23.01.2009 16:09:12

von Jens Castner
Rauschende Feste zu feiern, passt nicht in eine Zeit, in der die Märkte kollabieren. Deshalb verzichtete unser Haus dieses Jahr auf eine Gala anlässlich der Verleihung der Goldenen Bullen, mit denen alljährlich die besten Köpfe der Finanzbranche geehrt werden.
So nahmen die Preisträger ihre Auszeichnungen bei einem Abendessen in Frankfurt entgegen. Das ließ Raum für intensive Fachdiskussionen, bei welchen naturgemäß die Finanzkrise im Vordergrund stand. Horst Popp etwa, der als Vorstandschef der Umweltbank den Nachhaltigkeits-Award mit nach Hause nahm, forderte die Rückbesinnung auf „einfache Kaufmanns- und Unternehmertugenden“. Statt, wie in der Bankenszene zu häufig geschehen, „das Blaue vom Himmel zu versprechen“, müsse man Fehler nutzen, um daraus zu lernen. Nur so werde es gelingen, dass „aus Lehrgeld in Zukunft Profite werden“.
Mit Blick auf die benachbarten Türme der Großbanken sparte auch Nader Purschaker, Geschäftsführer von Metzler Investment, nicht mit Kritik am Diktat des schnellen Gelds. Die Konzeption des als Fonds-innovation des Jahres ausgezeichneten Nordea 1 Long/Short MMI Fund habe Jahre in Anspruch genommen. Bei Metzler müsse man weder schnell sein noch 25 Prozent Eigenkapitalrendite versprechen, sondern habe gelernt, „über Generationen zu denken“, so Purschaker.
Ob die Appelle der Preisträger helfen, eine „Zeitgeistwende“ hin zu Solidität und Traditionsbewusstsein zu vollziehen, auf die Achim Küssner von Schroders Investment Management (Aufsteiger des Jahres) hofft, muss die Zukunft zeigen. Wer in der Vergangenheit die Gier aus- und den gesunden Menschenverstand eingeblendet hat, konnte die Krise glimpflich überstehen. So heimste Jamestown-Gründer Christoph Kahl den Titel Fondsinitiator des Jahres ein. Als Anbieter von Geschlossenen US-Immobilienfonds war Jamestown „im Auge des Hurrikans“ tätig, hatte aber durch den rechtzeitigen Verkauf von Objekten Gewinne gesichert. Da Gewinne 2008 eher die Ausnahme waren, erzielten Preisträger wie der Fondsmanager des Jahres Hans-Olov Bornemann von SEB Asset Management oder der Finanzberater des Jahres Georg Rankers ihre herausragenden Renditen zum Teil mit Wetten auf fallende Kurse. Dagegen sahen traditionelle Aktienfonds kein Land.
Da im Sinne der Zeitgeistwende aber nicht nur die Leistung eines Jahres zählt, erhielten auch Strategen wie Jens Ehrhardt (Fondsboutique des Jahres) oder Eric Wiese (Vermögensverwalter des Jahres) Preise für ihre langfristig bewährten Anlagekonzepte. Oder, wie Frank-B. Werner, Geschäftsführer von Axel Springer Financial Media und Chefredakteur von €uro am Sonntag, sagte: „In Krisenzeiten gibt es eben auch Goldene Bullen für diejenigen, die mit einem blauen Auge davonkommen.“
Hier finden Sie die Preisträger, einfach durchklicken