20.02.2009 11:02:52

Zwischen den Sparkassen und den schwer in die Krise geratenen Landesbanken in Deutschland herrscht immer dickere Luft. In Baden-Württemberg wollen sie sich nicht an der vorgesehenen Kapitalerhöhung für die LBBW beteiligen. In Bayern haben sie sich als Gesellschafter der BayernLB längst zurückgezogen und streiten über die Landesbausparkasse LBS. Und auch bei der HSH Nordbank sollen die frustrierten Sparkassen ihren Anteil zum Verkauf gestellt haben. Im Interview mit €uro am Sonntag erläutert der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Heinrich Haasis, welchen Stellenwert die angeschlagenen Zentralinstitute überhaupt noch für die Sparkassen haben, auf welcher Grundlage die Zusammenarbeit mit den Landesbanken künftig weitergehen soll - und wann es besser ist, getrennte Wege zu gehen.
€uro am Sonntag: Welche Funktionen der Landesbanken wollen die Sparkassen
künftig überhaupt noch nutzen?
Heinrich Haasis: Sparkassen brauchen Landesbankleistungen. Ein Beispiel
dafür ist die Begleitung der mittelständischen Gewerbekunden der Sparkassen
in ausländische Märkte. Oder die gemeinsame Gewährung von großen Krediten.
Und nicht zuletzt haben Landesbanken Spezialkompetenzen, etwa im Bereich der
gewerblichen Immobilienfinanzierung, die für Sparkassen und deren Kunden
wichtig sind.
Quelle: DSGV
Haasis: Die Sparkassen haben in aller Regel die Kundenverbindung. Diese teilen sie nur mit Kreditinstituten, die im Sinne der Kunden und der Sparkasse selbst tätig werden. In der Vergangenheit ist dies über eine Beteiligung an der jeweiligen Landesbank abgesichert worden. Und auch künftig dürften die Sparkassen lieber mit Landesbanken zusammenarbeiten, an denen sie selbst beteiligt sind.
€uro am Sonntag: Erschwert der immer stärkere Einfluss der Politik bei den
Landesbanken dort Fusionslösungen? Oder haben die Sparkassen dieses Thema
schon abgehakt?
Haasis: Es ist ein Faktum, dass an Landesbanken in der Regel die Sparkassen
und die jeweiligen Länder beteiligt sind. Die Sparkassen betrachten diese
Engagements sehr betriebswirtschaftlich. Für sie kommt es deshalb darauf
an, dass Landesbanken optimale Leistungen für die Kunden liefern und keine
Risiken eingehen, die nicht zur Sparkassenphilosophie passen. Für die
Länder stehen auch regionale Standortinteressen auf der Prioritätenliste.
Das sind legitime unterschiedliche Sichtweisen, die auch zu anderen
Einschätzungen führen können. Die Sparkassen wollen dafür sorgen, dass die
Landesbanken stärker von realen wirtschaftlichen Vorgängen leben können und
sich deutlich weniger in reinen Finanzgeschäften bewegen. Dazu müssen
Landesbankkapazitäten über Fusionen deutlich verringert werden. Hiervon
versuchen sie mit den Ländern gemeinsame Lösungen zu finden.
€uro am Sonntag: Welche Alternativen haben die Sparkassen?
Haasis: Das Ziel der Sparkassen ist nicht, sich von den Landesbanken zu
trennen. Anstaltslast und Gewährträgerhaftung sind endgültig weg, deshalb
müssen die Landesbanken auf stabilen Beinen stehen. Das ist auch das
Interesse der Länder. Deshalb glauben wir nach wie vor zu gemeinsamen
Lösungen zu kommen. Sollte dies nicht gelingen und sehr unterschiedliche
Vorstellungen bestehen, darf man sich nicht gegenseitig blockieren, sondern
muss einen Weg finden, dass ein Partner seine Vorstellungen durchsetzen
kann. Das setzt notfalls auch Änderungen in der Trägerstruktur voraus.
Wichtig ist, dass dies in guter Kooperation miteinander geschieht.
€uro am Sonntag: Könnte den Sparkassen durch die Neuausrichtung einzelner
Landesbanken Konkurrenz drohen, zum Beispiel im Firmenkundengeschäft?
Haasis: Die Landesbanken sind - bildlich gesprochen - die Großhändler, die
Sparkassen die Einzelhändler. Aus unserer Sicht ist es nicht sinnvoll, aus
einem Großhändler einen Einzelhändler zu machen. Ich glaube auch nicht,
dass ein solches Konzept in einem bereits gut besetzten Endkundenmarkt
erfolgreich sein könnte. Und es ist auch nicht sinnvoll, den Großhändler
über die Geschäftsstrategie des Einzelhändlers entscheiden zu lassen. Der
Einzelhändler vor Ort weiß am besten, wie der Markt funktioniert. Deshalb
wollen wir an dezentralen Sparkassen festhalten. Aus unserer Sicht ist es
aber sehr sinnvoll, die Zusammenarbeit zwischen Groß- und Einzelhändler,
also zwischen Landesbank und Sparkasse, zu verbessern. Eine wichtige
Voraussetzung dafür ist, die Zahl der Landesbanken als Zulieferer für eine
Sparkasse deutlich zu verringern und so Kosten zu sparen und die Leistungen
für die Kunden zu verbessern.
Das Interview führte Wolfgang Ehrensberger