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Unternehmer des Jahres 2009
Ben Lipps: „Wir werden weiterhin Mitarbeiter einstellen“
23.01.2009 15:19:49

Firmenzentrale der Fresenius Medical Care AG
   Quelle: FMC AG
Ben Lipps, Vorstandschef der FMC, ist der „Unternehmer des Jahres“. Lipps spricht im Interview über die Krise im Kernmarkt USA und die Gesundheitspolitik Barack Obamas.

Von Stephan Bauer

Dieser Goldene Bulle war beinahe überfällig. Ben Lipps, Vorstandschef von Fresenius Medical Care (FMC), wurde von den Lesern von €URO und €URO am Sonntag zum „Unternehmer des Jahres“ gewählt. Lipps setzte sich dabei gegen Siemens-Chef Peter Löscher (Platz 2) und Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber durch (Platz 3). Ein Argument, das besonders überzeugt hat: Die FMC-Aktie belegte 2008 nach Performance Platz 3 im DAX – hinter dem Sonderfall Volkswagen und dem Neueinsteiger K+S.

Wichtiger aber noch wiegt die nachhaltige Erfolgsgeschichte der FMC: Seit 13 Jahren wächst der Weltmarktführer in der Dialyse beständig. Und seit zehn Jahren steigert der Konzern die Dividende. €URO am Sonntag sprach mit Ben Lipps über die Wachstumsperspektiven des Konzerns in der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit.

€uro am Sonntag: Gibt es ein persönliches Leitbild oder Motto, an dem Sie sich während Ihrer beruflichen Laufbahn orientiert haben?

Ben Lipps: Ich habe meine Karriere vor über 40 Jahren als Wissenschaftler begonnen. Das Wichtigste, was ich in all den Jahren in der Dialyseindustrie gelernt habe, ist: Man muss einen Beitrag zum medizinischen Fortschritt leisten und die Bedürfnisse der Patienten genau kennen. Überdies dürfen wir niemals die ethischen Werte unseres Unternehmens zugunsten kurzfristiger Erfolge oder Gewinne opfern. Und: Es gibt keinen Ersatz für harte Arbeit.

Ben Lipps, Vorstandschef von Fresenius Medical Care (FMC)
Quelle: FMC AG

€URO am Sonntag: Sehen Sie die Wachstumsperspektiven angesichts der tiefen Wirtschaftskrise getrübt?

Lipps: Keineswegs. Ich rechne in den kommenden Jahren trotz des schwierigen ökonomischen Umfelds für Fresenius Medical Care mit einem deutlichen Umsatz- und Ergebniswachstum. Wir haben 2005 ein mittelfristiges Ziel ausgegeben: Bis 2010 wollen wir 11,5 Milliarden Dollar Umsatz erreichen, was einem jährlichen Umsatzwachstum von sechs bis neun Prozent entspricht. Das Ergebnis sollte jährlich währungsbereinigt mindestens zehn Prozent zulegen. Beide Ziele haben wir von 2005 bis heute übererfüllt.

€URO am Sonntag: FMC hat 2008 laut bestätigter Prognose 10,4 Milliarden Dollar Umsatz erzielt – so viel wie noch nie. Wird dann auch das Krisenjahr 2009 ein Rekordjahr?

Lipps: Wir wachsen weiter. Insofern sollte 2009 ein weiteres Rekordjahr in der Geschichte des Unternehmens werden.

€URO am Sonntag: Die USA sind der Kernmarkt der FMC. Die US-Regierung gibt Tausende Milliarden Dollar zur Überwindung der schwersten Rezession seit 1929 aus. Droht nach der Ausgabenflut die große Sparwelle im Gesundheitssystem?

Lipps: Es wird Kostensenkungen geben. Aber wir haben guten Grund zur Hoffung, dass das Dialysegeschäft hiervon kaum betroffen sein wird. Die Dialyse ist keine wahlweise Therapie, sondern sie ist lebensnotwendig. Ich denke, wir haben in den guten Jahren qualitätsorientierte und kosteneffiziente Ansätze entwickelt, die dem US-Gesundheitssystem künftig helfen könnten.

€URO am Sonntag: Welche Änderungen erwarten Sie von Präsident Barack Obama?

Lipps: Präsident Obama will einer größeren Anzahl von Menschen günstigere und qualitativ bessere Gesundheitsleistungen zugänglich machen. Initiativen erwarten wir daher in Richtung einer auf medizinische Ergebnisse und Qualität ausgerichteten Politik. In der Dialyse gab es allerdings bereits im vergangenen Jahr einen Paradigmenwechsel in Nordamerika hin zu einer qualitäts- und leistungsbezogenen Vergütung. Daher denke ich, dass unser Sektor zunächst nicht mehr im Fokus der Reformen stehen wird.

€URO am Sonntag: Nach einem neuen Gesetz soll ab 2011 in Nordamerika eine Pauschalvergütung pro Patient eingeführt werden...

Lipps: Das noch von der alten Regierung verabschiedete Gesetz ist erst der Einstieg in eine echte Pauschalvergütung, da viele Leistungen nach wie vor noch separat abgerechnet werden. Aber auch die Regierung Obama sieht darin große Chancen. Künftig soll belohnt werden, wer die besten medizinischen Ergebnisse erzielt. Dieses System wird dabei helfen, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden. So sollten sich langfristig Möglichkeiten ergeben, wo die Kostenträger Einsparungspotenziale identifizieren können.





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