09.04.2009 17:13:19

Gantner spricht außerdem über die Sorge der Private-Equity-Firmen, dass Pensionsfonds und Versicherungen jetzt im großen Stil zugesagte Millionenbeträge wegen der Auswirkungen der Finanzkrise verweigern könnten.
Von Klaus Schachinger
€uro am Sonntag: Herr Gantner, trotz der Bereitschaft für mehr Transparenz, auch aus Ihrer Branche, lehnt Blackstone einer der größten Private-Equity-Spieler die Forderung der US-Börsenaufsicht SEC nach detaillierten Daten über die Wertentwicklung Beteiligungs- und Hedgefonds weiter ab.
Alfred Gantner: Das verstehe ich überhaupt nicht. Ich sehe keinen wirklichen Grund, warum man da so hinter dem Berg halten soll. Wir sehen einer möglichen Überwachung ohne Sorge entgegen. Wir glauben nicht, dass diese Maßnahmen das Geschäftsmodell Private Equity und die Märkte abseits der Börsen in Frage stellen.
€uro am Sonntag: Wird es also in einer Zukunft mit Transparenz und Regulierung noch Börsengänge von Private Equity Firmen geben?
Gantner: Bis der nächste größere Börsengang von einem Private Asset Manager ansteht dürfte einige Zeit ins Land gehen. Jetzt gehen wir vorerst von einer nachhaltigen Konsolidierung aus.
€uro am Sonntag: In der auch große Namen untergehen werden?
Gantner: Ja. Nicht von heute auf morgen, aber über die nächsten zwei drei Jahre. Denn wesentlich vorangetrieben wird die Konsolidierung über die Kunden. Einige Private-Equity-Firmen bekommen weiterhin ausreichend Geld, andere nicht mehr. Eine nicht zu unterschätzende Anzahl General Partners wird so zum Ausstieg gezwungen, weil sie nicht mehr ausreichende Kapitalzuflüsse haben. Dieser Verdrängungswettbewerb hat bereits begonnen.
€uro am Sonntag: Weil die Portfolios von Versicherungen und Pensionsfonds seit Beginn der Finanzkrise enorm an Wert verloren haben, gibt es die Befürchtung, dass es bei einem Sofortabruf des weltweit zugesagten Kapitals mindestens 25 Prozent der Milliardensumme verweigert würde. Sehen Sie das genauso?
Gantner: Ein ganz klares Nein. Erstens ruft die Industrie zurzeit sehr wenig Kapital ab. Man ist mit den bestehenden Portfolio-Firmen genügend gefordert. Zudem ist das Nichteinzahlen nicht ganz so einfach. Die Investoren sind mit Ihrer Kapitalzusage eine vertragliche Verpflichtung mit allen Investoren in einem Fonds und nicht nur zwischen dem Investor und der Private-Equity-Firma eingegangen. Die Zusagen sind vergleichbar stark mit jenen zwischen Kommanditisten, den Besitzern einer Kommanditgesellschaft. Der General Partner ist mit den vielen limited partners eines Private-Fonds in einen Gesellschaftsvertrag eingebunden.
€uro am Sonntag: Was passiert, wenn ein Gesellschafter seine Kapitalzusage nicht einhält?
Gantner: Dann ist es vertraglich meistens so geregelt, das derjenige alles, was er bisher eingezahlt hat, verliert. Wenn das nur fünf bis zehn Prozent seiner Gesamtsumme sind, dann wäre so ein Schritt denkbar, bei dreißig oder achtzig Prozent wird er sich das sehr gut überlegen. Es wird Einzelfälle geben, aber kein Phänomen das durch die Finanzkrise ausgelöst wurde. Wir haben unter unseren 400 Kunden rund um die Welt nicht einen einzigen, der diese Absicht signalisiert hat.
€uro am Sonntag: Weil Finanzierungen im großen Stil bis auf Weiteres nicht möglich sind, gibt es weiterhin keine Anzeichen dafür, dass die Megafonds der Private-Equity-Branche große Übernahmen wagen. Welche Folgen erwarten Sie für diese Spieler?
Gantner: Bei einzelnen großen Gruppierungen, die sich in den neuesten Fonds zehn bis 20 Milliarden Dollar Investitionsvolumen gesichert haben, werden die Fondsgrößen zurückgefahren. Venture Gruppierungen, welche die Fondsgrössen nach der dot.-com Bubble reduziert haben wurden mittelfristig von Investoren mit neuen Kapitalzusagen belohnt. Die Betreiber machen keinen Fehler, wenn sie das Volumen dieser Fonds um zwanzig bis dreißig Prozent reduzieren. Inzwischen fließt Geld zunehmend in andere Segmente des Private Markets. Aber so sollen Finanzmärkte funktionieren.
€uro am Sonntag: Wie reagieren die Investoren in diesen Fonds?
Gantner: Mehrheitlich positiv. Es ist auch in ihrem Interesse, wenn ihre Mittel freigegeben werden, weil durch das Marktumfeld wenig Potential für große kreditfinanzierte Übernahmen vorhanden ist. Außerhalb dieses Segments in den nicht börsenregulierten Märkten gibt es ausreichend Alternativen. Im Sekundärmarkt, wo Firmen, Kredite oder Beteiligungsportfolien angeboten werden, ergeben sich Gelegenheiten, die ich in 25 Jahren Anlagetätigkeit noch nie gesehen habe.