17.03.2009 12:15:14

von Thomas Schmidtutz
Danach erwarten die Experten für 2009 einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,2 Prozent. Das wäre einer der stärksten Rückschläge in der Geschichte der Bundesrepublik. Noch im vergangenen November hatten die Ökonomen bei der Wirtschaftsleistung ein moderates Minus von 0,2 Prozent erwartet. Für 2010 prognostizieren die Volkswirte nun ein Nullwachstum. Im November waren die Experten noch einem Plus von 0,8 Prozent ausgegangen.
Die dramatische Verschlechterung der Erwartung spiegelt die jüngsten Daten wider. Die grassierende Rezession trifft immer mehr Branchen. Nach der Automobil- und Zuliefer-Industrie klagten zuletzt auch die Chemie und der Maschinenbau über drastisch sinkende Auftragseingänge. Sie bilden gemeinsam das Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft.
Angesichts dieser Entwicklung sehen die Wirtschaftswissenschaftler auch die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt mit steigender Vorsicht. Für 2009 gehen die befragten Ökonomen im Jahresschnitt von 3,75 Millionen Arbeitslosen aus. Das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit IAB erwartet nach der am Donnerstag veröffentlichten Prognose nun für 2009 im Schnitt 3,6 Millionen Arbeitslose. Allerdings basiert diese Annahme auf einem Rückgang des BIP von 2,75 Prozent. Sollte die erhoffte Erholung in der zweiten Jahreshälfte ausbleiben, rechne man derzeit im Jahresschnitt mit 3,7 Millionen Arbeitslosen.
Unterdessen trifft die Forderung nach einem möglichen dritten Konjunkturpaket unter Ökonomen auf weitgehende Ablehnung. So sprachen sich 75 Prozent der Teilnehmer gegen ein solches Paket zur Stützung des Konsums aus. 14 Prozent würden entsprechende Maßnahmen wie eine Steuer- und Abgaben-Senkung dagegen begrüßen. „Wir sehen zurzeit keinen Handlungsbedarf für ein weiteres Konjunkturpaket“, sagte etwa Professor Christoph M. Schmidt, seit Anfang des Monats neues Mitlied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Stattdessen solle man die beschlossenen Maßnahmen zunächst wirken lassen. Erst am Freitag hatte der Chef des Münchner Ifo-Instituts Hans-Werner Sinn ein weiteres staatliches Konjunkturpaket gefordert. „Für den Winter und 2010 brauchen wir das dritte Konjunkturprogramm“, sagte er der Financial Times Deutschland.
Demgegenüber bezweifelten zahlreiche Ökonomen, dass es angesichts milliardenschwerer Pakete und rückläufiger Steuereinnahmen überhaupt Spielraum für Steuersenkungen gebe: Dies würde den „gerade stabilisierten Haushalt auf Dauer belasten“, so Professor Lutz Arnold von der Uni Regensburg. Zudem ginge dies zu Lasten künftiger Generationen. „Wie viel Steuern von heute wollen wir eigentlich noch zurückschrauben, um dann morgen die zukünftigen Steuerzahler zu belasten“, sagte Professor Bernd Raffelhüschen von der Uni Freiburg. Zahlreiche Fachleute warnten zudem vor den möglichen psychologischen Wirkung: „Ein ständiges Nachjustieren würde wahrscheinlich die Verunsicherung noch vergrößern und könnte per saldo sogar negativ auf die Konjunktur wirken“, erklärte Roland Döhrn vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI).
Unterdessen geht die Talfahrt im Ökonomen-Barometer ungebremst weiter. Im März sank die Einschätzung der aktuellen Lage um 15 Prozent auf 18 Punkte. Auch die Erwartung der wirtschaftlichen Entwicklung auf Sicht von zwölf Monaten ging um 13 Prozent auf 14 Punkte zurück. Für das Ökonomen-Barometer wurden vom 3. bis zum 11. März über 300 Volkswirte in Banken, Universitäten, Forschungsinstituten und Wirtschaftsverbänden befragt.