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Pharma
Interview mit Novo Nordisk-Chef Sörensen: Eine Menge ungelöster Probleme
11.05.2009 13:13:57

Die Pharmaindustrie ist nicht mehr das, was sie einmal war: Die einst hochangesehenen Unternehmen mit kontinuierlich hohen Gewinnwachstumsraten machen heute in erster Linie durch immer größere und kostspieligere Übernahmen und Fusionen von sich reden.

von Julia Groß

Statt innovativer Arzneimittel liefern die gigantischen Konzerne immer öfter nur leicht verbesserte Versionen bereits bekannter Medikamente - oder scheitern an den Zulassungsbehörden.

Lars Rebien Sörensen, Vorstandschef von Novo Nordisk.
Quelle: Novo Nordisk

Neue und erfolgreiche Ansätze kommen immer häufiger aus Biotechnologie-Unternehmen oder hochspezialisierten Pharmafirmen. Zu denen zählt der Weltmarktführer im Bereich Diabetes, Novo Nordisk. Vorstandschef Lars Rebien Sörensen sprach mit Euro am Sonntag über die ungelösten Probleme der Pharmabranche und erklärt, warum es dem dänischen Konzern, der von der Größe her lediglich im Pharma-Mittelfeld spielt, besser geht als vielen anderen – ganz ohne Megamerger.

Herr Sörensen, wie würden Sie die aktuelle Lage der Pharmaindustrie beschreiben?
Lars Rebien Sörensen: Die Pharmaindustrie ist eine Branche, die in der Vergangenheit enorm erfolgreich war und die über ein riesiges Potential verfügt, der Gesellschaft zu helfen und sie gesünder zu machen. Wir als Branche haben es allerdings geschafft, dass die Allgemeinheit uns heutzutage vor allem als profitorientiert, eigennützig und arrogant ansieht. Im Moment gibt eine Menge ungelöster Probleme. Der Sektor hat zu kämpfen.

Woran liegt das?
Wenn man sich die kollektiven Investitionen der Branche in Forschung und Entwicklung ansieht, dann sind die durch die Zahl der neu auf den Markt kommenden Produkte einfach nicht gerechtfertigt. Die Aussicht auf Besserung ist gering, denn die regulatorischen Hürden werden in Zukunft vermutlich nicht niedriger werden. Das setzt die Branche unter Druck, sich zu restrukturieren. Deshalb konsolidiert die Branche. Deshalb sind die Aktienkurse weit von ihren historischen Hochs entfernt.

Der amerikanische Branchenexperte Peter Rost, ein ehemaliger Pfizer-Manager, hat prophezeit, dass es in 20 Jahren nur noch drei oder vier gigantische Pharmakonzerne geben wird - und dass die dann wie die Automobilhersteller um Staatshilfe betteln werden. Was halten Sie von dieser Vorstellung?

Der Unterschied zur Automobilindustrie ist, dass Pharmakonzerne immer noch profitabel arbeiten. Und sie können profitabel bleiben, weil sie sehr viele Möglichkeiten haben, um Kosten zu sparen.Das ist es, was momentan passiert: Sie schließen sich zusammen und streichen Ausgaben für Marketing und Vertrieb, für Verwaltung – und für Forschung. Das heißt aber, dass wir weniger neue Medikamente bekommen werden. Es würde mich wirklich beunruhigen, wenn nur noch drei Unternehmen übrig blieben, denn meiner Meinung nach gibt es keine positive Korrelation zwischen der Größe eines Unternehmens und seinem Innovationspotential. Im Gegenteil, ich tendiere eher dazu, dass eine Firma weniger innovativ ist, je größer sie ist. Wir haben das selbst gemerkt, als wir Novo Nordisk im Jahr 2000 in drei Teile aufgespalten haben, da ist eine Menge Energie und Motivation entstanden.




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