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Serie Life Sciences, Teil 5: Hepatitis
27.07.2007

Wenn die Weltgesundheitsorganisation von einer „viralen Zeitbombe“ spricht, dann bezieht sie sich damit keineswegs auf die Immunschwäche Aids. Mit diesem Begriff umschreibt sie vielmehr ein ganz anderes Virus: den lebensgefährlichen Erreger der Hepatitis C, kurz HCV genannt.

Etwa 170 Millionen Menschen, schätzt die WHO, sind weltweit mit HCV infiziert. Das entspricht etwa drei Prozent der gesamten Weltbevölkerung und dem vierfachen Schätzwert für die Zahl der HIV-Opfer. In einzelnen Erdteilen – insbesondere in Afrika und weiten Teilen Asiens – liegt der Bevölkerungsanteil der HCV-Infektionen dabei überdurchschnittlich hoch, in anderen Regionen wie Westeuropa relativ niedrig (siehe Tabelle). Doch auch in den USA, dem größten Gesundheitsmarkt weltweit, leben nach WHO-Angaben 3,9 Millionen Menschen, die sich irgendwann in ihrem Leben mit HCV angesteckt haben, oft ohne es zu wissen. 2,7 Millionen von ihnen werden eines Tages, das legt die Medizinstatistik nahe, eine chronische Hepatitis C entwickeln, eine der Hauptursachen für gefährliche Lebererkrankungen, die nach Jahren oft zum Versagen dieses lebenswichtigen Organs führen.

Die große Familie der Hepatitis-Erreger deckt ein Gefährlichkeitsspektrum ab, das von lästig bis lebensgefährlich reicht. Hepatitis A, oft durch verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel übertragen, verläuft meist harmlos, mit Übelkeit, Erbrechen, Bettruhe. Die B-Variante (HBV) - die Infektion findet in der Regel durch Kontakt mit Blut oder anderen Körpersekreten statt - ist schon deutlich unangenehmer. „Der größere Anteil der weltweiten Hepatitis-Belastung – mit nachfolgender chronischer Hepatitis, Zirrhose und Leberkrebs – geht auf das Hepatitis-B-Virus zurück, das jedes Jahr 4.000 bis 5.000 Amerikaner und etwa 1,2 Millionen Menschen weltweit tötet“, schreibt die WHO. Etwa 350 Millionen haben sich mit dieser Virus-Variante angesteckt, insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern. Diese geografische Verteilung liegt nicht zuletzt daran, dass in den wohlhabenderen Ländern der Erde Impfungen gegen Hepatitis A und B durchgeführt werden.

Eine vorbeugende Impfung gibt es bei Hepatitis C, die durch den direkten Kontakt mit infiziertem Blut übertragen wird, nicht. Das Virus ist nämlich, ebenso wie beispielsweise das HI-Virus, extrem wandlungsfähig. „HCV ist für 50 bis 76 Prozent aller Leberkrebs-Diagnosen verantwortlich“, schätzt die WHO, „und für zwei Drittel aller Lebertransplantation in der entwickelten Welt.“ Lebertumoren gelten bis heute als ausgesprochen schwer behandelbar.

Zwar können Hepatitis-C-Patienten mit Interferon und Ribavirin behandelt werden. Diese längerfristige Kombinationstherapie zeige aber nur bei etwa 30 bis 50 Prozent der Fälle Erfolg, so die WHO. Es ist vor diesem Hintergrund, dass die UNO-Behörde beim Blick auf die Hepatitis-C-Daten zum drastischen „Zeitbomben“-Vokabular greift. Jeder neue Wirkstoff der Life-Sciences-Branche, der die Behandlungsmöglichkeiten dieser Infektionskrankheit ausweiten und verbessern würde, wäre fast automatisch ein Blockbuster, würde also einen Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Dollar erzielen.

Die wichtigsten Unternehmen im Kampf gegen Hepatitis

Unternehmen Produkt
WKN
Anadys ANA 975
Gilead Sciences Hepsera
Vertex Pharmaceuticals VX-950
Roche Pegasys
Transition Therapeutics HCV-I.E.T.
Novartis Sebivo
Idenix Pharmaceuticals (in Entw.)

Holdings und Investmentfonds
Eine vollständige Liste mit Investmentfonds, die in den Gesundheitssektor investieren,
bietet der Fonds-Newsletter €uro- fondsXpress.

Weitere Informationen zu Hepatitis
Die Firma Essex Pharma betreibt das Portal Hepatitis.de, auf dem umfassende Informationen zu den verschiedenen Formen der Krankheit zur Verfügung stehen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO bietet Fact-Sheets zu Hepatitis hier: Hepatitis A | Hepatitis B | Hepatitis C



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