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US-Nebenwerte
Diedrich Coffee kocht Starbucks ab
07.09.2009 10:19:44

Beste Bohnen
   Quelle: Ursula Dodel
Lieber selbst brühen, als teuer bei Starbucks schlürfen. Immer mehr Amis greifen zu Kaffeemaschinen. Diedrich Coffee macht das zum Börsenstar.

von Tim Schäfer, New York

Ein besseres Aufputschmittel ist kaum denkbar. Vor drei Jahren verkaufte der US-Kaffeeröster Diedrich Coffee seine 40 verlustreichen Filialen an den Erzrivalen Starbucks. Für läppische 13,5 Millionen Dollar riss sich der Branchenprimus die Kette unter den Nagel und zahlte dabei wohl nicht mehr als den Wert der Einrichtungsgegenstände. Doch der Deal zahlte sich aus. Allerdings nicht für Starbucks, sondern für Diedrich Coffee. Denn fortan fokussierte sich das kleine kalifornische Unternehmen auf die Vermarktung der drei hauseigenen Kaffeesorten über das Internet sowie über den Groß- und Einzelhandel – und das mit einem enormen Erfolg.

Wie eine Bombe schlug vor allem der Verkauf exklusiver Kaffeekapseln ein. Dabei hatten Börsianer Diedrich schon als Pleitekandidaten abgeschrieben. Kein Wunder: Insgesamt türmen sich die aufgelaufenen Verluste auf mehr als 50 Millionen Dollar. Folge: Noch Mitte März notierte die Aktie bei 20 Cent.

Doch das Bündnis mit dem Kaffeemaschinenhersteller Green Mountain Coffee Roasters sowie ein neuer Vertriebspartner sorgten für einen kräftigen Umsatzanstieg und die Rückkehr in die Gewinnzone. Der Kurs schoss bis August auf über 25 Dollar nach oben. Zwar gab die Notiz in der Zwischenzeit etwas nach. Trotzdem ist Diedrich an der Nasdaq mit einem Kursplus von 4540 Prozent in diesem Jahr der absolute Topwert. Das ist beachtlich für eine Branche, die normalerweise nicht gerade vor Kursfantasie überkocht.

Alles begann 1916, als Charlotte Diedrich eine Kaffeeplantage in Costa Rica erbte. Als ihr Sohn Carl das Ruder übernahm, suchte er rund um den Globus nach den besten Röstverfahren. In den 60er-Jahren engagierten sich schließlich Carls Söhne. Sie kauften 1966 Plantagen in Antigua, Guatemala, hinzu. Dort ernteten sie jedes Jahr 400 Säcke Arabica-Bohnen. Mit einem kleinen VW-Bus transportierten sie die Säcke zu ihrem Stammsitz im kalifornischen Orange County. 1972 eröffnete das erste Café in Newport Beach. Weitere Filialen folgten.

Der jüngste Erfolg hängt vor allem mit dem Bündnis mit Green Mountain zusammen. Dessen Keurig-­Maschinen, bei welchen der Kaffee mithilfe von Kapseln zubereitet wird, verkaufen sich wie verrückt. Allein im zweiten Quartal gingen 479 000 Geräte über die Ladentheke. Große Einzelhändler wie Macy’s, Bloomingdale’s oder Bed Bath & Beyond haben sie längst im Sortiment. Selbst die Mega-Supermarktkette Wal-Mart reiht sich inzwischen bei den Vertriebspartnern ein.

Wegen der wirtschaftlichen Flaute nehmen die Amis Heißgetränke häufiger zu Hause zu sich. Darunter leiden teure Filialisten wie Starbucks. Weil der heimische Automat eine günstige Alternative ist, zählen Firmen wie Green Mountain oder Diedrich zu den Profiteuren der neuen Trinkgewohnheiten. Während eine Kapsel etwa 50 Cent kostet, müssen bei Starbucks zwei Dollar und mehr für einen Becher auf die Theke gelegt werden.

Gegen die teuren Cafés wettert seit Monaten zudem die TV-Werbekampagne „Feed The Pig“ – Füttere das Sparschwein. Wer auf die Pappbecher unterwegs verzichtet, könne über 1000 Dollar im Jahr sparen, rechnet die vom Verband der Buchhalter gesponsorte Reklame vor. Sie richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die lernen sollen, sparsamer mit Geld umzugehen.

Mehr als die Hälfte der Erwachsenen trinkt regelmäßig Kaffee. Die Amis geben jährlich 26 Milliarden Dollar dafür aus. 80 Prozent kochen mittlerweile wieder zu Hause, berichtet der Nationale Kaffeeverband. Dazu passt ins Bild, dass Starbucks seit Jahren unter einem rückläufigen Umsatz leidet. Zuletzt hatte McDo­nald’s dem Koffeingiganten den Kampf mit frisch gebrühtem Bohnenkaffee für einen Dollar angesagt. Montags bietet McDonald’s sogar vorübergehend Kaffee gratis an.

Zu den Profiteuren des Bohnenkriegs zählt auch Peet’s Coffee and Tea. Der Filialist befindet sich im Aufwind dank der 8000 Einzelhändler, die den abgepackten Qualitätskaffee direkt an Verbraucher verkaufen – zum Selberbrühen.

Klarer Gewinner ist zudem, neben Diedrich Coffee, Green Mountain. Der Kurs kocht regelrecht. Seit der Erstnotiz 1993 schoss der Nasdaq-Titel von 1,47 auf über 63 Dollar. Clever ist die Strategie: Ähnlich wie Gillette mit seinen Rasierklingen hohe Margen verdient, bittet Green Mountain die Verbraucher bei den Kapseln zur Kasse. Jede neu verkauf­­te Maschine – sie kostet nur um die 100 Dollar – ist praktisch ei­ne Garantie für Hunderte von Kapseln. Zudem gab das Management nur vier Röstern die Lizenz für die Kapseln. Damit ist die Konkurrenz begrenzt. Was voll und ganz dem Geschmack der Green-Mountain-Chefs und der Anleger entsprechen dürfte.

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