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20.09.2011 14:20 | Aktuell

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Die Mischung macht’s

Bei der Frankfurter ABL Group setzen renditehungrige Investoren auf erneuerbare Energien, Finanzdienstleistungen, Afrika und ehrgeizige Unternehmer

von Peter Schweitzer

Diese Zahlen lassen Ökostromfans strahlen: Nach den neuesten Schätzungen des Verbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) von Ende August deckten erneuerbare Energien im ersten Halbjahr 2011 fast 21 Prozent des deutschen Strombedarfs – ein neuer Rekord. Wind bleibt mit einem Anteil von 7,5 Prozent die wichtigste alternative Energiequelle, vor Biomasse mit 5,6 und Solarenergie mit 3,5 Prozent. Letztere hat ihren Anteil im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast verdoppelt. „Die Botschaft ist klar“, sagte CDU-Bundesumweltminister Norbert Röttgen dazu. „Investitionen in erneuerbare Energien sind sicher.“

Entsprechend gut gelaunt erschienen Anfang September die Finanzmanager Christian Angermayer (33) und Sebastian Grabmaier (40) zum Gespräch mit €uro. Gerade hatte das Führungsduo der Frankfurter Angermayer, Brumm und Lange (ABL) Group die Finanzierung des zweiten Teils des Solarparks Finowfurt in Brandenburg durch Fonds der ABL-Tochter Altira verkündet. Altira ist ein börsennotierter Vermögensverwalter für institutionelle Anleger. Zu ABL gehören zudem der ebenfalls börsennotierte Finanzvertrieb Aragon und die auf Investmentbankingservices für Mittelständler fokussierte Silvia Quandt & Cie. AG. Die von ABL betreuten Vermögenswerte sind aktuell rund sieben Milliarden Euro wert. Im Interview erklären die beiden Manager ihre Investmentstrategie, wie die ABL Group die Finanzkrise durchstehen will, wie sie mit Kritik umgehen und mehr Transparenz schaffen wollen.

€uro: Reden wir zuerst über alternative Energien. Viele Solarunternehmen haben Probleme, deren Aktien stürzen ab. Müssen Anleger, die über ihren Fonds „Stabilität 2010“ im Solarpark Finowfurt investiert sind, auch Angst vor Verlusten haben?
Christian Angermayer:
Nein. Probleme haben vor allem deutsche Hersteller von Solarmodulen. Denn die Module können in Billiglohnländern wie China ebenso gut gebaut werden wie hierzulande. Wir aber finanzieren die Energieerzeugung an sich, also die Solarparks. In diesem Bereich nimmt die Bereitschaft für Investments sogar zu.

Was ist der konkrete Vorteil?
Sebastian Grabmaier:
Institutionelle Investoren wie Versicherungen und Pensionskassen schätzen die stetigen und gut kalkulierbaren Erträge sowie die Unabhängigkeit vom Aktienmarkt. Anleger können ziemlich -sichere Renditen von sechs bis sieben Prozent jährlich erwarten – konstant über 20 Jahre. Den Solarfonds „Stabilität 2010“ konnte unser Asset Manager Altira Group daher sehr schnell mit einem Eigenkapitalvolumen von 112,5 Millionen Euro bei deutschen Versicherungen platzieren.

Was lässt sich damit bewegen?
Grabmaier:
Wir strukturieren und finanzieren inklusive Fremdkapital dieses Jahr mit all unseren Renewable Fonds Solarparks für rund 600 Millionen Euro. Damit ist Altira einer der größten Investoren im Bereich erneuerbare Energien weltweit. Und wir wollen das Investitionsspektrum auf Technologien wie Windenergie und Geothermie auch außerhalb Europas ausweiten.

Vom Detail zum großen Ganzen: Ihrem Geschäftsmodell scheint der rote Faden zu fehlen. Was verbindet Solarparks und Finanzvertrieb?
Angermayer:
Der rote Faden ist da, aber wir müssen ihn vermutlich besser kommunizieren. Wir konzentrieren uns auf folgende drei Kernbereiche der Finanzdienstleistungsbranche: Asset Management, Finanzvertrieb und Investment Banking. Die verschiedenen Zyklen dieser Teilbereiche geben unserer gesamten Gruppe eine hohe Umsatz- und Ertragsstabilität. Im Asset -Management wiederum haben wir vier Themenbereiche, die wir abdecken: deutscher Mittelstand, erneuerbare -Energien, Rohstoffe und Afrika.

Die Finanzkrise spitzt sich seit Wochen wieder zu und droht die Wirtschaft empfindlich zu schwächen. Was bedeutet das für die ABL Group?
Grabmaier:
Leider wird die Finanzkrise die Weltwirtschaft wohl noch jahrelang beeinflussen. Aber es ist nicht das erste Mal in unserer Unternehmensgeschichte, dass wir starken Gegenwind an den Kapitalmärkten haben. Wir haben die Klippen bislang immer gut umschifft, was ich auch unserem langfristigen Ansatz zugute schreibe. Und Ungleichgewichte und Unsicherheiten bieten auch Chancen.

Was genau meinen Sie?
Angermayer:
Die Finanzkrise ist keine Weltwirtschaftskrise, sondern eine Krise der USA und Europas. Leider eine hausgemachte. Die Schwellenländer zeigen sich bisher recht unbeeindruckt. Daher wenden sich Investoren zunehmend diesen Märkten zu. Gleiches gilt wie eingangs angesprochen für Infrastrukturinvestments im Energiebereich. Investoren wollen Rendite und Wachstum. Das kann die Altira bieten.

Die Firmenstruktur von ABL wird von Außenstehenden mitunter als undurchschaubar wahrgenommen. Das schürt Misstrauen. Wie gehen Sie damit um?
Grabmaier:
Seit der Gründung von ABL vor zwölf Jahren haben wir mehr als 25 strategische Zukäufe getätigt. Hinzu kommen mehr als 50 Transaktionen mit unseren Beteiligungsfonds. Dabei haben wir auch viele Marken eingekauft, deren Erhalt für den Markterfolg wichtig war. Kurzum: Die zugegeben nicht ganz einfache Struktur ist unserem schnellen Wachstum geschuldet.

Fassen Sie die Marken doch einfach zusammen.
Grabmaier:
So einfach geht das nicht. Bei Zukäufen im Finanzbereich erwirbt man vor allem immaterielle Vermögenswerte wie Mitarbeiter, Kunden und eben Markennamen. Würden wir Letztere zu schnell aufgeben oder sie brachial integrieren, verlören wir Mitarbeiter und Kunden – und damit Werte. Hinzu kommt, dass an vielen unserer Tochterfirmen auch deren Manager und strategische Partner beteiligt sind.

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