger Unternehmensgewinne und der geringen Exportnachfrage Druck auf die Preise, erklärte Norbert Braems, Chefvolkswirt von Sal. Oppenheim. Daher sei die Gefahr einer Inflation gegenwärtig überschaubar. Doch auf Sicht von zwölf bis 18 Monaten sind die meisten Experten vorsichtig. Der Preisauftrieb in der Eurozone könnte mittel bis stark ausfallen, glaubt gut die Hälfte der Ökonomen.
Um das Ärgste zu verhindern, stünden die Notenbanken dann vor großen Herausforderungen: „Sie müssen das Löschwasser rechtzeitig wieder abpumpen, bevor es zu Überschwemmungen kommt. Das wird nicht einfach werden“, sagte Manfred Schweren, vom Vermögensverwalter Privalor. Ähnlich argumentierte auch Volker Hofmann, Direktor Volkswirtschaft beim Bundesverband deutscher Banken (BdB): Es sei „entscheidend, dass die Notenbanken bereits bei klaren Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung und einer stärkeren Kreditnachfrage bei den Banken die geldpolitischen Impulse zurücknehmen.“